Wie man dem FC Augsburg seinen Saisonstart versaut? Der 1. FC Magdeburg hat da so seine Erfahrung. 2014 traf der damalige Regionalligist schon einmal in der ersten DFB-Pokalrunde auf den Bundesligisten. Durch einen Treffer von Christian Beck, der immer noch beim heutigen Drittligisten spielt, gewann der Außenseiter mit 1:0.

Daniel Baier, der immer noch in Augsburg spielt, erinnert sich noch gut an das peinliche Pokal-Aus. "Wir sind gewarnt und wissen aus eigener Erfahrung, dass es passieren kann", sagt er, und ist sich sicher, dass der Start diesmal besser laufen wird, sollte seine Mannschaft "zu 100 Prozent konzentriert an die Sache herangehen".

Überhaupt hat sich vieles geändert in diesem Augsburger Fußballsommer. Erfahrene Leistungsträger sind gegangen, allen voran Kapitän Paul Verhaegh, der in Zukunft beim Konkurrenten VfL Wolfsburg spielt. Auch Halil Altintop (Slavia Prag), Dominik Kohr (Bayer Leverkusen) und Markus Feulner (FC Augsburg II) gehören nicht mehr zum Team. Bei Torhüter Marwin Hitz und Stürmer Raul Bobadilla ist ein Wechsel noch nicht endgültig vom Tisch. Es ist vor allem eine Menge Erfahrung, die dem FCA vor dieser Saison abhandengekommen ist, was in Verhaeghs Fall ein paar Zahlen verdeutlichen: Bei insgesamt 264 Pflichtspielen, die der FCA in den vergangenen sieben Jahren absolviert hat, stand der Niederländer 224-mal auf dem Feld.

Sogar 228-mal lief Baier in dieser Zeit für die Schwaben auf, der in dieser Saison folgerichtig die Kapitänsbinde übernimmt. "Es ist eine Ehre, und natürlich möchte ich mit Leistung vorneweg marschieren", sagt der 33-Jährige. Vor fünf Jahren habe er auf der Klub-Homepage seine Karriereziele formuliert, erinnert sich Baier: international spielen und ins DFB-Pokalfinale einziehen. "Ich hatte damals gedacht, dass die Europa League das unwahrscheinlichere ist", sagt der neue Kapitän. In Magdeburg möchte er nun den ersten Schritt unternehmen, "um nächstes Jahr nach Berlin zu fahren".

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Vor allem muss Trainer Manuel Baum den dank mehrerer Neuzugänge 35-Mann-Kader, der Konfliktpotenzial durch unzufriedene Spieler birgt, in den Griff bekommen. Baum ist dennoch optimistisch: "Die Qualität im Trainingsbetrieb leidet nicht darunter. Außerdem werden wir nicht nur 18 Spieler brauchen." Wie im Endspurt der Vorsaison müsse man Geschlossenheit zeigen, um auch in dieser Saison erfolgreich zu sein.

Diese Geschlossenheit entwickelten die Schwaben auch bei ihrem Trip nach England, wo sie unter anderem Premier-League-Klub FC Southampton mit 4:0 besiegten. Doppeltorschütze: der ehemalige Hamburger Michael Gregoritsch, der seinen Stammplatz sicher haben dürfte. Rückkehrer Erik Thommy, der nach Regensburg ausgeliehen war, feierte sein Debüt für den FCA ausgerechnet beim Pokalspiel vor drei Jahren. "Nachdem wir damals unglücklich 0:1 verloren haben, können wir etwas gutmachen", sagt er.

Was sich in Augsburg keineswegs ändern soll, ist die Besonnenheit, mit der die Verantwortlichen auf mögliche Krisen reagieren. "Der Erfolg hat uns recht gegeben. Am Ende der Saison ist es einfach klasse gelaufen. Wir haben gezeigt, dass wir Kritik einstecken können, dabei trotzdem ruhig bleiben und die Zuversicht behalten können", sagt Manager Stefan Reuter im Rückblick auf die vergangene Spielzeit. In dieser Saison soll es nun ähnlich laufen. Am besten schon mit einem erfolgreichen Start.