Ein Bitcoin wurde nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge gestern in Asien zwischenzeitlich für 10 903 Dollar (9183 Euro) gehandelt. Erst Mitte Oktober hatte die Kryptowährung, die nach ihrer Entstehung im Jahr 2009 nur wenige Cent wert war, die Marke von 5000 Dollar übersprungen.

Beflügelt wurde der Anstieg der vergangenen Wochen vor allem durch die Ankündigung der renommierten Chicagoer Terminbörse CME von Ende Oktober, künftig Terminkontrakte für Bitcoins anzubieten. Allein seitdem legte der Bitcoin um rund 50 Prozent zu.

Laut Berechnungen der Website Coinmarketgap.com, die die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen verzeichnet, liegt der Wert aller Bitcoins nun bei rund 180 Milliarden Dollar. Dieser Wert liegt etwa fast gleichauf mit dem US-Getränkeriesen Coca-Cola, der an der Börse mit rund 195 Milliarden Dollar bewertet wird.

Doch die atemberaubende Bitcoin-Rally an den Internethandelsplätzen ruft auch Skeptiker und Kritiker auf den Plan. Börsenexperte Stephen Innes vom Devisenhändler Oanda sprach von "verrückten Zahlen". Er mache sich Sorgen, "dass Einzelhändler aufspringen, unter der falschen Annahme, dass dies für immer so weitergeht", sagte Innes. "Wir wissen, dass die Dinge nie wie eine gerade Linie verlaufen."

"Das ist eine Blase und es gibt viel Schaum" sagte auch der Hedgefondsmanager Mike Novogratz bei einer Konferenz zu Kryptowährungen in New York. "Das wird die größte Blase unseres Lebens". Bereits im September hatte der Chef der US-Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, Bitcoins als "Betrug" bezeichnet, die Währung werde "explodieren".

Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole warnte vor einer Blase. Der Bitcoin selbst habe keinen ihm innewohnenden Wert, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Deshalb könne der Wert "von einem Tag auf den anderen kollabieren".

Die Wechselkurse von Digitalwährungen zu konventionellen Währungen schwanken mitunter stark. Auch der Bitcoin geriet in diesem Jahr wiederholt unter Druck - etwa in China, wo die Behörden auf eine strengere Regulierung dringen, um Kapitalflucht ins Ausland zu bekämpfen. Sie kritisieren zudem, Kryptowährungen würden zunehmend als "Werkzeug für kriminelle Aktivitäten" genutzt - darunter beispielsweise Geldwäsche, Drogenhandel und illegale Kapitalbeschaffung.

Der Bitcoin war 2009 auch als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden, um eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung zu erschaffen. Die Kryptowährung basiert dabei auf dem Prinzip, dass Buchungen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden müssen, sondern letztlich von allen am Bitcoin-System beteiligten Nutzern.

Neue "Münzen" werden durch komplexe Rechenoperationen unter Beteiligung zahlreicher Computer erschaffen. Ihre Zahl ist jedoch von vorne herein auf 21 Millionen begrenzt. Mehr als drei Viertel davon wurden bereits geschaffen.

Befürworter argumentieren, dass Bitcoins vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit attraktiver werden könnten - etwa in Ländern wie Venezuela oder Simbabwe. Dort leiden die Währungen unter einem drastischen Wertverfall.

Einige Beobachter erwarten zudem, dass künftig vermehrt auch Großinvestoren ins Bitcoin-Geschäft einsteigen werden. Analyst Kay Van-Petersen von der Saxo Bank in Singapur rechnet deshalb mit einem weiteren Kursanstieg in den kommenden sechs bis 18 Monaten auf 50 000 bis 100 000 Dollar. Anhaltende Bitcoin-Gewinne erwartet auch Greg McKenna von AxiTRader. "Wenn er die CME überlebt, gibt es keinen Grund, weshalb er nicht weiter steigen sollte".