Ich: Ein Großer tritt ab
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Ingolstadt

Immerhin lässt er sich entlocken, dass er schon stolz ist auf seine Leistung, denn wer in der GFL 1 (Webster: "Die stärkste Liga in Europa") die Bestenliste unter den Quarterbacks lange Zeit anführt, hat sicherlich wenig falsch gemacht. Umso schwerer hat es den Verein und seinen Spielmacher getroffen, als die Ärzte Webster wegen einer schweren Knieverletzung dringend dazu rieten, seine Karriere umgehend zu beenden.

Für ein paar Spiele hielt sich der 33-Jährige auch an diesen Ratschlag, doch so wollte er seine Karriere dann doch nicht beenden. Gegen Stuttgart stand er noch einmal auf dem Feld und führte sein Team wieder zu einem ungefährdeten Sieg, mit dem die Teilnahme an den Play-offs endgültig gesichert wurde. Und Webster hatte dabei festgestellt: "Mit ein paar Schmerztabletten und einer Schiene geht es schon noch mal für ein Spiel. Auch wenn das Laufen an den kommenden Tagen sehr schwerfällt."

Für ihn war damit klar: "In Braunschweig werde ich noch einmal auf dem Platz stehen. Ich werde mein Bestes versuchen, und ich denke, ich komme mit den Schmerzen auch zurecht." Weil sein Team ohnehin eine große Zahl verletzter Spieler zu beklagen hat, wird er sich heute beim bisherigen Höhepunkt der erst zehnjährigen Dukes-Geschichte noch einmal in den Dienst der Mannschaft stellen. "Es wird vermutlich das letzte Spiel in meiner Karriere sein", sagt er mit Wehmut in der Stimme.

Ob er damit schon mit dem Aus im Play-off-Viertelfinale rechnet? Sofort gibt sich Webster wieder kämpferisch: "Wir sind krasser Außenseiter, aber wir haben nichts zu verlieren. Wir werden uns optimal auf dieses Spiel vorbereiten. Wenn alle zu 100 Prozent fit sind und wir alle zusammenspielen, haben wir eine starke Mannschaft, die sich nicht zu verstecken braucht. Ich fahre jedenfalls nicht mit der Einstellung nach Braunschweig, dass wir dort verlieren."

Und um die besten Voraussetzungen zu haben, fand er es auch richtig, dass im letzten, bedeutungslosen Punktspiel bei den Allgäu Comets die Starter geschont wurden. "Wir haben ohnehin schon viele Verletzte und einen kleinen Kader, da wäre es ein unnötiges Risiko gewesen, mit der stärksten Mannschaft aufzulaufen."

Bei aller Vorfreude auf die Play-off-Premiere der Dukes weiß er auch: "Es wird sehr schwer für mich, weil wir jetzt endlich in der Ersten Liga sind und bis zu unserer Verletztenmisere auch einen guten Lauf hatten. Statistisch war das ein tolles Jahr für uns, umso härter ist es zu wissen, dass jetzt alles vorbei ist." Auch die Fans werden den Quarterback vermissen, der drei Jahre lang alles für den Verein gegeben hat, der gerade für die jungen Spieler immer ein großes Vorbild war. Und ohne den der Durchmarsch in die GFL 1 undenkbar gewesen wäre.

Besonders an die harten Duelle gegen Kirchdorf, in denen der Aufstieg aus der Zweiten Liga gesichert wurde, werden ihm positiv in Erinnerung bleiben. Und natürlich das erste Relegationsspiel bei den Rhein Neckar Bandits in Mannheim, als die Dukes schon alles klarmachten. Weniger gern denkt er an die Partien gegen Frankfurt zurück, in denen die Dukes - vom letzten Spiel abgesehen - großartige Gegenwehr leisteten, aber jeweils knapp verloren. "Da hätte ich schon gerne mal gewonnen, aber es sollte leider nicht sein."

Wie soll es nach den Dukes weitergehen? "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", meint Webster im Gegensatz zu Headcoach Eugen Haaf, der ihm längst angeboten hat, dass er im Trainerteam der Dukes weitermachen kann. Viel hängt auch davon ab, ob Freundin Daniela, für die er sein Fitnessstudio in den USA aufgegeben hat, um komplett nach Deutschland überzusiedeln, ihren Arbeitsplatz nach Bayern verlegen kann. Sie arbeitet derzeit in der Nähe von Pforzheim als Lehrerin, hat aber keine Zusage für einen Wechsel nach Bayern erhalten.

So sucht er schon mal in Baden-Württemberg nach einem Job, wobei er sich gut vorstellen kann, als Personal Trainer zu arbeiten. "Football ist toll, aber allein davon kann ich nicht leben. Ich muss jetzt meinen Weg finden", deutet er an, dass er möglicherweise nächstes Jahr nicht mehr in der Region sein wird.

 

Was ihm sicherlich nicht leichtfallen wird, hat er sich hier doch schon bestens eingelebt. "Im Verein hat alles gepasst und ich habe viele Freunde fürs Leben gefunden. Kein Football und kein Geld können das ersetzen. Am Ende des Tages zählen nur noch die Freundschaften." Aber natürlich macht er sich auch über die Zukunft der Dukes Gedanken. "Die Jungs brauchen nur mehr Zeit. Wir haben in sehr kurzer Zeit sehr viel erreicht. Darauf können wir aufbauen. Alle guten Teams haben ein sehr gutes Jugendprogramm, da müssen wir auch hinkommen. Bisher haben die Dukes nur vier Spieler aus Ingolstadt."

Dazu - darüber ist sich Webster im Klaren - muss Football noch populärer werden. Wie man das erreichen kann? "Die Regeln müssen den Leuten klargemacht werden, wenn sie diese verstehen, werden auch mehr Menschen das Spiel lieben. Denn alles geht um Taktik, und die Leute in Deutschland lieben Taktik." Ob dann irgendwann auch Spielergehälter wie in den USA in Deutschland realistisch sind? "Nein", ist sich Webster sicher, "hier werden die Spieler nie so viel verdienen wie in Amerika, aber vielleicht schon so viel wie in Kanada. Dazu müssten allerdings mehr Sponsoren gewonnen werden. Aber das wird noch mindestens zehn Jahre dauern."

Weil es aber auch in Deutschland schon ein paar finanzkräftigere Klubs gibt, liegt die Vermutung nahe, dass der eine oder andere schon versucht hat, Webster abzuwerben. "Nein, viele Anfragen gab es nicht. Das war für mich auch nie ein Thema, weil mir klar war, dass es wichtiger ist, mit den Dukes erfolgreich zu sein. Ich habe darüber viel mit Joshua Morgan und Richard Samuel gesprochen, und für uns war es wichtig, für dieselbe Mannschaft zu spielen."

Nur so war es auch möglich, dass sich die jungen Spieler so rasant weiterentwickelt haben. "Timo Benschuh oder Jan Hochschild waren in Nürnberg nur Backup-Spieler, ebenso wie Lorenz Regler in München. Jetzt zählen sie zu den besten Receivern in der Liga. Das ist doch cool, wenn du solche Rohtalente bekommst und die in kurzer Zeit viel besser machst", sieht er die Entwicklung bei den Dukes überaus positiv.

Abschließend spricht er dann doch noch etwas über seine Zukunftsplanung: "Ich bin jetzt 33 Jahre alt, da wird es auch Zeit, so langsam über eine Familie nachzudenken." Und wer weiß - vielleicht ist der Name Webster irgendwann ja einmal wieder auf einem Ingolstädter Trikot zu lesen.