Ingolstadt: Große Welt der kleinen Kryptowährungen
Die virtuelle Währung Litecoin ist bei Transaktionen wesentlich schneller als das behäbige Bitcoin-System. - Foto: Thinkstock
Ingolstadt

Inzwischen wollen schon einzelne Staaten eigene Kryptowährungen herausgeben. Japan plant, bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio den J-Coin auf den Markt zu bringen. Und das digitale EU-Vorreiterland Estland prüft die Entwicklung des Estcoins. "Unsere Bürger können fast alle Interaktionen mit Regierungsstellen inklusive des Wählens sicher online machen und können ihre Geschäfte abwickeln, ohne je einen Fuß in eine Behörde gesetzt zu haben", sagte Präsidentin Kersti Kaljulaid jüngst in einem Zeitungsartikel. Da erscheint es nur logisch, eine eigene virtuelle Währung zu entwickeln.

 

  • Freie und nicht von Staaten kontrollierte Währung: Allerdings widerspricht das eigentlich dem Geist der Kryptowährungen. Der Bitcoin als Vorreiter wurde einst von Programmierern geschaffen, um ein freies und nicht von Staaten kontrolliertes Geld zu entwickeln. Aus dieser vor neun Jahren erstmals geäußerten Idee ist inzwischen ein riesiger Kosmos von über 1000 Kryptowährungen entstanden, die alle auf der Blockchain-Technologie basieren. Bitcoin und Ethereum teilen sich etwa 100 Milliarden US-Dollar der derzeitigen Marktkapitalisierung, die restlichen etwa 50 Milliarden Dollar entfallen auf den Rest. Darunter ist mit Bitcoin Cash als der Nummer vier (Stand 1. Oktober) noch ein Abkömmling von Bitcoin entstanden. Welche der kleineren Kryptowährungen haben also künftig die größte Chance auf einen Bedeutungs- und damit Wertzuwachs? Nummer drei in Sachen Marktkapitalisierung ist Ripple mit der dazugehörigen Währung XRP. Doch der Kryptowährungs-Experte Philipp Sandner, Professor am Frankfurt School Blockchain Center, hat andere Favoriten. "Ich finde zum Beispiel das Konzept von TenX sehr interessant. Das ist quasi die Kreditkarte für die Kryptowährungswelt und könnte das Bezahlen mit virtuellen Währungen künftig erleichtern."
 
  • TenX - Kreditkarte für Kryptowährung: TenX ist ein Start-up-Unternehmen aus Singapur, das es ermöglicht, mit gängigen Kryptowährungen über eine dazugehörige weltweite Kreditkarte zu bezahlen. Dank einer Partnerschaft mit den Kreditkarten-Unternehmen Visa und Mastercard, kann man bei 36 Millionen Akzeptanzstellen weltweit mit Kryptowährungen bezahlen. So werden virtuelle und klassische Welt verbunden. TenX liegt in Sachen Marktkapitalisierung mit 271 Millionen US-Dollar (Stand 1. Oktober) nur auf Platz 23 der aktuellen Liste. Auf Rang fünf befindet sich Litecoin, das neuerdings auch bei prominenten Bitcoin-Börsen wie coinbase.com gehandelt wird.
 
  • Leichter bezahlen mit Litecoin: Die virtuelle Währung Litecoin will - wie der Name schon sagt - die Bezahlung leichter machen und ist bei den Transaktionen auch wesentlich schneller als das doch eher behäbige Bitcoin-System. Allerdings gibt es genau wie bei der Kryptowährung Dash bisher kaum Akzeptanzstellen. Interessanter findet Sandner da schon Kryptowährungen wie IOTA (Nummer 8), NEO (Nummer 9) und OmiseGo (Nummer 12) wegen ihrer Zusatzfunktionen. "Inhaltlich faszinierend" seien Basic Attention Token (28) und Golem (34). Wer sich von all den Kryptowährungen allerdings durchsetzen kann, ist im Moment völlig offen. Neben sinnvollen Funktionen hängt das unter anderem von einem guten Marketing ab. Nicht zu unterschätzen ist allerdings auch der derzeitige Hype, der möglicherweise zu überhöhten Preisen führt. Das Risiko ist gerade wegen der bisher geringen Zahl von Marktteilnehmern bei den "kleineren" Kryptowährungen noch viel höher als beim wichtigsten Internet-Taler Bitcoin.

Favorit unter den Kryptowährungen ist für Experte Philipp Sandner derzeit ohnehin die Nummer zwei Ethereum. Wer in Kryptowährungen investieren will, sollte in jedem Fall diversifizieren. Und unbedingt darauf gefasst sein, dass neben märchenhaften Gewinnen auch ein Totalverlust möglich ist.