Doch klare Worte fand er auch für die Rolle, die die nationalen Verbände in der langjährigen Debatte um die dunkle Seite der Fifa einnehmen.Der Anlass für die Kritik war die Verleihung der „Verschlossenen Auster“ auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche. Damit zeichnete die Journalistenvereinigung die Fifa als „Informationsblockierer des Jahres“ aus. Ein Negativ-Preis, den schon das Internationale Olympische Komitee, Hartmut Mehdorn und Wladimir Putin erhalten haben. Die Fifa blieb der Veranstaltung allerdings fern. Kein Vertreter des Verbandes wollte die Trophäe abholen, dafür schickte die Fédération Internationale de Football Association ein kurzes Schreiben. „Ich wäre gerne zur Veranstaltung gekommen, da ich Austern mag. Der Präsident selber verträgt keine Meeresfrüchte“, schrieb Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio.

Er ist der Meinung, dass die Fifa den Preis zu spät erhalten habe. „Die Auster“, so der Fifa-Mann, „hat sich inzwischen geöffnet.“ Doch das sah Bayern-Präsident Uli Hoeneß, ein großer und leidenschaftlicher Kritiker, auf der Hamburger Tagung anders. Trotz der kleinen Ethik-Reform der Fifa wetterte er nicht zum ersten Mal gegen den Fußball-Weltverband und Präsident Joseph Blatter. Hoeneß sagte, dass in den letzten zehn bis 15 Jahren bei der Fifa wenig mit rechten Dingen zugegangen sei.

Daher appellierte er an die Kontinentalverbände; schließlich setze sich der Weltverband aus diesen zusammen. Sie könnten, sagte Hoeneß, den Grundstein zu mehr Transparenz in der Zürcher Organisation legen. „Das müssen in erster Linie die europäischen Verbände in die Hand nehmen. Als größte Geldgeber haben sie eine ungeheure Macht zur Veränderung.“ Bisher ist zum Beispiel nicht bekannt, wie viel Geld die Fifa erwirtschaftet, wie viel Blatter an seine Mitarbeiter zahlt oder warum Weltmeisterschaften in Russland und Katar stattfinden.

Rechtlich hingegen sei es schwierig, gegen den Verband vorzugehen. Aus der „Muschel“ dringen wenige Informationen an die Öffentlichkeit, die vor Gericht verwertbar wären. „Blatter hat sich einen geschlossenen Kreis aufgebaut, in den niemand hineinkommt“, weiß Hoeneß. Wer Blatter nicht hörig ist, wird abserviert.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident geriet Blatter in den Verdacht der Korruption. Das war vor 14 Jahren. Inzwischen ist der 76 Jahre alte Schweizer in seiner vierten Amtszeit. Bis zum Jahr 2015 ist er also noch Präsident. „Ich hoffe, dass er nicht wieder zur Wahl antritt“, sagte Hoeneß. „Gott möge das verhüten.“ Mit Häme begegnete der frühere Bayern-Manager ebenfalls Blatters Ambitionen auf den Friedensnobelpreis. „Wenn er den Friedensnobelpreis bekommt, werde ich Direktor von der Metropolitan Opera in New York“, mokierte sich Hoeneß.

Seine Watschen teilte er nicht nur an den allmächtigen Schweizer aus. Auch Theo Zwanziger spielte in Hoeneß’ Argumentation keine unerhebliche Rolle. Als Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa ist er derzeit Teil in dem höchsten Entscheidungsorgan des Verbandes. „Doktor Theo Zwanziger wird umgarnt, er lässt sich beschmusen“, behauptete Hoeneß. Darauf angesprochen, ob der ehemalige DFB-Präsident folglich eine „lame duck“ sei, wurde er deutlicher: „Theo Zwanziger hätte schon ein Problem damit, lame duck zu übersetzen, da er kein Englisch kann.“

Und auch einen Kommentar zur Rolle von Franz Beckenbauer, Zwanzigers Vorgänger im Exekutivkomitee, konnte sich Hoeneß nicht verkneifen. „Der Franz steckt noch in der Muschel“, sagte er über den derzeitigen Chef der Arbeitsgruppe „Fußball 2014“. Beckenbauer werde sein Wissen über die vermeintlichen Machenschaften in der Fifa wohl nicht preisgeben. Joseph Blatter hat bislang jeden und alles fest im Griff.