Der Deutsche Fußball-Bund hatte es sich so schön ausgemalt: Weniger Gesprächsstoff - dem Videobeweis sei Dank. Nix da! Ein halbes Jahr nach der Einführung stehen die Schiedsrichterentscheidungen in Deutschland so stark im Fokus wie noch nie.

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Den vorläufigen Höhepunkt gab es am Montagabend beim Bundesligaspiel zwischen dem FSV Mainz und dem SC Freiburg (2:0). 

1. FSV Mainz 05 - SC Freiburg
Gesprächsbedarf: Schiedsrichter Guido Winkmann rechtfertigt seine Entscheidung vor den Freiburger Spielern.
Arne Dedert (dpa)
Ingolstadt

Schiedsrichter Guido Winkmann hatte gerade den torlosen ersten Durchgang abgepfiffen. Spieler und das Unparteiischen-Team sind auf dem Weg in die Kabine. Dann bekommt Winkmann von Video-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus einen Hinweis. Er schaut sich eine knifflige Szene auf einem Monitor noch einmal an. Und entscheidet dann auf Strafstoß für Mainz. Statt in die Kabine geht es für die Teams wieder auf das Spielfeld. Pablo de Blasis verwandelt zum 1:0 und bringt die Gastgeber auf die Siegerstraße. Mainz und die Schiedsrichter...da war doch was?!?

 

Der Eifel-Django

FSV Mainz 05 - FC St. Pauli
"Django" Metzen in Aktion: Für den Paulianer Florian Bruns (links) und den Mainzer Miroslav Karhan (2. von rechts) gibt es die Gelbe Karte - und zwar gleichzeitig!
Fredrik von Erichsen (dpa)
Ingolstadt

Die hessische Landeshauptstadt war schon einmal Zeuge einer kuriosen Schiedsrichterentscheidung. Wir schreiben das Jahr 2008. Der FSV trifft in der Zweiten Liga auf den FC St. Pauli. Schiedsrichter der Begegnung: der heute 36-jährige Thomas Metzen. Er zog zwei Gelbe Karten parallel aus den Brusttaschen. Die Reaktionen?

Thomas "Django" Metzen

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Der DFB fand die Aktion - obwohl sie regeltechnisch erlaubt ist - nicht so lustig. "Viel Selbstinszenierung" fand der Verband und setzte Metzen erst im März 2009 wieder für ein Spiel an. Geblieben ist dem Schiedsrichter der Spitzname „Eifel-Django“, in Anlehnung an einen Italo-Western aus dem Jahr 1966. Sie glauben, kurioser geht es nicht? Lesen Sie ruhig weiter!
 

Bier + Malteser = Ahlenfelder

Früherer Bundesliga-Schiedsrichter Ahlenfelder gestorben
Beleibt und beliebt: Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder.
Roland Witschel (dpa)
Ingolstadt

Der 8. November 1975. Die Partie: Werder Bremen gegen Hannover 96. Der Unparteiische: ein junges Schiedsrichtertalent namens Wolf-Dieter Ahlenfelder. Es ist gerade einmal sein dritter Einsatz in der Bundesliga. Seine Vorbereitung ist allerdings nicht professionell, sie wird ihm gar zum Verhängnis. Vor dem Spiel gab es für Ahlenfelder und seinen Schiedsrichterbetreuer Richard Ackerschrott ein fettiges Essen. Gans stand auf dem Speiseplan, dazu reichlich Alkohol. "Ein Bier und ein Malteser zum Mittagessen, das wird doch wohl erlaubt sein", so Ahlenfelder. "Wir sind Männer und trinken keine Fanta." Hätte er aber lieber mal. Denn nach nur 32 Minuten pfiff er zur allgemeinen Verwunderung zur Halbzeit.

Falsche Spielvorbereitung

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Ahlenfelder lebt leider nicht mehr, seine Legende allerdings schon. Fußballfans, die vor Spielen rund um das Weserstadion Lust auf ein Bierchen und einen Schnaps haben, können sich auch kurz fassen und "einen Ahlenfelder" bestellen.
 

Redlich verdienter Platzverweis

WM 2006 - Kroatien - Australien
Josip Simunic (rechts) sah von Graham Poll nicht nur eine Gebe Karte.
Bernd Weissbrod (dpa)
Ingolstadt

Deutschland, WM 2006: Im Vorrundenspiel zwischen Australien und Kroatien (2:2) macht der Schiedsrichter Graham Poll unfreiwillig auf sich aufmerksam. Er zeigt dem kroatischen Verteidiger Josip Simunic insgesamt drei gelbe Karten. Zuerst in der 62. Minute. Mit der zweiten Verwarnung in der 90. Minute wäre Simunics Arbeitstag eigentlich zu Ende gewesen. Poll ließ das Raubein auf dem Feld. Erst in der dritten Minute der Nachspielzeit musste Simunic wirklich gehen - nach seiner dritten Gelben Karte des Abends.
 

Phantom-Tore und Tor-Phantome

"Das Runde muss ins Eckige", hat die deutsche Trainerlegende Sepp Herberger bei der WM 1954 gesagt. Auch noch über 60 Jahre später würde es niemand wagen, dem Weltmeister-Coach zu widersprechen. Allerdings besteht nicht immer Einigkeit, ob der Ball nun drin ist oder nicht.

Phantom-Tore

Es gibt aber auch die Variante "klar drin, aber kein Tor gegeben". Wie bei bei der WM 2010 in Südafrika. Deutschland traf im Achtelfinale auf England und setzte sich am Ende klar mit 4:1 durch. Nach einem zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand schnupperten die Engländer nach dem Anschlusstreffer allerdings am Ausgleich.

WM 2010 - Deutschland - England
Keine Chance für Neuer, aber Glück für Deutschland: Frank Lampards Schuss prallt von der Latte des deutschen Tores ab und kommt hinter der Linie auf. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay gab den Treffer allerdings nicht.
Jon Hrusa (EPA)
Ingolstadt

Mittelfeldstar Frank Lampard zog ab. Der Ball rauschte über DFB-Keeper Manuel Neuer hinweg und prallte von der Latte aus ins Tor. Der uruguayische Schiedsrichter Jorge Larrionda sah es nicht. Oder anders. Der reguläre Treffer jedenfalls zählte nicht. Der Rest ist Geschichte.
 

Wie geht es weiter?

Skurrile Schiedsrichterentscheidungen hat es schon immer gegeben. Und sie sind noch nicht vom Aussterben bedroht. Auch nicht durch die Einführung des Videobeweises. Damit bleibt auch auf dem Schulhof, im Büro oder in der lockeren Runde mit Familie und Freunden für eine Menge Gesprächsstoff gesorgt. In Zeiten, in der in vielen Ligen die Meisterschaft schon im Winter fast entschieden ist, ist das sogar eine richtig gute Nachricht!