Der ewige Klassiker
Mönchengladbach (DK) Renaissance der 70er-Jahre: Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit stehen sich heute Borussia Mönchengladbach und Bayern München zum Auftakt der Rückrunde wieder auf Augenhöhe gegenüber. Es ist das Comeback eines Klassikers, mit denkwürdigen Spielen.

Seitenwechsel: In den 70er-Jahren lief der jetzige Trainer des FC Bayern München Jupp Heynckes für Borussia Mönchengladbach auf (Foto, rechts). Es war das denkwürdige Spiel, bei dem die Gladbacher 5:0 gewannen. Die Münchner um Johnny Hansen und Rainer Zobel (von links) waren noch übernächtigt von einer Feier. Denn zwei Tage zuvor gewannen die Bayern den Europapokal der Landesmeister. Die Niederlage war kein Beinbruch: Die Münchner waren zum Zeitpunkt der 0:5-Klatsche bereits Meister. - Foto: imago
Das erste Duell

Seitenwechsel: In den 70er-Jahren lief der jetzige Trainer des FC Bayern München Jupp Heynckes für Borussia Mönchengladbach auf (Foto, rechts). Es war das denkwürdige Spiel, bei dem die Gladbacher 5:0 gewannen. Die Münchner um Johnny Hansen und Rainer Zobel (von links) waren noch übernächtigt von einer Feier. Denn zwei Tage zuvor gewannen die Bayern den Europapokal der Landesmeister. Die Niederlage war kein Beinbruch: Die Münchner waren zum Zeitpunkt der 0:5-Klatsche bereits Meister. - Foto: imago
Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach war in den 70er-Jahren mehr als nur ein gewöhnliches Fußballspiel. In dieser Zeit trafen die beiden Mannschaften aufeinander, die den Titel quasi unter sich ausspielten. Im Schnitt fielen 3,2 Tore und selten gingen die Zuschauer enttäuscht nach Hause.
Das erste Spiel von Bayern gegen Gladbach war bereits am 2. Oktober 1965. Günter Netzer traf für die Fohlen zum ersten Tor dieses Klassikers überhaupt. Doch die Bayern gewannen noch. Gerd Müller – wer auch sonst – schoss den 2:1-Siegtreffer mit einem 20-Meter-Tor. Auch das Rückspiel gewannen die Münchner. Wobei Müller diesmal kein Tor schoss – was unglaublich klingt bei einem Endstand von 5:2.
Gladbachs Sternstunde
Irgendwie waren es irreguläre Bedingungen am 18. Mai 1974. Die Münchner stiegen erst am Tag davor aus dem Flugzeug aus. Sie hatten das Endspiel um den Europapokal der Landesmeister gegen Atletico Madrid gewonnen. Selbstverständlich wurde dieser Triumph gebührend gefeiert. So stand eine nicht ganz nüchterne Münchner Mannschaft einer hochmotivierten Gladbacher-Elf gegenüber.
Der Endstand sprach auch Bände: 5:0 gewannen die Borussen (siehe Video oben). „Wir haben auf der Trainerbank bei jedem Tor nur noch gelacht“, erinnert sich der damalige Bayern-Trainer Udo Lattek. Auswirkungen hatte die Klatsche übrigens nicht: Die Bayern standen bereits eine Woche zuvor als neuer deutscher Meister fest.
Münchner Kantersieg
93 Mal trafen bislang Mönchengladbach und die Bayern aufeinander. Doch die 1:7-Heimspiel-Pleite der Borussia am 24. März 1979 lässt noch heute jeden Fohlen-Fan in Schockstarre verfallen. Für den Rekordmeister ist es der zweithöchste Auswärtssieg in der Vereinsgeschichte. Karl-Heinz Rummenigge traf gleich drei Mal und Sepp Maier machte vor Freude einen Kopfstand. Ein Riesenspiel. Und alles nur, weil die Bayern Max Merkel verhindern wollten. Dieser war als neuer Bayern-Trainer im Gespräch. Der Kantersieg half: Bayern-Trainer Pal Csernai blieb im Amt und die Bayern gewannen mit ihm noch zwei weitere Meisterschaften. Mit dem 1:7 endete aber auch die goldene Zeit der 70er-Jahre für die Borussia.
Der Elfmeter-Albtraum
Der 31. Mai 1984 war auch das Drama um Lothar Matthäus. Der 23-Jährige würde von Mönchengladbach nach München wechseln. Das war vor dem Pokal-Endspiel sicher. Und Matthäus kündigte vollmundig an: Er wolle sich „mit dem Pokalsieg im Gepäck nach München verabschieden“. Doch Matthäus war dem Druck nicht gewachsen.
Die Borussia verlor mit 8:7 n. E. Ausgerechnet Matthäus verschoss einen Elfmeter. Auch Bayer Augenthaler traf nicht. Und nachdem Borusse Norbert Ringels an den Pfosten schoss, verwandelte Michael Rummenigge den insgesamt 16. Elfmeter. Die Entscheidung. Rummenigge verabschiedete sich mit dem Pokalsieg zu Inter Mailand. Matthäus erlebte die bitterste Stunde seiner Laufbahn.
Ende einer Durststrecke
Es war ein unheimlicher Rekord, der am 14. Oktober 1995 zu Ende ging. Mit 2:1 gewannen die Borussen das Auswärtsspiel bei den Bayern. Es war der erste Sieg in München seit 31 Jahren. Ex-Bayer Stefan Effenberg schoss das 0:1. Andreas Herzog besiegelte die Münchner Niederlage mit einem Eigentor. Nach dem Spiel lösten die Gladbacher eine Wette ein und machten vor ihrem Fan-Block Liegestütze. Die Fohlen vermasselten den Bayern auch den Startrekord. Denn die Elf des damaligen Trainers Otto Rehagel hatte sieben Spiele in Folge gewonnen. Ein weiterer Sieg hätte einen neuen Rekord in der Liga bedeutet. Doch Gladbach hatte ein simples Erfolgsrezept: „Wir sind erst am Spieltag angereist“, sagte Borussen-Trainer Bernd Krauss.
Die Revanche?
Von Timo Schoch
Kommentare
Jetzt kostenlos Community-Mitglied werden und mitmachen!








