Die Forderung der IG Metall nach kürzeren Arbeitszeiten samt Lohnausgleich sorgt für harte Fronten beim anstehenden Auftakt der Tarifrunde. Ab diesem Mittwoch wird in der Metall- und Elektroindustrie verhandelt, unter anderem in Baden-Württemberg, wo schon häufig Pilotabschlüsse erzielt worden sind. In Bayern geht es am Donnerstag in Schweinfurt mit ersten Gesprächen los.

Gesamtmetallpräsident Rainer Dulger hat der Forderung der IG Metall nach kürzeren Arbeitszeiten mit einem Teillohnausgleich aber schon eine klare Absage erteilt: "Kürzere Arbeitszeiten bei Lohnausgleich - das ist eine Stilllegeprämie für Fachkräfte, die zu einer flächendeckenden 28-Stunden-Woche führen würde. Dem können wir nicht zustimmen", sagte Dulger gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. "Wer kürzertreten will, kann dies auch heute schon tun, aber ohne Lohnausgleich. Mehr Geld fürs Nichtstun wird es mit uns nicht geben."

Auch für Stefan Wolf, Chef von Südwestmetall und Verhandlungsführer für die Arbeitgeberseite, ist der Wunsch der Gewerkschaft indiskutabel: "Wir sehen in der Forderung einen totalen Systemwandel. Warum sollen Arbeitgeber plötzlich mehr Stunden bezahlen als die, die geleistet werden vom Arbeitnehmer"

Nach Vorstellungen der Gewerkschaft sollen die bundesweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie von den guten Geschäften der Branche profitieren und sechs Prozent mehr Geld erhalten. Zudem sollen sie - und das dürfte der Knackpunkt werden - ihre Ará †beitszeit vorübergehend von 35 auf bis zu 28 Stunden pro Woche absenken können - wobei bestimmá †te Gruppen dafür einen finanziellen Ausgleich von ihrem Arbeitgeber erhalten sollen. Dies etwa dann, wenn sie Schicht arbeiten, Kinder erziehen oder aber Angehörige pflegen.

Die Menschen wünschten sich mehr Flexibilität und Selbstbestimmung, doch viele könnten es sich nicht leisten, kürzer zu arbeiten, argumentiert die IG Metall. "Deshalb brauchen wir für Menschen in besonderen Situationen einen teilweisen Ausgleich des fehlenden Verdiensts", sagte Südwest-Landeschef Roman Zitzelsberger und stellte klar: Mehr Geld und der Anspruch auf kürzere Arbeitszeit werden nur im Paket verhandelt.

Über mehr Flexibilität könne man durchaus reden, sagte Wolf. Aber: "Der Einstieg ist zunächst mal die Öffnung nach oben." Soll heißen: Die Unternehmen müssten unbegrenzt die Möglichkeit bekommen, mit ihren Mitarbeitern eine Arbeitszeit von bis zu 40 Stunden zu vereinbaren. "Und wenn wir da was haben, dann können wir auch darüber reden, dass Menschen in bestimmten Situationen reduzieren können auf 28 Stunden - aber ohne Lohnausgleich", so Wolf.

Dulger forderte von der künftigen Bundesregierung, die Flexibilisierung der Arbeitszeiten voranzutreiben. "Wir brauchen hier dringend eine fortschrittliche und zeitgemäße Lösung. Dafür würde es reichen, die ausgewogene EU-Arbeitszeitrichtlinie hierzulande endlich anzuwenden." In Zeiten von Internet, Laptop und iPad wollten die Menschen ihre Arbeitszeit individueller gestalten.

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