München: Shopping im Weltall
Aufwendige Technik: Noch braucht es für das Virtual-Reality-Shopping neben der VR-Brille viele Kabel und einen teuren Computer. Doch das dürfte sich in Zukunft ändern. - Foto: Oppenheimer
München

Schmerzhafte Erfahrungen sind meist sehr lehrreich. Und seit der Ingolstädter Elektronikriese MediaMarktSaturn einst den Einstieg in die Welt des Online-Shoppings verschlief, gibt man sich allergrößte Mühe, immer am Puls der Zeit zu sein. "Diesmal sind wir Pionier", sagt der Digitalchef von MediaMarktSaturn, Martin Wild. Kunden, die eine VR-Brille besitzen, können bei Saturn ab sofort virtuell einkaufen. Noch funktioniert das Ganze nur mit den Modellen Oculus Rift und HTC Vive - in einigen Wochen soll es dann auch mit einem Microsoft-Modell möglich sein. In den entsprechenden App-Stores kann sich der Kunde die Saturn-Shopping-Software herunterladen.

Das Warenangebot ist noch recht übersichtlich: "Einige Hundert Artikel" könne man in 3D betrachten, erklärt Wild. Die Technik ist nämlich ziemlich aufwendig: Jedes Produkt muss extra einzeln digitalisiert werden. Deshalb hat man sich auf einige Top-Seller beschränkt. "Tintenpatronen oder USB-Kabel machen keinen Sinn", sagt Wild. "Wir haben uns auf Produkte konzentriert, die man im Raum betrachten möchte."

Wer die VR-Brille aufsetzt, findet sich allerdings nicht in einem herkömmlichen Elektronik-Shop wieder. Der Kunde hat die Wahl zwischen zwei Szenarien: Entweder er begutachtet seine Produkte in einem luxuriösen Loft oder er wagt einen Ausflug ins Weltall: auf den Planeten Saturn. Digitalkameras und Kühlschränke kann man dort in einer Art Raumstation betrachten - auf Wunsch auch in der Schwerelosigkeit. "Einfach ein Kaufhaus nachzubauen wäre unsinnig gewesen", sagt Wild. "Wir wollen neue Wege gehen." Wohin genau die führten, wisse aber auch er nicht. Und daraus macht er auch kein Geheimnis. Bei einer Sache ist er sich jedoch sicher: "Wir glauben, dass Virtual Reality einen starken Einfluss auf das Thema Shopping haben wird."

Der Digitalchef vergleicht die aktuelle Situation mit Online-Shopping im Jahr 1995. Seitdem hätten sich Internet-Läden extrem weiterentwickelt. Die Hauptsache sei, nun einfach mal zu starten. "Fehler machen gehört dazu", sagt Wild. Aber man müsse sie dann eben schnell korrigieren. Den VR-Store will er vor allem mit der Rückmeldung der Kunden verbessern. Wer die neue Art von Einkaufen schon mal ausprobieren will, kann dies diese Woche von Donnerstag bis einschließlich Samstag im Ingolstädter Saturn-Markt tun.

Wie viele künftig wohl den virtuellen Laden nutzen werden? Martin Wild weiß es nicht. Das hat damit zu tun, dass die Technik noch ziemlich am Anfang steht. Zwar ist das Prinzip durchaus beeindruckend, doch vor allem der hohe Preis dürfte viele noch abschrecken. Brille plus ein entsprechend leistungsfähiger Rechner schlagen mit rund 3000 Euro zu Buche.

Wild denkt derweil schon an den nächsten Schritt: In wenigen Wochen soll auch Beratung in der virtuellen Einkaufswelt möglich sein. Dann hilft ein echter Mensch als Avatar dem Kunden in der digitalen Welt weiter - "sofern gerade jemand verfügbar ist". Zumindest das ist dann doch wieder wie in der alten analogen Welt.