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Mittwoch, 30.05.2012 |

 

16.02.2012 20:35 Uhr | 529x gelesen
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Nur keine Angst zeigen


Bild: Nur keine Angst zeigen. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Chris Heid ist erleichtert. Beim 3:1-Sieg in Hannover konnte der Verteidiger des ERC Ingolstadt erstmals seit dem 26. Dezember 2011 wieder ein Eishockeyspiel bestreiten. Quälende sieben Wochen der Unsicherheit, während Heid an den Folgen einer Gehirnerschütterung litt, gingen zu Ende.

Ingolstadt (DK) Chris Heid ist erleichtert. Beim 3:1-Sieg in Hannover konnte der Verteidiger des ERC Ingolstadt erstmals seit dem 26. Dezember 2011 wieder ein Eishockeyspiel bestreiten. Quälende sieben Wochen der Unsicherheit, während Heid an den Folgen einer Gehirnerschütterung litt, gingen zu Ende.


Ingolstadt: Nur keine Angst zeigen
Scheut auch jetzt keinen Zweikampf: ERC-Verteidiger Chris Heid (rechts), der wegen einer Gehirnerschütterung sieben Wochen pausieren musste. Am Sonntag trifft er im Topspiel der Deutschen Eishockey-Liga wieder auf das Berliner Urgestein Sven Felski (links) - Foto: imago
„Es lief ziemlich gut und ich hatte viel Eiszeit. Ich bin sehr froh, dass ich wieder spielen kann“, sagte der 28-jährige Deutsch-Kanadier im Rückblick auf vergangenen Dienstag. „Natürlich war ich ein bisschen nervös, weil ich so lange kein Spiel bestritten habe. Aber als ich dann auf dem Eis stand, war ich wieder voll bei der Sache. Man darf da keine Angst haben.“

So wie Heid geht es vielen Spielern im internationalen Profi-Eishockey. Alleine in der Deutschen Eishockey-Liga wurden in dieser Saison bereits 26 Fälle von Gehirnerschütterungen gezählt – inoffiziell. Denn das Thema wird nicht gerne aufgegriffen, und doch kommen die Klubs nicht darum herum. Schließlich hat die monatelange Leidensgeschichte des kanadischen Nationalhelden Sidney Crosby, der seinem Heimatland mit dem entscheidenden Treffer zum 3:2 über die USA den Olympiasieg 2010 schenkte, in der nordamerikanischen Profiliga NHL eine anhaltende Diskussion ausgelöst.

Auch die DEL wird immer mehr damit konfrontiert. „Alle Beteiligten sind sensibilisert und alle müssen sich dieses Themas annehmen“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. „Ein Umdenken muss meiner Meinung nach vor allem bei den Spielern und Verantwortlichen stattfinden“, meint Tripcke weiter.

Das sagt sich leicht. Denn eines ist auch klar: „Das Spiel ist schneller und härter geworden. Daran lässt sich nichts ändern, und jeder, der diesen Sport betreibt, ist sich des Risikos bewusst“, sagt beispielsweise ERC-Torjäger Thomas Greilinger ganz offen. „Ich hatte zum Glück noch keine Gehirnerschütterung, aber ich habe auch keine Angst davor. Ich konzentriere mich auf mein Spiel und versuche mich zu schützen, aber ansonsten beschäftige ich mich mit dem Thema nicht“, meint der Nationalspieler weiter.

Maßnahmen, um eine Häufung dieser Verletzungsart zu verhindern, werden bereits diskutiert: bessere Ausrüstung, härtere Strafen oder gar ein Check-Verbot. Was hilft und auch umsetzbar ist, ist noch unklar.

Heid weiß nur eines – eine Gehirnerschütterung wünscht man nicht einmal seinem ärgsten Rivalen. „Die Symptome sind bei jedem anders. Ich hatte vier Wochen lang Kopfschmerzen, wollte nur schlafen, oft zwölf Stunden am Tag und fühlte mich ständig benebelt und unkonzentriert“, erzählt Heid. Geholfen habe ihm letztlich nur eines: Ruhe.

Bei den Comebackversuchen im Training hörte er dann schon genau auf die Warnsignale seines Körpers. Beispielsweise, wenn sein Puls unter Belastung schnell auf 160 Schläge hoch ging, war wieder eine Pause angesagt. Letztlich dauerte es sieben Wochen, bis Heid in den Spielbetrieb zurückkehren konnte. „Es war meine erste schwere Gehirnerschütterung. Ausgelöst wurde sie wohl durch zwei Checks. Schon am 23. Dezember im Spiel gegen Krefeld hat’s mich erwischt und dann bekam ich drei Tage später in Augsburg einen heftigen Schlag gegen den Kopf. Das war’s dann.“

Trotz seiner negativen Erfahrungen sieht Chris Heid positiv nach vorne. „Ich glaube nicht, dass ich meinen Stil jetzt ändere. Ich werde weiter physisch spielen, das ist ein großer Teil meiner Stärke“, sagt der 28-Jährige und freut sich, dass er seinen geliebten Sport wieder ausüben kann. „Es war einfach nur frustrierend, so lange zusehen zu müssen.“

 


Von Gottfried Sterner

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