Das Büro im neuen Gebäude ist noch nicht fertig. Deswegen hat Wolfgang Bachesz, Chef des Ingolstädter Media-Markts, noch einmal in sein altes Arbeitszimmer geladen, um von früheren Zeiten und vom neuen Markt zu erzählen. Bei seiner Mitarbeiterin ordert er einen Latte Macchiato. Ein paar Minuten später kommt die junge Frau wieder herein. Ohne Latte. „Sorry, die Kaffeemaschine ist schon umgezogen.“ Als Alternative gibt es Mineralwasser. So ist das bei einem Umzug. Da muss man eben auch mal improvisieren.

Bachesz nimmt so etwas gelassen. Schließlich hat er in seiner Laufbahn bei Media-Markt schon einiges erlebt. Durch seine Hände rotiert ein dicker Stapel alter Fotos. Auf einem Bild ist ein heftiges Gedränge im Laden zu sehen – offenbar Ende der 1980er Jahre. „Da haben wir Kaffeemaschinen für 9,90 Mark verkauft“, erzählt Bachesz. Der Andrang war so groß, dass sie die Geräte schließlich direkt an der Warenausgabe verkauften.

Und dann das marode Gebäude. Zigmal gab es Wassereinbrüche nach starken Regenfällen – einmal kam in der Lichtabteilung nachts ein Teil der Decke herunter. Auf den Fotos sieht es aus, als wären Einbrecher am Werk gewesen.

Heute kann Bachesz darüber lachen. Der 58-Jährige gehört zum Urgestein des Elektronikriesen. Im November 1977 trat er in das Unternehmen ein, das damals noch nicht Media-Markt hieß, sondern F.E.G. (Abkürzung für „Fahrräder und Elektrogeräte“), gegründet von Helga und Erich Kellerhals. Der erste Media-Markt eröffnete 1979 in München, der zweite 1981 in Landshut – und der dritte schließlich 1982 in Ingolstadt.

Damals waren Worte wie „Smartphone“ und „Tablet“ noch unbekannt. „Wir hatten Saunen, Boiler und Kohleöfen im Angebot“, erinnert sich Bachesz. „Ansonsten hat sich das Sortiment aber in vielen Bereichen gar nicht so großartig verändert.“ Waschmaschinen und Stereoanlagen gab es natürlich schon. Fernseher ebenso, auch wenn die Röhrengeräte im Großformat schon mal zwei Zentner wogen. 16 Leute arbeiteten im Markt – heute sind es 90. Unterstützung durch eine Spedition gab es beim Umzug aus der Theresien- in die Eriagstraße nicht. Die Kohleöfen mussten Bachesz und seine Kollegen selber schleppen.

Das Konzept eines großflächigen Elektromarkts war damals revolutionär. Doch der Ingolstädter Markt ist längst in die Jahre gekommen. Dutzende viel modernere Media-Märkte haben inzwischen andere Standards gesetzt. Zuletzt wurde der Ingolstädter Markt seinem repräsentativen Anspruch nahe der Zentrale nicht mehr wirklich gerecht. Allerdings gehört das Gebäude Erich Kellerhals, weshalb ein Auszug nicht so einfach möglich war. Schließlich bedeutet das den Verlust eines zuverlässigen Mieters.

Ab Ende September wird sich das ändern. Der Ingolstädter Media-Markt wird umziehen – und zwar einmal quer über die Straße. Gegenüber, im einstigen Avanti-Möbelmarkt, werden bald Handys und Notebooks über die Ladentheke wandern. Die Umbauarbeiten sind fast abgeschlossen. Im neuen Markt sind die Regale schon gut zur Hälfte bestückt. Alle paar Minuten rollt wieder ein Lastwagen an, die Mitarbeiter entladen die Fernseher, Drucker und Fotoapparate und karren sie mit dem Hubwagen ins Lager. Etwa 30 Angestellte von Media-Markt sind im Einsatz – dazu kommen noch wenige Externe. Doch sicher ist sicher: Damit nichts verschwindet, kontrolliert am Ausgang das Security-Personal.

Von einem Umzug im reinen Wortsinn kann man eigentlich gar nicht sprechen. „Wir wollen so gut wie nichts mit rüber nehmen“, sagt Bachesz. Keine Möbel, keine Regale und nach Möglichkeit auch keine Ware. „Wir wollen alles verkaufen.“

Fest steht: Der neue Markt wird größer. Statt wie bislang auf 2600 Quadratmetern können die Kunden nun auf 3400 Quadratmetern einkaufen. Auch dass es über dem Markt ein Parkdeck geben wird, ist kein Geheimnis. Zu den Neuerungen im Inneren will Bachesz noch nicht viel verraten. Lediglich, dass es mehr Möglichkeiten geben soll, Geräte auszuprobieren, lässt er sich entlocken. Schließlich muss man der Internet-Konkurrenz ja etwas entgegensetzen.

Eine Art Drive-In, eine Schleuse, in der die Kunden bei Regen trockenen Fußes ihre Geräte abholen können, will er noch nicht bestätigen. „Solche Gerüchte habe ich auch schon gehört“, sagt er und grinst. „Es wird ein außergewöhnlicher Markt – mit einer außergewöhnlichen Eröffnung.“

Von Wehmut zum Abschied will Bachesz nichts wissen. „Es war eine tolle Zeit hier“, sagt der 58-Jährige. „Wir ziehen ja nur über die Straße. Ich freue mich jetzt auf die Zeit in einem zeitgemäßen Laden.“ Natürlich schwingt da auch ein gewisser Stolz mit. Denn der viel jüngere Saturn-Markt im Ingolstädter Westpark kam in den vergangenen Jahren um einiges attraktiver daher. Neidisch sei er aber nie gewesen, sagt Bachesz. Er habe kompetente Mitarbeiter, deren gute Beratung die Kunden immer honoriert hätten. Auch den „Wohnzimmercharakter“ bei ihm hätten viele gemocht.

Einen Abschied wird es aber geben: Der separate Lampenladen „Media Licht“ wird als letzter in Deutschland mit dem Auszug seine Pforten für immer schließen. Das Geschäft sei einfach nicht mehr rentabel gewesen. Die Mitarbeiter würden aber alle im neuen Markt wieder einen Job finden, betont Bachesz.

Das Chefbüro im neuen Gebäude ist übrigens um einiges kleiner als das alte. Kein Problem, meint Bachesz. Nur auf eines habe er großen Wert gelegt: einen Teppich in Media-Markt-Rot. Und mit ein bisschen Glück taucht auch seine Kaffeemaschine dort wieder auf.