Unbemanntes Flugzeug Euro Hawk in Manching
Der Prototyp des unbemannten Aufklärungsflugzeugs Euro Hawk in Manching.
Armin Weigel/dpa
Ingolstadt
Der Prototyp des großen unbemannten Aufklärungsflugzeugs wird derzeit bei Cassidian getestet, vier weitere Exemplare der fliegenden Langstrecken-Schnüffler wollte die Bundeswehr eigentlich anschaffen – eigentlich. „Im Moment sieht es nicht so aus“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sehr nüchtern am Dienstag bei seinem Besuch in der Redaktion des DONAUKURIER. Man sei aber noch in der Prüfung, fügt er hinzu, vielleicht um nicht allzu pessimistisch zu wirken.

 

Der Grund für die Probleme liegt nicht in dem rundlichen Flieger mit den riesigen Tragflächen selbst – die Tests laufen nach allem, was man aus dem Werk hört, gut. Was dem Euro Hawk die Flügel brechen könnte, ist eigentlich ein bürokratisches Problem: Damit das Flugzeug auch fliegen darf, muss es zugelassen werden – so ähnlich wie ein neues Auto.

Dabei betreten die Genehmigungsbehörden allerdings Neuland. So etwas wie den Euro Hawk gab es bisher einfach noch nicht: ein Flugzeug so groß wie eine Verkehrsmaschine, aber ohne Piloten. Der sitzt irgendwo weit entfernt in einem Container am Boden. Das wirft eine Menge Fragen auf: Ist sichergestellt, dass keine anderen Flugzeuge gefährdet werden? Was passiert, wenn die Verbindung zum Piloten abreißt? Wenn es in der Maschine ein technisches Problem gibt?

Richtig kompliziert wird die die Zulassung aber, weil der Euro Hawk eine amerikanische Entwicklung ist. Das Flugzeug selbst wurde vom Hersteller Northrop Grumman nach Europa geflogen. Vom Projektpartner Cassidian stammt die ganze Aufklärungselektronik an Bord. Die USA sind aber generell nicht gerade freigebig mit Detailangaben über die „Innereien“ ihrer militärischen Entwicklungen. Die „Black box“ bleibt im Normalfall zu.

Die Folge: Die Zulassung zieht sich hin und wird wesentlich teurer als gedacht. „Hinsichtlich einer Muster- und Verkehrszulassung für einen langfristigen Betrieb bei der Bundeswehr sind nach aktueller Bewertung erhebliche Risiken und Mehrkosten festgestellt worden“, heißt es in einem Bericht des Bundesverteidigungsministeriums, der unserer Zeitung vorliegt.

Von Mehrkosten in Höhe von 500 Millionen Euro ist die Rede – das wäre angesichts der bisher vorgesehenen Gesamtkosten von gut 1,2 Milliarden Euro für die fünf Euro-Hawk-Maschinen eine Kostenüberschreitung von rund 40 Prozent. Woher diese 500-Millionen-Schätzung eigentlich kommt, kann allerdings auch Cassidian-Sprecher Florian Taitsch nicht erklären. In Manching setzt man angesichts des offenkundigen Zulassungs-Dilemmas auf eine Politik der kleinen Schritte: „Lassen Sie uns erstmal die Testphase abschließen“, sagt Taitsch. Und dann? „Das ist eine politische Entscheidung.“

Eine, die der Bundesregierung nicht leichtfallen wird. Das liegt weniger daran, dass schon mehrere hundert Millionen Euro in dem Projekt versenkt wurden und zum Beispiel im Fliegerhorst Jagel in Schleswig-Holstein die Hallen für den Euro Hawk bereits fertig sind. Die Bundeswehr braucht die fliegenden Lauscher vielmehr, um eine „Fähigkeitslücke“ zu schließen. Denn der Vorgänger der unbemannten Euro Hawk, die längst museale Breguet Atlantique mit bis zu 17 Mann Besatzung, wurde bereits 2010 in den Ruhestand geschickt.

Der Ingolstädter CSU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl gewinnt dem „wirklich teuren Desaster“ mit dem Euro Hawk noch aus einem anderen Grund eine positive Seite ab: Die Zulassungsprobleme sprächen „eindeutig für eine europäische Entwicklung“, sagt er. Ein Hoffnungsschimmer für Cassidian in dem Dauerstreit, ob man Drohnentechnik aus dem Ausland – den USA oder Israel – zukaufen oder doch lieber in Europa entwickeln soll.

Von Johannes Greiner