Ingolstadt: Auf das Betriebsklima kommt es an
Geballte Frauenpower: Emilia Lewicka, Katharina Dirr und Ivana Krizanac (v.l.) sind als weibliche Angestellte bei Gebrüder Peters zwar in der Unterzahl – gefallen lassen sie sich von den Männern aber nichts. - Foto: Obster
Ingolstadt
Die Quote sieht Peters dabei auch als Instrument, um Hemmschwellen bei den Frauen selbst abzubauen: „Damit entwickeln sie leichter den Wunsch, vorne zu stehen.“

Das Ingolstädter Familienunternehmen hat kürzlich den Titel „Regional-SIEgER Oberbayern 2012“ verliehen bekommen. Mit dem Preis zeichnet die bayerische Staatsregierung Unternehmen aus, die sich in besonderem Maße für die Chancengerechtigkeit von Frauen und Männern im Erwerbsleben einsetzen. „Gerade in einer vermeintlich klassischen Männerdomäne wie der Gebäudetechnik ist es leider nicht selbstverständlich, dass Mädchen aktiv angesprochen und angeworben werden“, hieß es in der Begründung der Jury. Zudem würde das Unternehmen nicht nur Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung durch Weiterbildung fördern, sondern auch ihr Selbstwertgefühl stärken. Mehr als 40 Unternehmen haben sich für den Preis beworben. Am heutigen Montag wird aus allen regionalen Gewinnern der Bayern-SIEgER gekürt.

Doch was bedeutet der Begriff Chancengerechtigkeit nun bei Gebrüder Peters? Veronika Peters will das nicht unbedingt an den gebotenen Rahmenbedingungen festmachen. Zum Beispiel die Möglichkeit von Frauen und Männern, in Elternzeit zu gehen, der Kindergartenzuschuss von bis zu 150 Euro im Monat, Baby-, Hochzeits- und Geburtstagsprämien, Geld für Hinterbliebene im Todesfall oder berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten sowie vieles mehr.

Viel wichtiger findet sie es, dass sich in einem Unternehmen jeder wohlfühlt – egal ob Frau oder Mann, Deutscher oder Migrant, Mitarbeiter auf der Baustelle oder im Büro. Und dafür setzt sich die Chefin bei ihrer täglichen Arbeit aktiv ein. Zum Beispiel spielt Solidarität in der Firma eine große Rolle. „Die Belegschaft muss zusammenhalten“, ist Peters fest überzeugt. „Es muss allen bewusst sein, dass sie im gleichen Boot sitzen und dass, wenn einer ein Loch bohrt, alle untergehen.“ Dies setzt einen wertschätzenden Umgang miteinander voraus – der übrigens sogar in der betrieblichen Arbeitsordnung verankert sei. Zudem wird Wert auf Vielfalt in der Belegschaft gelegt. „Bei uns gibt es auch eine ,Migratenquote’“, sagt Peters. „Optimal ist es immer, wenn die Firma die Welt draußen abbildet.“ Mehr Frauen in ihrem Betrieb wären ihr deshalb schon recht. „Aber das können wir in unserer Branche nicht erzwingen.“

Nur zehn Prozent der 430 Mitarbeiter sind nämlich weiblich. Deshalb kämpft Veronika Peters täglich dafür, das Selbstbewusstsein und die Durchsetzungskraft ihrer Frauen im Team zu fördern. Das fängt ihr zufolge schon im Kleinen an: „Auch ein bayerischer Macho, der gerade von der Baustelle kommt, darf der Verwaltungsdame nicht einfach den Autoschlüssel mit den Worten ,Tank doch mal’ auf den Tisch werfen.“ Darauf gibt die Chefin schon acht – und ermuntert die Frauen, sich entsprechend zu wehren. „Wir sind schon ein temperamentvolles Team“, bestätigt auch Katharina Dirr, die Assistentin der Geschäftsleitung ist, und sich das Büro mit zwei weiteren jungen Kolleginnen teilt. „Wir sind aktiv und kreativ, aber auch ein bisschen frech“, erklärt sie lachend.

Chancengerechtigkeit habe laut Veronika Peters aber auch etwas mit sozialer Einstellung zu tun. Kommunikation sei Peters zufolge das A und O in der Unternehmenskultur. „Wer etwas auf dem Herzen hat, kann es hier offen ansprechen. Dann finden wir eine Lösung.“ Diese kann bei Gebrüder Peters direkt auf den Einzelfall zugeschnitten werden – ob es sich nun um Teil- oder Gleitzeitmodelle, familienbedingte Auszeiten, um Befreiungen oder Wiedereingliederung handelt. Von dieser Firmenphilosophie ließen sich auch die SIEgER-Juroren beeindrucken. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 12,5 Jahren zeige außerdem, dass sich die Mitarbeiter in ihrem Betrieb sehr wohl fühlen.