Die Führung für die Panther: Tim Hambly (Zweiter von links) trifft zum 2:1 und lässt Lions-Goalie Ian Gordon keine Abwehrchance.
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Ingolstadt
Es gibt Dienstreisen, die die Lions mit größerer Zuversicht antreten. Von 14 Auftritten in Ingolstadt haben die Hessen bislang zwölf verloren. Wer gestern Abend deshalb aber ängstliche Gäste erwartete, sah sich zumindest anfangs getäuscht. Die Frankfurter spielten ordentlich mit, wenngleich das Heimteam freilich die Mehrzahl an Chancen besaß. So sah der gesperrte ERC-Trainer Bob Manno von der Tribüne aus ein unterhaltsames erstes Drittel.

Apropos Manno: Am Freitagabend im Derby gegen Nürnberg hatte der Italo-Kanadier Schiedsrichter Rick Looker mit einem Ausdruck unterhalb der Gürtellinie versehen, weshalb dem Coach nun auch eine weitere Strafe durch die DEL droht. Erst dann will auch der Verein entscheiden, ob er die verbale Entgleisung Mannos mit einer Geldstrafe ahndet.

So durfte sich gestern Co-Trainer Greg Thomson auf der Bank beweisen und musste gleich mal einen Rückschlag verkraften. Denn neben Ben Clymer und Norman Martens meldete sich auch Joe Motzko ab. Der Stürmer hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Nürnberg am Rücken verletzt und wird wohl auch morgen in Hamburg fehlen. Und auch auf dem Eis lief es zunächst nicht nach Plan. Jamie Wright überraschte Dimitri Pätzold mit einem Bauerntrick, und brachte die Gäste so früh in Führung (fünfte Minute). Als der ERC-Torhüter eine fragwürdige Strafe wegen hohen Stocks aufgebrummt bekam, hatten die Panther in Unterzahl Glück. Denn Michael Periard scheiterte knapp (7.). Ingolstadt kam jetzt langsam in Fahrt. Zunächst schoss Carl Corazzini Lions-Goalie Ian Gordon aus kurzer Distanz an (8.), acht Sekunden später war der Ausgleich fällig. Martin Hinterstocker staubte nach einem Schuss von Prestin Ryan eiskalt ab. Gordon rückte nun mehr und mehr in den Mittelpunkt. So parierte er gegen Michael Waginger und Jakub Ficenec stark (10.).

Eine Strafzeit gegen John Slaney nutzte der ERC in letzter Sekunde, um in Führung zu gegen. Tim Hambly stand nach einer zu kurzen Abwehr von Gordon goldrichtig und es hieß 2:1 (12.). Der Jubel war noch nicht verhallt, da war der Vorsprung schon wieder dahin. Jeff Ulmer schoss unbedrängt ein. Bruno St. Jacques und Pat Kavanagh besaßen noch im ersten Drittel gute Möglichkeiten, doch mit dem Toreschießen klappte es erst im zweiten Abschnitt wieder.

Hambly saß in der Kühlbox, Folgen hatte das nur für die Gäste. Matt Hussey schloss einen Konter zum 3:2 ab (24.). Die Lions durften sich in der Folge regelmäßig mit einem Mann mehr versuchen. Weil Hambly den Puck unbedrängt über die Bande jagte, hieß es aus Ingolstädter Sicht sogar 66 Sekunden lang drei gegen fünf. Die Panther-Abwehr hielt, und es blieb sogar noch Zeit für eine kleine Zaubereinlage. Hussey und Ficenec spielten die Lions-Defensive schwindelig. Am Ende war es der Verteidiger, der überlegt zum 4:2 traf – der zweite Treffer in Unterzahl (37.). Der Panther-Turbo war gezündet, da dufte auch die Paradereihe nicht fehlen. Erst hob Topscorer Thomas Greilinger die Scheibe ins Netz. 58 Sekunde vor der Sirene baute Rick Girard die Führung auf 6:2 aus.

Gordon war bedient, für ihn versuchte sich nun Thomas Ower. Der Ersatztorhüter der Hessen musste in den letzten 20 Minuten kaum noch eingreifen. Der ERC ließ es gemächlicher angehen und Thomas Oppenheimer gelang in der 50. Minute noch das 3:6. Trotzdem war Lions-Coach Rich Chernomaz bedient. "Zwei Gegentore in eigener Überzahl zu so einem Zeitpunkt in der Saison, das geht überhaupt nicht. Unsere Führungsspieler haben enttäuscht. So hast du in Ingolstadt keine Chance", sagte er mächtig angesäuert. Die nächste Dienstreise nach Ingolstadt sollten sich die Lions genau überlegen.