Ab 1. Juli übernimmt er für den japanischen Autokonzern Nissan das Kommando über dessen Luxusmarke Infiniti. Seinen Job übernimmt erst einmal US-Geschäftsführer Mark De Rosso.

Bei Audi wurde gestern auf Anfrage unserer Zeitung der Verlust bestätigt. Der gebürtige Südafrikaner habe den Vorstand über seinen Wechsel zur Konkurrenz „letzte Woche verständigt“. In einer E-Mail verabschiedete sich de Nysschen dann nach fast zwei Jahrzehnten in Diensten der VW-Tochter auch von seinen Mitarbeitern: „Das war eine erstaunliche und unglaublich erfüllende Reise, voller Herausforderungen und einer überwältigenden Leidenschaft für die Marke und vielen besonderen Leuten.“

Dass der 52-Jährige bei Nissan eine neue Herausforderung sucht, „hat uns schon überrascht“, gab ein Audi-Sprecher zu. Es sei seine eigene Entscheidung gewesen, das Unternehmen zu verlassen. Mit der großen Personalrochade im VW-Konzern habe de Nysschens Fortgang also nichts zu tun. Denn der 52-Jährige habe in den USA gute Aufbauarbeit geleistet, betonte der Sprecher.

Möglicherweise hat Nissan einfach viel Geld auf den Tisch gelegt. Immerhin haben die Japaner einiges vor: Infiniti soll vor allem den deutschen Premiumherstellern kräftig Marktanteile abjagen. Die Nissan-Edelmarke will ihre Verkäufe bis 2016 auf mehr als 500 000 Fahrzeuge mehr als verdreifachen. „Wir haben aufregende und ambitionierte Pläne zur Verbesserung der Marke Infiniti”, erklärte Nissan-Vorstand Andy Palmer. Vor allem im Boom-Markt China soll de Nysschen offenbar Infiniti kräftig nach vorne bringen. Während Audi dort im vergangenen Jahr rund 313 000 Autos verkaufte, kam die Nissan-Edelmarke auf gerade einmal 16 000 Fahrzeuge.

In den USA hat de Nysschen schon gezeigt, dass er ohne die dort üblichen Rabattschlachten mehr Absatz schaffen kann. Seit 2004 hat er die Audi-Verkäufe in Nordamerika auf zuletzt gut 117 500 Autos mehr als verdoppelt und Marktanteile hinzugewonnen. Dennoch ist sein Abschied für Audi – folgt man den offiziellen Verlautbarungen – kein Beinbruch. Das Unternehmen verweist auf seine US-Strategie bis 2020, deren Erfolg nicht allein von einem einzelnen Mann an der Spitze abhänge, sondern vom Engagement „der ganzen Mannschaft“. Deshalb „ist der Wechsel an der Spitze auch zu bewerkstelligen, ohne dass der Motor stottert“, beschwichtigte der Audi-Sprecher. Immerhin: In acht Jahren will die VW-Tochter in Nordamerika jährlich 200 000 Autos an den Mann bringen.