"Schwundgeld" oder "Schwunggeld"?
Ingolstadt (DK) Die Meinungen über Regionalwährungen klafften am Mittwochabend bei einer Diskussionsrunde an der FH Ingolstadt weit auseinander. Zwischen "Schwundgeld" und "Schwunggeld" wurden sie von den Podiumsteilnehmern, aber auch von den Fragestellern aus dem Publikum angesiedelt.

Ein "Hallertauer Oansa" der Serie 2007. Die Regionalwährung wird jedes Jahr neu gestaltet. - Foto: oh
Aber "der Regio hat es etwas von Reformationsstimmung", so Jansky. Da in Deutschland nicht überall gleiche Lebensbedingungen herrschten, würden Regionalwährungen bevorzugt dort eingeführt, wo es viel Brache gebe, um dort Schwung in die regionale Wirtschaft zu bringen.
Dem widersprach Prof. Gerhard Rösl von der FH Regensburg heftig. Seiner Meinung nach gebe es vor allem in prosperierenden Gegenden Regionalwährungen, weil diese als "Schwundgeld" purer Luxus seien, den man sich erst leisten können müsse und wolle. Er gestand dem Regio zwar einen gewissen Werbeeffekt zu, aber "der Geldhalter wir immer ärmer". Durch Inflation, ausbleibende Verzinsung und anfallende Verwaltungskosten bezifferte Rösl die "Gesamtkosten der Schwundgeldhaltung" auf 15 bis 19 Prozent des Nennwerts pro Jahr.
Das wiederum wollte Manfred "Mensch" Mayer, Vorstand des Hallertauer Regional e.V., der den "Hallertauer" als Regionalwährung in Stadt und Landkreis Pfaffenhofen in Umlauf gebracht hat, nicht so stehen lassen. Wer für 100 Euro 100 "Hallertauer" eintausche, erhalte bei einem eventuellem Rücktausch 95 Euro, wobei die restlichen fünf Euro "Ausgaben" sogar steuerlich als Werbekosten angesetzt werden könnten. Drei Prozent der 100 Euro fließen laut Mayer in regionale gemeinnützige Projekte, zwei Prozent werden für die Deckung von Unkosten verwendet. Für Mayer ist der "Hallertauer" deshalb ein "Gewinn für alle". Er sei auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, stärke den Mittelstand, sei ein Identifikationsinstrument und beziehe finanzschwache Mitbürger ein, betonte er.
Während es derzeit bundesweit 61 – davon 28 gestartete – Regiogeld-Initiativen mit einer Regiogeld-Menge im Gegenwert von 350 000 ? und 5000 teilnehmenden Unternehmen gibt, erwartet auch Rösl, dass die Regionalgelder bald flächendeckend vertreten sein werden, "aber klein bleiben". Mit 90 000 ? die größte Verbreitung hat derzeit der "Chiemgauer".
Rösl verglich Regionalgeld mit einem Casino. "Mitspielende" Unternehmen könnten zwar durchaus gewinnen, indem sie von anderen Geschäften Kunden abziehen. "Aber alle sollten wissen, dass fast alle verlieren". Wenn freie Bürger für den "Unterhaltungswert" zahlen wollen, sei dies aber ihre freie Entscheidung, so Rösl.
Von Norbert Schmidl
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