Raffinerie auf Sparflamme
Ingolstadt (DK) Interessenten vorhanden, aber kein Geld mehr für Rohölkäufe: Die Ingolstädter Raffinerie der insolventen Petroplus-Gruppe wird jetzt in einen „sicheren Warmhaltebetrieb“ versetzt. Dies teilte das Unternehmen gestern nach einer Betriebsversammlung mit. Alle Beschäftigten bleiben an Bord.

Der angeschlagene Schweizer Raffineriebetreiber Petroplus bereitet sich auf eine Insolvenz vor. Die sogenannte Nachlassstundung solle schnellsmöglich beantragt werden, teilte Petroplus mit.
Auf Nachfrage unserer Zeitung hieß es, dass es dem Unternehmen nicht gelungen sei, kurzfristig die Finanzierung weiterer Rohölkäufe über Banken, Kunden oder Lieferanten für den Betrieb sicherzustellen. Bislang waren die deutschen Petroplus-Gesellschaften bei der Finanzierung der Rohölbeschaffung, beim Risikomanagement und bei der IT von der ebenfalls insolventen Schweizer Muttergesellschaft abhängig. Die Serviceleistungen stehen daher für die Ingolstädter Gesellschaften und die anderen vier Raffinerien der Gruppe nicht mehr zur Verfügung, erklärte Raffinerie-Chef und Petroplus-Deutschland-Geschäftsführer Gerhard Fischer. Der Betrieb wird daher ab heute „in einen optimierten Standby-Betrieb versetzt“. Die Anlagen werden also warm gehalten, um bei Bedarf binnen weniger Tage wieder hochgefahren werden zu können.
Das bedeutet auch, dass die Fernwärmeversorgung Ingolstadts aus der Raffinerie weiter gewährleistet ist. Auch Kunden werden von Petroplus Bayern weiter beliefert, allerdings nur noch aus den Beständen heraus oder über Zukäufe. Die insgesamt rund 420 Beschäftigten der deutschen Petroplus-Gesellschaften erhalten derzeit bis Ende März Insolvenzgeld und sollen nach Möglichkeit auch über den 1. April hinaus weiter beschäftigt werden.
Wie es weiter hieß, läuft nun die Investorensuche auf Hochtouren. Es hätten sich „schon zahlreiche strategische wie auch Finanzinvestoren gemeldet“, teilten Geschäftsführer Fischer und Insolvenzverwalter Michael Jaffé mit. Bekannt ist bislang das Interesse des US-Investors Gary Klesch sowie der vom deutschen Finanzier Clemens Vedder geführten Goldsmith-Gruppe.
Inzwischen hat auch die amerikanische Gruppe Global Emerging Markets (GEM) Interesse an einem Einstieg bekundet. GEM will nach französischen Gewerkschaftsangaben mit Hilfe europäischer Banken und eines Ölkonzerns alle fünf Raffinerien des Unternehmens wiederbeleben. Für den Betrieb in Ingolstadt ist nach Informationen aus dem Umfeld aber auch denkbar, dass er künftig allein am Markt operiert.
Von Carsten Rost
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