Emotionales Abschiedsspiel: Für Dukes-Quarterback Rick Webster (Zweiter von rechts) war das Play-off-Viertelfinale gegen Braunschweig das letzte Spiel im Dress der Ingolstädter Footballer. Aufgrund von Knieproblemen muss der 33-Jährige seine Karriere beenden.
Emotionales Abschiedsspiel: Für Dukes-Quarterback Rick Webster (Zweiter von rechts) war das Play-off-Viertelfinale gegen Braunschweig das letzte Spiel im Dress der Ingolstädter Footballer. Aufgrund von Knieproblemen muss der 33-Jährige seine Karriere beenden.
Lüger
Ingolstadt
Am Sieg der von über 3000 Fans frenetisch gefeierten Gastgeber gab es nichts zu deuteln, zu groß war die Überlegenheit des elffachen nationalen und fünffachen europäischen Titelträgers. Allein die Höhe des Lions-Erfolges trübte ein wenig die Freude bei den TV-Footballern, die als Neuling in der Bundesliga (GFL 1) weit mehr erreicht haben, als ihnen die meisten zugetraut hatten.

„Wir hätten uns gerne mit einem besseren Ergebnis verabschiedet, aber gegen so abgebrühte Profis darfst du dir einfach keine Fehler erlauben. Die werden ganz bitter bestraft“, sah es Headcoach Eugen Haaf ganz realistisch. Und in der Tat leisteten sich die Dukes viele Fehler – zu viele, um die Lions in Verlegenheit zu bringen. Erstaunlich, dass gerade so erfahrene und ansonsten zuverlässige Spieler wie Richard Samuel oder Lorenz Regler – beide mit jeweils zwölf Touchdowns in dieser Saison die erfolgreichsten Offensivkräfte – sich dieses Mal den einen oder anderen Fehlgriff leisteten.

Doch Haaf hatte dafür eine simple Erklärung: „Wir haben noch eine sehr, sehr junge Mannschaft. Ich möchte mal sagen, dass mindestens 80 Prozent meiner Spieler noch nie in den Play-offs standen. Da tust du dich gegen einen so abgezockten Gegner natürlich besonders schwer.“ Deshalb gab es auch keinerlei Kritik vonseiten der Coaches. „Wir haben uns über weite Strecken sehr gut verkauft, auch wenn viele unnötige Fehler gemacht wurden. Aber dennoch bin ich stolz auf dieses Team“, meinte Defense-Koordinator Mike Wittmann, der dann den Blick schon wieder nach vorne richtete. „Für uns Trainer beginnt jetzt schon die neue Saison“, deutet er an, dass er und seine Kollegen schon in die personellen Planungen für die kommende Saison eingestiegen sind.

Immerhin werden dann etliche Spieler nicht mehr hier sein, die gestern ihr Abschiedsspiel für die Dukes bestritten haben. Allen voran Quarterback Rick Webster, der aufgrund seiner schweren Knieverletzung seine Karriere beenden muss. „Sicher hätte ich mir meinen Abschied etwas anders vorgestellt, aber dennoch können wir mit dieser Saison mehr als zufrieden sein“, zog auch er ein positives Fazit unter die Premierensaison in der GFL 1.

Dabei hatte es für die Gäste, die von einem kleinen Tross der treuesten Fans begleitet und unterstützt wurden, so gut begonnen. Nach nicht einmal einer Minute landete ein Pass von Webster beim frei stehenden Samuel in der Endzone, doch diesem rutschte der Ball durch die Finger. Was er aber schon wenige Sekunden später besser machte und die Dukes früh in Führung brachte. Als den Lions wenig später ein Fumble unterlief, hatten die Dukes die Chance, diesen Vorsprung sogar auszubauen. Doch sie schafften es nicht, die letzten Meter bis in die Endzone zurückzulegen.

Richard Samuel (rechts) erzielte bei der 6:47-Niederlage in Braunschweig die einzigen Punkte für die Dukes.
Richard Samuel (rechts) erzielte bei der 6:47-Niederlage in Braunschweig die einzigen Punkte für die Dukes.
Rimmelspacher
Ingolstadt

Kaum war das verdaut, kam der nächste Nackenschlag für die Herzöge: Regler fischte einen tollen Pass über 40 Yards von Webster in der Endzone herunter – zweiter Touchdown. Dachten die Dukes, doch die Unparteiischen entschieden nach langer Beratung den Angriffszug als „incomplete“ zu werten. Der nächste Angriffszug der Braunschweiger brachte dann durch Nathaniel Morris den ersten Touchdown für den Titelverteidiger. Noch einmal hatten die Dukes die Chance, wieder in Führung zu gehen, doch ein Fieldgoal-Versuch von Zoran Sisak scheiterte kläglich. Was die Lions sofort bestraften, denn David McCants, der erst kürzlich seinen 10000. Yard Raumgewinn geschafft hatte, lief wenig später allen davon und sorgte für den 13:6-Zwischenstand nach dem ersten Viertel.
 

Fotostrecke: New Yorker Lions - Ingolstadt Dukes

Noch war die Lage für die Dukes nicht aussichtslos, selbst nachdem Justus Holtz mühelos auf 20:6 erhöht hatte. Doch als sich Webster wenig später eine Interception leistete, die Christian Petersen mit einem Lauf über das gesamte Feld abschloss, versetzte das den Dukes einen Knacks, von dem sie sich nicht mehr erholten. Durch zwei Fieldgoals von Tobias Goebel und einen Touchdown von Christian Bollmann schraubten die Lions den Vorsprung auf 40:6. Den Schlusspunkt setzte Jabari Johnson mit dem 47:6 – die Lions stehen zum fünften Mal in Folge im Halbfinale.

Die Dukes blicken derweil schon einmal voraus in die nächste Spielzeit. „Wir haben eine super Saison gespielt, aber wir haben auch gesehen, worauf es jetzt ankommt und was wir noch besser machen müssen“, sendet Offense-Koordinator Luca Daumenlang schon einmal eine Kampfansage an die Konkurrenz.