John: "Ich fühle, dass ich es noch draufhabe"
So sehen ihn die ERC-Fans am liebsten: John Laliberte bejubelt ein Tor. - Foto: osnapix/Duckwitz
Ingolstadt

Herr Laliberte, Sie haben 296 Spiele im Ingolstädter Trikot bestritten und 230 Punkte gesammelt. Mit dem Treffer zum 2:0-Endstand im siebten Finalspiel 2014 haben Sie sich bei den ERC-Fans unsterblich gemacht. Wie fühlt man sich als Klublegende?

John Laliberte: (lacht) Das ist das erste Mal, dass mich jemand als Legende bezeichnet, danke dafür! An so etwas denke ich aber aktuell nicht, mein Fokus liegt nur auf der laufenden Saison. Vielleicht kommt es mir im Sommer mal in den Sinn, was ich in diesem Verein erreicht habe. Ich habe Glück gehabt, man hat mich hier immer sehr gut behandelt. Ein Teil der Meistermannschaft gewesen zu sein, ist meine schönste Erinnerung. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht ab und zu an das Tor im siebten Finalspiel denke. Gerade wenn es nicht so läuft, versuche ich das Tor zu visualisieren und mich an das Gefühl zu erinnern. Das war das wichtigste Tor und das beste Gefühl, das ich in meiner Karriere je hatte.

 

In der vergangenen Saison waren Sie dreimal ernsthaft verletzt, haben aber trotzdem mehr als einen Punkt pro Spiel gesammelt. Dieses Jahr sind Sie fit, dafür kommen Sie nur auf einen halben Punkt pro Partie. Woran liegt das?

Laliberte: Toreschießen ist reine Kopfsache. Mit meinem Vater gehe ich im Sommer oft zum Golfen, und da ist es dasselbe: Wenn du beim Putten nicht davon überzeugt bist, dass der Ball ins Loch fällt, wird er auch nicht reingehen. Manchmal ergibt sich daraus ein Schneeballeffekt: Wenn du ein paar Spiele nicht getroffen hast, denkst du, dass du nie wieder treffen wirst. Was das Scoren betrifft, befinde ich mich aktuell in der schwierigsten Phase meiner Karriere. Dabei finde ich nicht, dass ich schlecht spiele. Verglichen mit der vergangenen Saison spiele ich sogar ziemlich ähnlich. Mit dem Unterschied, dass der Puck da reingegangen ist.

 

Dieses Problem haben Sie in Ihrem Team nicht exklusiv.

Laliberte: Während unserer Niederlagenserie (neun Pleiten im Oktober/November, d. Red.) hat keiner getroffen. Es war fast normal, kein Tor zu schießen. Wir hatten sehr viele Gespräche und haben uns gesagt, dass wir das nicht akzeptieren können. Aber es war hart, aus diesem Strudel rauszukommen.

 

Unter dem neuen Trainer Doug Shedden hat die Mannschaft bislang in jedem Spiel gepunktet. Was stimmt Sie optimistisch, doch noch die direkte Viertelfinal-Qualifikation zu schaffen?

Laliberte: Auch als es nicht lief, sind die Jungs zuversichtlich geblieben. Wir haben es weiter probiert, und nach einigen Veränderungen auf der Trainerposition und im Kader ist die Einstellung wieder positiv. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht jetzt, zum Ende der Hauptrunde, einen Lauf starten können.

 

Sind die beiden Neuzugänge Ville Koistinen und Tim Stapleton die Puzzlestücke, die noch gefehlt haben?

Laliberte: Mit Ville habe ich vor mehr als zehn Jahren in Milwaukee zusammengespielt, und er ist noch genau derselbe Spieler: Er ist technisch überragend, strahlt Cleverness und Selbstvertrauen aus. Es macht Spaß, ihm zuzusehen. Es ist ein großes Plus, so einen Mann im Team zu haben. Und Tim: Ich wünschte, ich hätte sein Talent. Er hatte eine beeindruckende Karriere. Wir können Leute gebrauchen, die wissen, wo das Tor steht.

 

Sie sind ein Mann für die harte Arbeit an der Bande, Ihr Spielstil ist sehr physisch. Spüren Sie mit inzwischen 34 Jahren Ihr fortgeschrittenes Eishockey-Alter?

Laliberte: Im vergangenen Jahr ja. Da gab es Phasen, in denen ich keine Lust mehr hatte. Aber dieses Jahr fühle ich mich gut. Klar gibt es Tage, an denen man morgens aufwacht und die Knochen schmerzen, aber das gehört zum Job. Ich kann mich nicht beschweren.

 

In der Saison 2016/17 haben Sie um Weihnachten herum einen neuen Einjahresvertrag beim ERC unterschrieben. Wie sieht es diesmal aus? Sie haben doch bestimmt schon mit Sportdirektor Larry Mitchell gesprochen.

Laliberte: Im vergangenen Jahr hatte ich zum Zeitpunkt meiner Vertragsverlängerung viele Tore erzielt, der Klub musste handeln. Diese Saison läuft es für mich nicht so gut und das Team krebst noch in den Pre-Play-off-Rängen rum. Da hat Larry keine Eile. Der Ausgang der Saison wird darüber entscheiden, was Larry macht.

 

Wie lange wollen Sie noch spielen?

Laliberte: Solange ich gesund bin und das Gefühl habe, ein produktiver Spieler zu sein. Ich fühle, dass ich es noch draufhabe.

 

Wäre es ein Traum, Ihre Karriere in Ingolstadt zu beenden?

Laliberte: Ja. Ich sehe nicht, dass ich noch einmal den Verein wechsle. Ingolstadt ist unsere Heimat, meine Kinder haben den Großteil ihres Lebens hier verbracht, meine Tochter spricht Deutsch.

 

Haben Sie schon an die Zeit nach Ihrer Eishockey-Karriere gedacht? Sie haben einen Universitätsabschluss im Fach Hotelmanagement. Oder wollen Sie dem Sport treu bleiben?

Laliberte: Das wird man sehen. In meiner Heimatstadt Portland/Maine gibt es ein großes Netzwerk ehemaliger Eishockey-Profis. Da werde ich mal anklopfen, wenn es so weit ist. Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht, aber noch nichts Konkretes.

 

Sie sind Mitglied der Michael Goulet Foundation, einer Stiftung für die Opfer schwerer Gehirnverletzungen. Sie ist nach dem Bruder Ihrer Frau Candace benannt, der an den Spätfolgen eines Unfalls starb. Planen Sie, sich dort nach Ihrer Laufbahn stärker zu engagieren?

Laliberte: Wir haben bis vor ein paar Jahren regelmäßig und mit einigem Erfolg Benefizspiele zugunsten der Stiftung veranstaltet. Das will ich definitiv wiederbeleben. Mit der Hilfe der erwähnten Eishockey-Gemeinschaft in Maine will ich daraus eine richtig große Sache machen.