Nach einer repräsentativen Online-Studie wollen die Deutschen in diesem Jahr im Schnitt 381 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Ein großer Teil davon dürfte in Spielwaren fließen. "Wenn der Weihnachtsmann keinen Urlaub macht, erwarten wir einen Zuwachs von bis zu zwei Prozent auf mehr als 3,1 Milliarden Euro", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels (BVS), Willy Fischel, gestern in Nürnberg. Dafür müsse es allerdings super laufen.

Ausschlaggebend werden die Monate November und Dezember sein. Denn allein das Weihnachtsgeschäft macht rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche aus. In den Jahren 2015 und 2016 hatte es nach Zahlen des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie (DVSI) immerhin noch ein Plus von mehr als fünf Prozent gegeben.

Die Adventszeit ist in diesem Jahr ausnehmend kurz, da vierter Advent und Heiligabend auf einen Tag fallen. Der 23. Dezember werde daher womöglich das "Zünglein an der Waage sein", so Fischel, "und wahrscheinlich auch der umsatzstärkste Tag des Jahres." Dann wird viel los sein in den Innenstädten. Denn nach wie vor kaufen die Bürger rund 63 Prozent der Spielwaren in stationären Geschäften, mehr als die Hälfte davon beim Fachhändler. Dabei setzen diese Händler auch auf Multichannel, sie haben neben ihrem Laden einen Onlineshop, so Fischel.

"Spielen ist so populär wie nie", sagte der DVSI. Auf der Liste der meistverkauften Spielwaren standen im Oktober zwei Produkte von Lego Technik ganz oben. Auch Themenwelten von Playmobil und Schleich sowie eine Puppe von Zapf waren sehr gefragt. Nach wie vor sind Lizenzprodukte begehrt: Alles rund um Batman, Cars, Ghostbusters und Feuerwehrmann Sam und die Trolls führen die Liste an, hat eine Auswertung der Marktforscher der NPD Group ergeben.

Ein klarer Favorit oder ein Trendthema hat sich im bisherigen Weihnachtsgeschäft noch nicht gezeigt. "Aber wir stellen fest, dass hierzulande immer mehr und immer öfter gespielt wird - und zwar quer durch alle gesellschaftlichen Schichten und in allen Generationen", sagte DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil. Besonders positiv sehen die Unternehmen laut einer aktuellen Umfrage die Lage in den Bereichen "Textil, Puppen & Plüsch" und "Schulbedarf, Schreibwaren & kreatives Gestalten". Nicht so gut läuft es bei "Baby- und Kleinkindartikeln" und "Modelleisenbahnen und Zubehör".

Egal ob es das interaktive Barbie-Pferd, die Dschungel-Forschungsstation oder der Zauberkasten "Street Magic" ist - die Käufer dürfen aufatmen: "Wir rechnen nicht mit Preiserhöhungen im Weihnachtsgeschäft", sagte BVS-Geschäftsführer Fischel. Der Trend zu immer mehr Technik im Spielzeug setzt sich derweil fort, so sind unter den jährlich vom BSV gekürten Top-10-Spielzeugen in diesem Jahr eine Race Drone sowie ein VR Racer, der mittels App und Smartphone in die virtuelle Realität einlädt.

Für die Zukunft sehen sich die deutschen Spielwarenfirmen überwiegend gut aufgestellt. Mehr als die Hälfte empfindet die Situation als gut bis sehr gut. Doch obwohl Nachfrage und Umsatz auf hohem Niveau liegen, empfinden viele Unternehmen die Kostensituation als schwierig. 39 Prozent der Firmen gaben an, dass sich diese im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert habe. Die größten Kostentreiber seien, so der DVSI, Personal sowie die steigenden Preise bei Material, Rohstoffen und Energie.
 

"Sicherheit hat höchste Priorität"

Puppen, die sprechen und Fragen stellen, Plüschtiere, die Neues lernen können und Roboter, die mit dem Kind interagieren. Wie hoch ist denn der Anteil an digitalem Spielzeug am deutschen Markt?

Ulrich Brobeil: Digitales Spielzeug ist im Vergleich zu den Vereinigten Staaten eigentlich kein großes Thema bei uns. Ob undwieeszuunskommt,lässt sich allerdings nicht sagen.


Im Frühjahr hat sich die Bundesnetzagentur dafür ausgesprochen, die digitale Puppe "Cayla" aus Datenschutzgründen zu verbieten. Welche Auswirkungen hat eine solche Entscheidung auf die Spielwarenbranche?

Brobeil: Das Thema Sicherheit - und dazu gehört auch die Datensicherheit - hat bei uns höchste Priorität. Und unsere Firmen sind up to date. Zudem wird es im Mai 2018 eine neue Datenschutzverordnung gebenunddamitauch mehr Sicherheit.


Wie schaffen es denn kleine Unternehmen, an das notwenige Know-how zu kommen?

Brobeil: Die großen Firmen sind gut vorbereitet, für die kleinen und mittelständischen bieten wir entsprechende Schulungen im Bereich Datenschutz an.


In diesem Jahr hat es mit den "Fidget Spinnern" einen großen Spielzeugtrend gegeben, der aber schnell wieder vorbei war. Müssen wir uns künftig auf kurzlebigere Trends einstellen?

Brobeil: Ich denke schon. Die "Fidget Spinner" haben nur etwa vier Wochen gebraucht, um die Welt zu erobern. Im Mai ging es bei uns langsam los und im August war die große Nachfrage schon wieder vorbei. In Deutschland wurden insgesamt etwa 1,9 Millionen Stück verkauft.


Ulrich Brobeil ist Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie. Die Fragen stellte Sandra Mönius.