Ingolstadt: Der Sieg war greifbar nahe
Verbissener Kampf um jedes Yard Raumgewinn: Hier stoppen die Dukes einen Angriff der Fürstenfeldbrucker. - Foto: Mundt
Ingolstadt
Zum einen leisteten sich die Platzherren vor knapp 1000 Zuschauern, die trotz der frühen Anstoßzeit und des Champions-League-Finales am Abend ins ESV-Stadion gekommen waren, wieder einige vermeidbare Fehler. Zum anderen stand aber auch ein Schiedsrichterteam auf dem Platz, das schon für Verwunderung sorgte. Weshalb Dukes-Headcoach Eugen Haaf auch sichtlich angefressen war. „Ich rege mich tierisch auf, weil wir heute gegen Schiedsrichter spielen mussten, die uns offensichtlich eins auswischen wollten. Deshalb werde ich mich auch beim Verband beschweren“, schimpfte er nach Spielschluss. Und ergänzte: „Die haben den Bruckern mehrfach Tipps gegeben, wie sie die Zeit besser kontrollieren können. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

In der Tat rieb sich so mancher Zuschauer verwundert die Augen, warum in der ersten Hälfte nur Strafen gegen die Ingolstädter verhängt wurden. Und zwar immer dann, wenn diese der gegnerischen Endzone sehr nahe gekommen waren. „In der ersten Hälfte hatten wir über 100 Yards Penalties, da waren Dinge dabei, die ich in meinem Leben noch nicht gehört habe“, wundert sich Haaf, der selbst jahrelang in der GFL, der höchsten deutschen Liga, aktiv war.

Das Spiel war von Beginn an heiß umkämpft, da musste erbittert um jedes Yard Raumgewinn gekämpft werden. Kein Wunder, dass es nach dem ersten Viertel noch 0:0 hieß. Die Defense der Gastgeber leistete dabei ganze Arbeit und ließ die Fürstenfeldbrucker mit ihrem gefürchteten Laufspiel nie ins Rollen kommen. Allerdings gelang den Dukes in der Offensive aber auch wenig, zumal – ähnlich wie im Vorbereitungsspiel gegen die Franken Knights – viele Bälle fallen gelassen wurden. Lange Gesichter dann, als die Fürstenfeldbrucker zu Beginn des zweiten Viertels durch einen Touchdown von Joe Burkeland in Führung gingen. In der Halbzeitpause machte Dukes-Quarterback Evan Martin seinen Mitspielern Mut. „Auf geht’s Männer, wir liegen doch nur sechs Punkte hinten. Das können wir noch schaffen.“ Seine Worte kamen offenbar an, denn schon kurz nach Wiederbeginn legte Kenny Telfair auf der rechten Seite einen sensationellen Lauf von der eigenen 10-Yards-Linie bis in die gegnerische Endzone hin – der Ausgleich! Dachten die Fans, die Spieler und die Verantwortlichen. Doch da hatten sie einmal mehr die Rechnung ohne die Unparteiischen gemacht. Da hatte tatsächlich einer weit hinten auf der linken Seite ein Foul gesehen. Also weiter 0:6.

Als dann die Dukes kurz darauf durch Mario Filakovic endlich in die Endzone des Gegners kamen und Markus Gmeiner den Extra-Kick zum 7:6 verwandelte, schien sich doch noch alles zum Guten zu wenden. Bis sich die Dukes-Defense den einzigen groben Schnitzer leistete und Rafael Sedlmair völlig frei stehen ließ. Der nutzte das Geschenk zum glücklichen 12:7. Und dennoch hatten die Dukes den Sieg noch einmal in der Hand. Noch ein Yard mussten sie machen, was schließlich Evan Martin auch gelang. Doch weil der Angriff zunächst schon abgewehrt schien, riss sich ein Ingolstädter enttäuscht den Helm vom Kopf. Und das ist strafbar, weshalb die Unparteiischen hier richtig lagen, als sie den Touchdown, der den 13:12-Sieg der Dukes bedeutet hätte, nicht zählten.

Aus und vorbei, der Saisonauftakt war verpatzt. Aber kein Grund für die Dukes den Kopf hängen zu lassen. „Klar war die Niederlage ärgerlich. Und sicherlich haben die Schiedsrichter einige seltsame Entscheidungen getroffen. Aber wir hatten trotzdem genug Chancen, das Spiel für uns zu entscheiden“, äußerte sich Walter Pam, an diesem Tag der überragende Spieler bei den Dukes. Und machte gleich Mut für die nächsten Aufgaben: „Noch ist nichts verloren. Bisher sind es gerade einmal fünf Punkte, die wir gegenüber den Razorbacks aufzuholen haben.“

Ein dickes Lob gab es schließlich noch vom gegnerischen Headcoach Larry Dixon: „Die Ingolstädter haben uns das Leben sehr schwer gemacht. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals so hart kämpfen mussten. Heute hatten wir das Glück auf unserer Seite.“

Bereits am kommenden Samstag können sich die Dukes rehabilitieren, wenn sie bei den Starnberg Argonauts zu Gast sind – und dann hoffentlich auch auf Unparteiische treffen, die ihrem Namen alle Ehre machen.