Auf ERC-Verteidiger Tim Hambly ist Verlass
Ingolstadt (DK) Zwei Spiele noch, dann gibt es für die Panther fünf Tage frei. Davor jedoch stehen mit den Derbys heute gegen die Straubing Tigers (19.30 Uhr Saturn-Arena) und am Sonntag beim Panther-Treffen in Augsburg enorm schwierige Aufgaben für den ERC Ingolstadt auf dem Spielplan.

Stets fokussiert auf seine Aufgabe: ERC-Verteidiger Tim Hambly, der die beste Plus-Minus-Statistik aller Defensivspieler der Deutschen Eishockey-Liga aufweist - Foto: Imago
Ohne Jakub Ficenec (er hat wegen einer Schambeinentzündung zwei Wochen lang absolutes Trainingsverbot), Prestin Ryan (Bänderdehnung im Knie) und Chris Heid, der wegen seiner Gehirnerschütterung auch in dieser Woche immer wieder das Training abbrach, lastet die Defensivarbeit nur noch auf wenigen Schultern. Trotzdem funktioniert die Abwehrarbeit – das ERC-Team hat die fünftwenigsten Gegentreffer aller DEL-Klubs – recht gut.
Mit ein Verdienst von Tim Hambly. Der 28-jährige US-Amerikaner aus Minnesota ist – gemessen an der Plus-Minus-Statistik – der beste Verteidiger der DEL. Gemeinsam mit dem Wolfsburger Robert Bina führt er mit + 16 die Wertung an. Sie gibt die Differenz von Toren und Gegentoren an, während der Spieler auf dem Eis stand und lässt Rückschlüsse über dessen Defensivstärke zu. Zudem kassierte der zurückhaltende Hambly in 41 Spielen nur zwölf Strafminuten – unglaublich wenig für einen guten Verteidiger. „Ich weiß selbst nicht, warum das so ist, aber ich habe schon immer versucht, meine Aufgabe sauber zu erfüllen. Außerdem schade ich ja nur meiner Mannschaft, wenn ich Strafzeiten kassiere“, meint Hambly bescheiden. Kein Wunder, dass der Blondschopf auch bei Chernomaz hoch im Kurs steht. „Er ist die Konstanz in Person. So etwas will ein Trainer sehen“, meint der ERC-Coach, der üblicherweise nicht zu Lobeshymnen neigt.
Der Zweijahresvertrag, der Hambly bis 2014 an den Verein bindet, ist Ausdruck der Wertschätzung seitens der Panther, und der US-Boy ist froh darüber. „Meiner Freundin und mir gefällt es in Ingolstadt gut. Die Stadt ist nicht so groß wie meine Heimat Minneapolis, ich kenne mich aus, treffe Leute hier, es passt alles“, meint Hambly, der sich mit Freundin Rebecca, einer Englischlehrerin, in der Schanz wohlfühlt. Die gegenwärtigen Temperaturen erinnern ihn an zu Hause, doch Heimweh kommt deswegen nicht auf – im Gegenteil. „Bei uns gibt es viel Schnee und es ist zwei Monate lang so kalt wie momentan hier, das vermisse ich wirklich nicht“, sagt Hambly lachend. Seine Schwester Lisa schwört dagegen auf Kälte – die Eisschnellläuferin will sich für die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi qualifizieren.
„Was das Eishockey betrifft, bin ich natürlich glücklich, dass es bei uns so gut läuft und ich in einem Siegerteam spielen kann. Trotzdem dürfen wir nicht zufrieden sein. Wir wollen unter die Top Vier und uns das Heimrecht für die Play-offs sichern“, sagt Hambly, der auf eine schnelle Rückkehr seines verletzten Partners Jakub Ficenec hofft. „Es ist natürlich schon gut, wenn man eingespielt ist und weiß, was der Nebenmann macht. Aber für ein paar Spiele ist ein Wechsel kein Problem.“
Der heutigen Aufgabe gegen Straubing blickt Hambly mit gemischten Gefühlen entgegen. „Zuletzt lief es für uns gegen die Tigers nicht so gut. Das ist eine Mannschaft, die nie aufhört, da müssen wir 60 Minuten intensiv dagegenhalten“, weiß der Verteidiger, der auch DEL-Torjäger Matt Hussey stoppen muss. „Matt hat ein irres Jahr. Er ist vielleicht der schnellste Spieler der DEL. Wir müssen sehr körperbetont gegen ihn spielen, um ihn zu bremsen.“
Gelingt dies Hambly & Co., und gehen die Panther auch am Sonntag in Augsburg nicht leer aus – die Gastgeber kämpfen verbissen um die Teilnahme an den Pre-Play-offs – dann steht Hambly eine lustige Spielpause bevor. Zusammen mit seinen Teamkameraden Jeff Likens, Kris Sparre und Markus Janka geht’s zum Skifahren und Rodeln nach Kitzbühel.
Von Gottfried Sterner
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