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19.04.2010 21:00 Uhr | 232x gelesen
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Mausklicks statt Aktenberge


Bild: Mausklicks statt Aktenberge .  Oberhausen-Kreuth (DK) Er wusste schon in der Schule genau, was er werden wollte. Mit 16 machte sich Josef Artner dann selbstständig, \

Oberhausen-Kreuth (DK) Er wusste schon in der Schule genau, was er werden wollte. Mit 16 machte sich Josef Artner dann selbstständig, "nebenberuflich", wie er sagt, denn im Erstberuf ging er ja noch zur Wirtschaftsschule. Drei Jahre später, nach abgeschlossener Lehre zum Datenverarbeitungskaufmann, folgte der Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit mit Software, Internet, Netzwerken und Telekommunikation.


: Mausklicks statt Aktenberge
Hobby zum Beruf gemacht: Josef Artner beschäftigte sich schon in seiner Schulzeit mit Software, Internet und Telekommunikation. - Foto: Hammerl
"Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich direkt nach der Schule losgelegt", meint er rückblickend. Aber Vater Karl Artner riet ihm eindringlich, zunächst einen Beruf zu erlernen. Heute leitet Josef Artner Leiter seine Firma namens Artner EDV-Lösungen in Oberhausen-Kreuth (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen). Der Papa war sein erster wichtiger Kunde – und zugleich "mit Abstand der Kritischste".

 
"Arbeiten wie auf Papier"

Kaufmännische Software zu entwickeln war Josef Artners großes Hobby und ist nun mindestens so sehr Berufung wie Broterwerb. Wenn der junge Unternehmer, mittlerweile 35 Jahre alt, "sein Kind" vorstellt, dann strahlen die Augen und seine Begeisterung für den Rechnungsmanager für ELO (Elektronischer Leitz Ordner) springt unwillkürlich auf den Gesprächspartner über – auch wenn das Thema auf den ersten Blick staubtrocken ist.

Noch trockener aber muss es für kaufmännische Angestellte gewesen sein, große Mengen an Eingangsrechnungen abzuarbeiten, als es das komfortable Programm noch nicht gab. Wie die kaufmännischen Abläufe genau waren, das zog der junge Mann damals als Schüler seinem Vater aus der Nase und programmierte seine Software genau so, wie die Rechnungserfassung per Hand und auf Papier üblich war. "Arbeiten wie auf Papier" ist sein Slogan geblieben und wohl auch das Geheimnis des Erfolges. Denn der Rechnungsmanager ist nichts anderes als ein ausgeklügeltes System, das genau den Papierabläufen früherer Tage folgt und daher kundenfreundlich und ausgesprochen leicht in der Handhabung ist.

Die Rechnungen werden nur einmal auf der jeweils ersten Seite gestempelt, dann eingescannt. Das System lernt selbstständig dazu, nur die erste Rechnung eines neuen Lieferanten muss manuell eingegeben werden, ab der zweiten erfasst der Rechnungsmanager sie automatisch, weil er inzwischen weiß, wo beispielsweise Lieferscheinnummer, Rechnungsdatum, Adresse oder Kontoverbindung zu finden sind. Den Sachbearbeitern gibt die Software dieselben Werkzeuge an die Hand, die sie früher auch hatten, nur dass Stempel, Notizen, Haken oder Textmarken nun per Klick angebracht werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Rechnungen nicht mehr auf ihrem Bearbeitungsweg in einem Aktenstapel verschwinden können. "Jederzeit ist für jeden Berechtigten zu sehen, wer bereits was mit der Rechnung gemacht hat und wo sie sich gerade befindet", erklärt Artner.

Kein Wunder, dass er schon oft nach Demonstration des Programms von erfahrenen Buchhaltern misstrauisch gefragt wurde: "Das ist so einfach – wo ist der Haken daran"

Seit Anfang des Jahres ist die Firma Artner EDV-Lösungen Nischenspezialist, die Bereiche Telekommunikation und Netzwerke sitzen zwar noch als Untermieter im selben Gebäude, gehören Artner aber nicht mehr, so dass er sich ganz auf den Rechnungsmanager und seine Großkunden in ganz Deutschland konzentrieren kann. Bei 1000 Eingangsrechnungen im Monat fängt seine Preisliste für die Software an. "Es kann sich aber im Einzelfall auch schon für weniger Rechnungen lohnen", sagt er.

Freaks gesucht

Krise? Er seufzt lächelnd. "Die einzige Krise, die wir haben, ist die, dass wir so viele Aufträge haben, dass wir sie mit unserem Personalstand nicht bewältigen können", sagt Artner. Fünf Mitarbeiter hat er derzeit, würde aber gern auf eine Größe von zehn bis 15 Personen aufstocken. Wenn Fachpersonal zu haben wäre. "Die Freaks gibt es fast nicht mehr", seufzt er. Freaks so wie er, die aus Freude am Programmieren sich selbst am Computer etwas erarbeiten.

Zwei Auszubildende fangen im September bei Artner an – er will selbst aktiv werden, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Demnächst kommt ein neuer Mitarbeiter aus Köln ins Haus, der später dort eine Zweigstelle aufbauen soll, um die Kunden in Nord- und Westdeutschland zu betreuen.


Von Andrea Hammerl

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