Ingolstadt: "Öffentlichen Nahverkehr massiv ausbauen"
Frau am Steuer: Sandra Schnarrenberger aus Neu-Ulm ist seit einem Jahr die Präsidentin des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO). Neben ihr sitzt Horst Schilling, geschäftsführendes Präsidialmitglied beim LBO. - Foto: Belzer
Ingolstadt

Frau Schnarrenberger, wann kann ich mit meinem Handy im Bus bezahlen?

Sandra Schnarrenberger: Schon bald. In Ingolstadt war das schon für diesen Sommer angedacht, es ist an ein paar technischen Schwierigkeiten gescheitert, aber das kommt mit Sicherheit. Es gibt das Handyticket Deutschland schon seit Jahren, das Bezahlen damit ist an vielen Orten möglich. Wichtig dabei für uns ist nur, dass die Gelder auch bei den Unternehmern ankommen und nicht irgendwo auf dem Weg verloren gehen. Das Angebot kostet aber auch etwas - und da ist häufig die Frage: Wer trägt die Kosten?

 

Der Kunde oder der Busunternehmer?

Schnarrenberger: In Neu-Ulm, wo ich herkomme, trägt die Politik die Kosten, weil sie sagt, dass sie eine Verantwortung für den Verkehr hat. Wann das bargeldlose Bezahlen per Handy flächendeckend eingeführt sein wird, das kann man nicht sagen. Das hängt von den Beteiligten ab, aber technisch möglich wäre es schon jetzt.

 

Es scheitert also am Willen der Politik?

Schnarrenberger: Das würde ich so nicht sagen. Die Hemmschwelle für die Politik ist, dass nicht alle Menschen smartphone-affin sind. Ein Handyticket nutzt nicht jeder, deswegen ist das politisch umstritten.

 

Wie sehr lastet der Druck von einem Unternehmen wie Flixbus auf der Branche?

Schnarrenberger: Flixbus ist für die Omnibusunternehmer manchmal ein schwieriger Verhandlungspartner, die Branche ist davon aber nicht gleichmäßig betroffen.

Horst Schilling: Selbstverständlich nimmt Flixbus den privaten Unternehmen Kunden im Fernverkehr ab. Aber das ist ein ganz normaler Wettbewerb. Unsere Unternehmen bieten Reise- und Ausflugsverkehr an. Flixbus bietet etwas an, das bis vor ein paar Jahren nicht da war: einen internationalen und nationalen Linien-Fernverkehr. Da sagen schon manche Menschen: ,Wir fahren jetzt nicht mehr mit unserem ortsansässigen Busunternehmen.' Jeder Unternehmer muss die Marktlücke finden, die für ihn richtig ist. In Bayern haben wir 1100 private Busunternehmen, 40 davon fahren für Flixbus. In diesem Sinne ist Flixbus auch ein Partner des Omnibusgewerbes, so wie die Bahn oder große kommunale Unternehmen.

 

Wie schwer ist es für die Branche, Nachwuchs zu finden?

Schnarrenberger: Ganz schwierig. Wir leiden wie alle anderen Branchen auch unter Fachkräftemangel, bei uns ist er massiv. Viele haben früher den Busführerschein bei der Bundeswehr gemacht, das ist weggefallen. Wenn junge Leute heute eine Ausbildung beginnen, dann sind sie oft noch lange nicht 18 Jahre alt. Viele Unternehmen behelfen sich mit Fahrern aus Osteuropa, wo es leichter und günstiger ist, den Führerschein zu machen.

 

Wie lösen Sie das Problem?

Schilling: Es gibt seit Jahren eine Kampagne, die nennt sich ,Beweg was, werde Busfahrer'. Wir fordern auch, dass der Führerschein mit 17 Jahren gemacht werden kann.

 

Es ist aber eine große Verantwortung, einen Bus zu lenken.

Schilling: Natürlich, aber wir haben eine tolle Ausbildung, die deutlich teurer geworden ist und sehr lange dauert. Und die jungen Leute sind heute ja auch viel weiter. Für den verantwortungsbewussten Busfahrer, der jünger als 21 Jahre alt ist, sehe ich da kein Problem. Es fällt auch in der Ausbildung auf, ob einer geeignet ist oder nicht.

 

Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Was wünschen Sie sich von der Politik?

Schnarrenberger: Vieles. Wir wünschen uns endlich die entsprechende Aufmerksamkeit für den Verkehr. Die Innenstädte werden die Problematik der Mobilität nur noch lösen, wenn sie den öffentlichen Nahverkehr massiv ausbauen. Zukünftige Verkehrspolitik muss auf Augenhöhe mit den mittelständischen Unternehmen erfolgen, die Bayern auch in schwierigen Zeiten zu einem krisensicheren Land gemacht haben. Wir wollen keine Maut und bitte nicht noch mehr Bürokratie.

Schilling: Wir haben in Bayern eine besondere Situation. Die privaten Unternehmen fahren ungefähr 70 Prozent des gesamten Nahverkehrs. Die Politik hat nun einen Mobilitätsfonds angekündigt, angeblich eine Milliarde Euro. Das ist ein wichtiger Schritt, wir brauchen aber auch für den ländlichen Raum entsprechende Pakete. Die Anforderungen sind hoch, jeder schreit nach Elektromobilität. Ein E-Bus kostet in der Anschaffung aber doppelt so viel wie ein Diesel-Bus. Trotzdem überhören wir die Signale nicht. Berlin hat erkannt, dass der Nahverkehr gestärkt werden muss. Das ist gut so. Wir wollen aber, dass auch der private Unternehmer und nicht nur die kommunalen Betriebe in den Genuss dieses Geldsegens kommen.

 

Die Fragen stellte

Verena Belzer.