Der Aufsichtsrat berief gestern bei einer außerordentlichen Sitzung den Branchenexperten Franz-Josef Paefgen (71) zum neuen Vorsitzenden. Er folgt Giorgio Behr, der sein Amt zum Ende des Jahres niederlegen will. Paefgen gehört dem Kontrollgremium nach ZF-Angaben bereits seit 2008 an.

Der promovierte Maschinenbauer Paefgen arbeitete zunächst für Ford in Köln, ging dann zu Audi nach Neckarsulm und bekleidete ab 1987 bei der VW-Tochter in Ingolstadt verschiedene Führungspositionen. Von 1995 bis 1997 war er im Audi-Vorstand für die Technische Entwicklung zuständig. Mitte 1997 löste er Herbert Demel an der Spitze des Vorstands ab. Diesen Chefposten bekleidete er bis Februar 2002, danach wechselte er an die Spitze der britischen VW-Tochter Bentley und übernahm ab 2003 auch die Leitung von Bugatti. Im Jahr 2011 ging Paefgen offiziell in den Ruhestand.

"Es ist wichtig, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und wir uns auf das Geschäft und den anstehenden Transformationsprozess in der Automobilindustrie konzentrieren", sagte Paefgen laut einer Mitteilung. ZF habe in den vergangenen Jahren die Herausforderungen der Automobilindustrie mit einer Langfriststrategie erfolgreich angenommen. Dieser Kurs solle fortgesetzt werden.

Ein Machtkampf sorgt bei dem Autozulieferer aus Friedrichshafen seit Langem für Unruhe. Hintergrund sind Medienberichten zufolge Differenzen mit der Stadt Friedrichshafen, deren Oberbürgermeister Andreas Brand (parteilos) die Zeppelin-Stiftung als ZF-Haupteigentümerin im Aufsichtsrat vertritt.

Dem Vernehmen nach geht es unter anderem um die Ausrichtung des Unternehmens: Vorstandschef Stefan Sommer hatte bei ZF in der Vergangenheit eine deutliche Expansionsstrategie vorangetrieben. 2015 übernahm ZF beispielsweise den US-Konkurrenten TRW. Der Konzern hatte dadurch seine Produktpalette unter anderem um Elektronik, Sicherheitstechnik und Sensorik erweitert. Teilen des Aufsichtsrats gehen die Zukäufe aber wohl zu schnell. Nach einem früheren Bericht des "Wall Street Journal" hatte sich das Gremium etwa gegen Pläne des Vorstands für eine Übernahme des belgischen Wabco-Konzerns ausgesprochen.

Nach dem Willen der Stiftung soll das Unternehmen zudem künftig 18 Prozent seines Gewinns nach Steuern an sie abführen. Zum Vergleich: Andere Stiftungsunternehmen wie Mahle oder Bosch haben eine Ausschüttungsquote von weniger als 10 Prozent.