So gaben bei einer Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2011 63 Prozent der befragten Unternehmer an, dass ihre Kinder andere berufliche Interessen verfolgen. Nicht immer gibt es auch einen geeigneten Mitarbeiter, der einsteigen oder kaufen will. Und bisweilen finden Unternehmer keinen Nachfolger, weil ihr Anspruch zu hoch ist. Zu lange warten dürfe man mit den Planungen daher nicht, betonten Experten der HypoVereinsbank gestern bei einem Gespräch in Ingolstadt. Ihr Tipp: Mit etwa 50 Jahren sollte man sich die ersten Gedanken machen, die ersten Gespräche führen - selbst wenn das Unternehmen innerhalb der Familie übergeben wird. "Schließlich geht es darum, das Lebenswerk zu sichern und das erarbeitete Vermögen zu erhalten", betonte Günther Zimmermann, Leiter des Bereichs Private Banking für das Team Regensburg/Ingolstadt.

Die Nachfolgeplanung werde - auch getrieben durch die demografische Entwicklung - zu einem immer bedeutenderen Thema, so Zimmermann. Etwa 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland befinden sich in Familienbesitz. Laut einer Hochrechnung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn sind damit rund zwei Millionen Arbeitsplätze verbunden.

Allein in Bayern liegt die Zahl der bis 2018 zur Übergabe anstehenden Unternehmen bei etwa 23 900, sagte Florian Behm, Teamleiter des Firmenkundengeschäfts Oberbayern Nord bei der HVB. Rund 360 000 Arbeitsplätze seien davon betroffen. In Ingolstadt sowie den Landkreisen Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen steht bis zum Jahr 2025 bei rund 800 Firmen eine Unternehmensnachfolge an, prognostiziert die HVB. Die Zahl der damit in Verbindung stehenden Stellen liege bei etwa 50 000.

Dennoch drohen der Region Ingolstadt nicht, die Unternehmen auszugehen: Der Wirtschaftsraum besitze eine solche Strahlkraft, dass dem Mangel an familieninternen Bewerbern entgegengewirkt werden könne. "Die Region steht auf der Sonnenseite", sagte Rainer Ehbauer, Leiter des HVB-Firmenkundengeschäfts Ostbayern. Allerdings sei es nicht immer ganz einfach, in den Gesprächen das Thema Nachfolge anzusprechen, geben die Experten zu - "es ist ein sehr emotionales Thema, und viele Unternehmer fühlen sich mit Anfang 50 noch zu jung, um darüber nachzudenken." Doch es sei wichtig, Tabus zu brechen, und das Thema auch im Familien- und Freundeskreis zu diskutieren, sagte Ehbauer. Denn bei einer ungeklärten Nachfolgesituation drohe ein Investitionsstau bis hin zum Substanzverlust oder gar der Schließung.

"Auf jeden Fall bemerken wir eine zunehmende Nachfrage über alle Branchen hinweg", sagte Ehbauer. "Und immer häufiger wollen Kunden auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und gründen eine Stiftung", sagte Zimmermann. "Bereits in rund sechs Prozent der Erbfälle ist der potenzielle Erbe eine gemeinnützige Organisation."