Mittwoch, 30.05.2012 |

 

01.02.2012 22:11 Uhr | 869x gelesen
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Perspektive bis 2017


Manching (DK) Die Cassidian-Belegschaft ist besorgt, der Chef bleibt gelassen. Der geplatzte Milliardendeal mit Indien hat beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und seiner Rüstungssparte Cassidian mit Sitz in Manching unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.



 
Die große Verkaufsoffensive für den Eurofighter in Indien ist gescheitert. Ein Jahr nach dem geballten Auftreten der Eurofighter-Nationen auf der Aero India in Bangalore und der Werbetour von EADS entschied sich die indische Regierung jetzt für den Kauf von 126 französischen Kampfflugzeugen vom Typ Rafale.

Der Verlierer des Wettbietens gibt sich nach außen gelassen. Stefan Zoller, Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian, ließ gestern über einen Sprecher ausrichten: „Die Entscheidung gegen uns hat kurz- und mittelfristig keine Auswirkungen auf das Werk in Manching.“ Dem Vernehmen nach steht der Rüstungskonzern mit weiteren Regierungen in Verhandlungen. Und überhaupt müsse Frankreich nun erst mal konkrete Verhandlungen mit Indien beginnen. Denn: Unterschrieben ist noch nichts. Besorgt äußerte sich Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). „Angesichts der Kürzungen im Rahmen der Bundeswehrreform ist es notwendig, diesen Minderbedarf durch Exporte auszugleichen. Es wäre aber naiv zu glauben, dass die Kürzungen bei den Beschaffungen der Bundeswehr ohne Folgen bleiben“, sagte der Politiker.

Bei der Belegschaft von Cassidian in Manching dominieren Ratlosigkeit und Enttäuschung gleichermaßen. Man habe von der Geschäftsleitung stets den Eindruck vermittelt bekommen, dass man gut im Rennen liege, sagen Mitarbeiter beim Schichtwechsel am Werkstor. Nun hatte das Unternehmen nicht einmal Zeit, die Leute selber angemessen zu informieren: „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“, heißt es mehrfach bei den Arbeitern und Angestellten. Natürlich sind längst nicht alle in der Eurofighterendmontage tätig, doch auch die Fachleute der Wartungsabteilungen schauen natürlich besorgt auf die Auftragslage der einzigen Fertigungslinie am Standort.

Wer am Projekt Eurofighter arbeitet, der hat derzeit nur eine realistische Perspektive bis 2017. Noch 36 Maschinen seinen bis dahin wohl sicher zu bauen, rechnet ein Fertigungsexperte vor. Für ihn, der schon über 50 ist, mag dieser Zeitrahmen noch halbwegs passen – „aber man muss ja auch an die Jungen denken, die hier noch auf Jahrzehnte arbeiten möchten“. Einer von diesen jungen Kollegen kommt gleich dahinter zur Schicht. Ja, gibt er zu erkennen, da gerate man schon ins Grübeln, werde sich vielleicht in den nächsten Jahren schon mal umschauen müssen nach einer anderen Arbeit. Immerhin: Schlecht qualifiziert ist hier niemand. Doch Flugzeuge werden in Deutschland halt nicht an jeder Ecke gebaut.

Woran es gelegen hat? „Eine politische Entscheidung“, heißt es fast durch die Bank. Andere seien wohl besser in der diplomatischen Begleitung von Rüstungsgeschäften, wird mit Blick auf Amerikaner und eben vor allem Franzosen gemutmaßt. „Frau Merkel kümmert sich um alles Mögliche in der Welt“, schimpft ein älterer Cassidian-Werker, „nur bei solchen Sachen fehlt es weit.“ Daran, dass die französische Rafale das bessere Flugzeug sein könnte. glaubt in Manching ohnehin niemand.

 


Von Stefan Königund Bernd Heimerl

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