Eishockey: Deutschland Cup, USA - Deutschland
Yannic Seidenberg (links), Jonas Müller, Daniel Pietta, Thomas Holzmann und Brooks Macek jubeln nach dem 4:0 durch Holzmann.
Peter Kneffel (dpa)
Augsburg
Sturm kann die Generalprobe für die Olympischen Spiele in Pyeongchang im Februar damit zumindest zum Teil als Erfolg verbuchen. „Von den drei Spielen haben wir zweieinhalb richtig gut gespielt. Leider waren nicht alle Ergebnisse wie gewünscht“, bilanzierte der 39-Jährige. Am Freitag war sein Team gegen den späteren Turniersieger mit 2:8 unter die Räder gekommen, am Samstag hatte es beim 0:3 kein Mittel gegen die defensivstarken Slowaken gefunden.
 
 

 

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Gestern jedoch, gegen die trotz prominenter Besetzung enttäuschenden US-Amerikaner, ließ die effiziente Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ihre Anhänger unter den 5310 Fans im Curt-Frenzel-Stadion jubeln. Die frühe Führung besorgte der Münchner Frank Mauer, der eine Kombination über seinen starken Vereinskollegen Dominik Kahun und den Düsseldorfer Maximilian Kammerer erfolgreich abschloss (4.). Danach spielten allerdings zunächst fast nur noch die US-Amerikaner, die angeführt vom 1118-fachen NHL-Spieler und Stanley-Cup-Gewinner Brian Gionta eine Angriffswelle nach der anderen auf das Tor von Danny aus den Birken zurollen ließen.

 

Allerdings war es sein Gegenüber Ryan Zapolski, der erneut den Puck aus dem Netz holen musste – und wieder waren Kahun und Mauer beteiligt. Am Ende des schnellen Konters stand der Mannheimer Brent Raedeke, der das 2:0 erzielte (24.). Auch den dritten deutschen Treffer durch Brooks Macek (33.) bereitete Kahun vor – damit war der Widerstand der US-Boys endgültig gebrochen. Der Augsburger Thomas Holzmann legte mit einem abgefälschten Schuss das umjubelte 4:0 nach (35.), ehe Team USA nach verpatztem Wechsel der Deutschen durch Broc Little zum Anschlusstreffer kam (38.). Mehr als das Gestänge trafen die Amerikaner, die das Turnier auf dem letzten Platz beendeten, im Schlussabschnitt nicht mehr – den Endstand stellte Kapitän Yannic Seidenberg mit dem 5:1 ins leere Tor her (58.). „Wir haben cleverer gespielt und waren besser im Abschluss. Das Spiel war für mich noch einmal richtungsweisend“, meinte Sturm, dessen Deutschland-Cup-Aufgebot bei Olympia mit den pausierenden Routiniers wie Christian Ehrhoff, Marcel Goc oder Patrick Reimer verstärkt werden soll – und muss.

 

Wie es mit dem Deutschland-Cup nach drei Jahren am Austragungsort Augsburg weitergeht, ist indes noch offen. DEB-Präsident Franz Reindl hätte nichts gegen eine Fortsetzung des Traditionsturniers in Schwaben einzuwenden: „Der Deutschland-Cup hat in dieser Form eine kleine WM-Ausstrahlung gehabt. Die Leistungen auf dem Eis waren unglaublich gut. Ich hoffe, dass wir mit dem Turnier nach Augsburg zurückkehren“, sagte er, verwies auf gestiegene Zuschauerzahlen sowie höheres Medieninteresse und lobte Organisator Leo Conti von den Augsburger Panthern und dessen Helfer ausdrücklich.

 

Allerdings gibt es wie berichtet auch andere Interessenten – unter anderem Nürnberg mit der WM-Arena von 2001. Eine Entscheidung – auch über einen möglicherweise veränderten Modus – soll spätestens im Januar fallen. Ebenfalls unklar ist, ob Russland seinen insgesamt fünften Titel im kommenden Jahr verteidigen wird. Geht es nach Reindl, ist die „Sbornaja“, die heuer erstmals seit 1993 wieder am Deutschland-Cup teilnahm, auch 2018 dabei: „Die Russen haben uns einen Farbtupfer – oder sogar einen Riesen-Farbklecks – gegeben“, schwärmte der DEB-Boss.
 

Stimmen zum Spiel

 
Yannic Seidenberg, Stürmer und Kapitän
Ich habe mich recht schnell an das Spielsystem gewöhnt. Es gab ein paar kleine Umstellungen im Vergleich zum Verein. Ich hatte nicht wirklich Probleme.
Wir haben heute mit allen vier Reihen konzentriert gespielt. Wir wollten gut in der Defensive spielen, im Forecheck Scheiben erobern. So haben wir auch das erste Tor gleich erzielt. Das Spiel haben wir am Ende verdient gewonnen. Wir haben es den Amerikanern nicht einfach gemacht. Wir standen in der neutralen Zone sehr kompakt. Es war auch immer jemand in der Schussbahn. Den ersten Schuss hat Danny aus den Birken meistens gut abgewehrt und die Rebounds haben wir nicht zugelassen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die USA schwach war.
Es ist schon eine Erleichterung, dass wir mit einem Sieg aus dem Turnier gehen, man schaut schon auf die Ergebnisse. Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir auch gegen Russland in der ersten Hälfte gut gespielt haben. Kleinigkeiten haben zu den Niederlagen geführt. Wir wussten, dass wir eine junge Mannschaft haben und aus den Fehlern werden wir lernen.
 
Marco Sturm, Bundestrainer
Wenn man sich das Gesamtbild anschaut, haben wir einen soliden Deutschland-Cup gespielt. Von den drei Spielen haben wir zweieinhalb richtig gut gespielt, nur die Ergebnisse waren nicht so wie gewünscht. Den Sieg hat sich die Mannschaft verdient. Die Jungs haben einfach heute cleverer gespielt. Die Struktur war genauso wie gegen die Slowakei, aber im Abschluss waren wir heute besser und glücklicher. Auch wenn die Amerikaner Chancen hatten, haben wie die meiste Zeit das Spiel kontrolliert. Beide Mannschaften hatten bereits zwei Spiele in zwei Tagen hinter sich - heute das dritte. Von daher hat man auch bei den Amerikanern gemacht, sie sind auch nur Menschen. Sie waren auch müde, wie wir teilweise auch. Deswegen wussten wir, dass es ein heißer Tanz wird. Am Ende waren wir halt etwas spritziger. Für mich zählen Erkenntnisse und keine Ergebnisse aus den Spielen. Das Spiel heute war schon richtungsweisend. Ich war auch gespannt, wie die Mannschaft auf zwei Niederlagen reagiert. Das hat sie heute hervorragend gemacht. Ich sehe positiv in die nächsten Maßnahmen.