Freitags fehlerhaft, sonntags souverän – auf diese Formel könnte man die bisherige Saison des ERC Ingolstadt reduzieren. „Die Mannschaft hat schon nach dem verlorenen Straubing-Spiel zum Saisonstart die richtige Reaktion gezeigt. Warum also nicht auch jetzt?“, hatte Tommy Samuelsson nach der 3:5-Niederlage am Freitag in Krefeld gesagt. Und der ERC-Trainer behielt recht: Wie schon vor Wochenfrist beim 4:0 gegen Meister EHC München verließen die Ingolstädter mit einem 4:2 gegen den Erzrivalen aus Augsburg das Eis als Sonntags-Sieger. Wären die vermeidbaren Freitags-Niederlagen gegen die Außenseiter aus Straubing und Krefeld nicht gewesen – der ERC stünde in der Tabelle noch deutlich besser da als auf Rang sechs.

Fotostrecke: ERC - Augsburger Panther

 
Gleich die erste Überzahlsituation nutzte der ERC vor der enttäuschenden Derbykulisse von nur 3917 Zuschauern in der Saturn-Arena zur Führung: 15 Sekunden nachdem Gabe Guentzel etwas umstritten wegen Halten des Stocks auf der Strafbank Platz genommen hatte, schlug ein von John Laliberte entscheidend abgefälschter Fernschuss Brandon Bucks im Tor von Ben Meisner ein (3.). Dem Augsburger Goalie  war wohl die Sicht versperrt.
 
Obwohl die Gäste im Anschluss die etwas aktivere Mannschaft waren, fiel auch das zweite Tor vor der ERC-Fankurve: Mit Ablauf einer Strafzeit gegen Patrick McNeill fuhren die Gastgeber einen Konter, den Darin Olver im zweiten Versuch auf Vorlage von Jacob Berglund zum 2:0 verwertete (10.). Den dritten Treffer im ersten Spielabschnitt für die nun deutlich gefährlicheren Ingolstädter verpasste Kael Mouillierat, der den Puck nach Pass von Olver an den rechten Pfosten setzte (19.).
 
Ähnlich sah es auch nach der ersten Pause aus: Die Panther von der Donau kontrollierten die Partie weitgehend, gaben deutlich mehr Schüsse ab und verzeichneten folglich auch die besseren Torchancen. So scheiterte Brett Olson zweimal kurz hintereinander an Meisner (28./29), wenig später brachten Petr Taticek und David Elsner die Scheibe nicht am Augsburger Torhüter vorbei (34.).
 
Für die offensiv erstaunlich harmlosen Augsburger hatte zuvor T. J. Trevelyan die beste Gelegenheit vergeben: In Überzahl tauchte er plötzlich völlig frei vor Timo Pielmeier auf, doch der ERC-Schlussmann blieb Sieger (30.). Weil auch Steffen Tölzer seinen Schuss nicht im Netz unterbrachte (38.) und auf der Gegenseite Meisner gegen Mouillierat (39.) und Buck (40.) klären konnte, hieß der Spielstand auch nach dem zweiten Drittel 2:0 für die Gastgeber.
 
Richtig rassig – und noch mal spannend – wurde das Derby erst im Schlussabschnitt: Trevelyan gelang per abgefälschtem Schuss der Anschlusstreffer zum 2:1 (45.). Doch anstatt das Nervenflattern zu bekommen, konterten die Gastgeber cool: Nur 36 Sekunden später schloss Greg Mauldin einen Gegenstoß zum 3:1 ins Kreuzeck ab (45.). Und wiederum nur 77 Sekunden danach stand es sogar 4:1: Mike Collins hatte auf Vorlage Laurin Brauns und Olsons ins andere Eck getroffen (47.).

Erst Guentzels Powerplay-Tor zum 4:2 fünf Minuten vor dem Ende gab den Schwaben noch einmal Hoffnung: Die Schwaben starteten eine starke Schlussoffensive – doch Pielmeier hielt der Augsburger Schlussoffensive stand und den Erfolg des ERC mit starken Paraden fest.
 
Ingolstadt: Pielmeier – Sullivan, Pelech; Wagner, Friesen; McNeill, Kohl; Schopper – Berglund, Olver, Mouillierat; Collins, Olson, Braun; Greilinger, Taticek, Elsner; Laliberte, Buck, Mauldin.
Augsburg: Meisner – Tölzer, Lamb; Cundari, Valentine; Guentzel, Rekis; Sezemsky – Thiel, Kretschmann, Polaczek; White, Trupp, Davies; Parkes, LeBlanc, Trevelyan; Schmölz, Stieler, Holzmann.
Schiedsrichter: Hunnius/Schukies. - Tore: 1:0 Laliberte (3.), 2:0 Olver (10.), 2:1 Trevelyan (45.), 3:1 Mauldin (45.), 4:1 Collins (47.), 4:2 Guentzel (55.). - Strafminuten: 8/8. - Zuschauer: 3917.
 

Stimmen zum Spiel


Tommy Samuelsson, Trainer ERC
Es war ein ausgeglichenes erstes Drittel. Wir hatten sehr viel Effizienz. Wir haben unsere Chancen genutzt. Das zweite Drittel war aus unserer Sicht sehr positiv. Wir hatten auf den Anschlusstreffer die richtige Antwort. Das hat schlussendlich den Unterschied im Spiel ausgemacht. In solchen Phasen braucht man Leute wie Mauldin und Collins. Wir hatten auch eine solide Defensivleitung. Wir haben gewusst, dass wir gegen eine sehr offensiv gefährliche Mannschaft spielen. Ich bin sehr zufrieden mit den drei Punkten und dem Sieg.

Mike Stewart, Trainer Augsburg
Aus meiner Sicht war das erste Drittel relativ ausgeglichen, obwohl Ingolstadt die Tore geschossen hat. Im zweiten Drittel war Ingolstadt klar besser. Die waren bissiger, haben schneller gespielt. Wir haben Glück gehabt, dass wir aus diesen 20 Minuten ohne Gegentor rausgekommen sind. Unser Torhüter Benjamin Meisner hat super Paraden gehabt und wir waren im Rennen. Im letzten Drittel war es endlich unser Eishockey. Wir haben sehr gut gespielt und sind zurückgekommen durch ein schönes Faceoff-play von Trevelyan. Und auf einmal - zack - steht es 3:1 für Ingolstadt. Und dann eine Minute später - zack - steht es 4:1. Wir haben uns unser Leben selbst schwer gemacht durch individuelle Fehler. Die Jungs haben nicht aufgegeben, haben sehr gut gespielt, schnell gespielt und einige super Chancen gehabt. Pielmeier war zur Stelle. Als Trainer kann man sich immer beschweren, aber die Jungs haben Gas gegeben, haben sich bemüht. Letztendlich hat Ingolstadt zum richtigen Zeitpunkt die Tor geschossen.