Mittwoch, 30.05.2012 |

 

31.01.2012 22:12 Uhr | 2531x gelesen
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"Schwarzer Tag für Manching"


Ingolstadt (DK) Es ist ein schwerer Schlag für den Manchinger Flugzeugbauer Cassidian: Indien kauft keine Eurofighter, sondern französische Kampfflugzeuge vom Typ Rafale. Damit geht dem Unternehmen ein Auftrag von 7,6 Milliarden Euro durch die Lappen. Das wird langfristig vermutlich auch Folgen für den Standort Manching haben.


Mit 126 neuen Kampfflugzeugen soll die indische Luftwaffe ausgerüstet werden. Ein riesiger Auftrag, der auch in der Rüstungsindustrie Seltenheitswert hat. Bei der Ausschreibung der Regierung in Neu-Delhi waren zuletzt noch der Eurofighter und der Rafale des französischen Unternehmens Dassault Aviation SA im Rennen. Der Eurofighter wird unter anderem im Manchinger Werk der EADS-Rüstungssparte Cassidian gebaut.

Gestern nun verkündete der französische Staatssekretär Pierre Lellouche in Paris: „Wir haben den Vertrag gewonnen.“ In indischen Medienberichten hieß es, die Franzosen hätten ein günstigeres Angebot gemacht. Allerdings müssen offenbar noch Details des Auftrags geklärt werden. Bis zu einem endgültigen Vertragsabschluss könne noch ein halbes Jahr vergehen, hieß es.

Die Stimmung von Cassidian-Betriebsratschef Thomas Pretzl war gestern Abend alles andere als gut, als unsere Zeitung ihn am Handy erreichte: „Es ist ein schwarzer Tag für Manching“, sagte er. „Wir sehen unsicheren Zeiten entgegen.“ Die Mitarbeiter hatten auf den Auftrag gehofft. Und: „Es hat gut ausgeschaut.“ Nach Pretzls Meinung ging der Zuschlag vor allem wegen des erheblichen Engagements der französischen Regierung nach Frankreich. Qualitativ sei der Eurofighter das bessere Flugzeug. „Und das sage ich nicht, weil ich da arbeite“, sagte Pretzl. „Es ist einfach später auf den Markt gekommen und deshalb moderner.“

Kurzfristig habe der Verlust des Auftrags keine Folgen. Bis 2017 ist das Manchinger Flugzeugwerk noch mit dem Bau der Eurofighter für die Bundeswehr ausgelastet. „Es wäre übertrieben, wenn wir sagen würden, wir sperren wegen Indien morgen zu“, so Pretzl. Aber wenn man fünf bis zehn Jahre in die Zukunft schaue, sei die Lage schon schwierig. Schließlich gebe es noch andere Baustellen: Die Entscheidung des Verteidigungsministeriums über das Drohnen-Projekt Talarion stehe noch aus. Ungewiss sei auch, ob die Wartung des neuen Militär-Transportflugzeugs A 400 M nach Manching komme. „Der Indien-Auftrag wäre ein langfristiges Geschäft geworden.“

Ganz ähnlich sieht das auch Bernhard Stiedl, der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für die EADS Deutschland. „Das ist eine herbe Enttäuschung“, kommentierte er gegenüber unserer Zeitung die Auftragsvergabe der indischen Regierung an Dassault. Aber bei solchen Aufträgen gehe es nicht unbedingt nach Preis und Qualität, so Stiedl. Entscheidend sei oft die politische Unterstützung. Zwar hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Indien für den Eurofighter geworben. Aber offenbar gibt es doch Unterschiede: „Sarkozy tritt da sehr aggressiv auf“, sagte Stiedl.

Der Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Man habe das momentan modernste Kampfflugzeug angeboten, werde die indische Entscheidung aber respektieren, sagte ein Sprecher in München. Seite 2

 


Von Johannes Greinerund Sebastian Peterhans

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Kommentare

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FrageAntwort von   achtungbaby | 03.02.2012 17:11 Diesen Kommentar melden
Indien

Indien hatte letztes Jahr 220 Milliarden US$ Staatsverschuldung. Die Entwicklungshilfe, die von der BRD da hingeschoben wird, beträgt seit Jahren einen hohen zweistelligen Millionenbetrag (in Euro). Die Kindersterblichkeit ist mit die höchste der Welt in diesem Land.
Irgendwie kommt man da doch sehr ans Nachdenken, was hier falsch läuft....

Link: _



FrageAntwort von   strayheart | 01.02.2012 13:50 Diesen Kommentar melden
Licht und Schatten

Jeder Tag, an dem kein weiteres Kriegsgerät gekauft und benutzt wird ist ein guter Tag - auch für Manching.
Denkt mal drüber nach ...


 

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