Mittwoch, 30.05.2012 |

 

03.02.2012 19:24 Uhr | 103x gelesen
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Nichts geht mehr bei Malev


Budapest (DK) Nach 66 Jahren geht bei der nationalen ungarischen Luftfahrtgesellschaft Malev nichts mehr. Die Flugzeuge blieben am Freitag am Boden. Das Unternehmen kämpft bereits seit Jahren mit finanziellen Problemen.


Die seit Jahren angeschlagene ungarische Fluggesellschaft Malev hat ihren Betrieb eingestellt. Die Maschinen bleiben seit Freitag am Boden, teilte das staatliche Unternehmen in Budapest mit. Die wirtschaftliche Lage sei „unhaltbar“ geworden, begründete Malev-Generaldirektor Lorant Limburger die Entscheidung. Zunächst war nicht klar, wann das Unternehmen formell Insolvenz anmelden würde. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban erklärte im Rundfunk, seine Regierung strebe einen Neustart der Airline an, ging aber auf Einzelheiten nicht ein. Seine rechts-konservative Regierung hatte bereits am vergangenen Montag Konkursschutz über die Malev verhängt.

Meldungen über die drohende Insolvenz hätten die Liquiditätsschwierigkeiten der Malev verschärft, erklärte Limburger. Lieferanten hätten „von einem Tag auf den anderen“ auf Vorauszahlungen bestanden. Die Direktion der Ende März 1946 als ungarisch-sowjetisches Gemeinschaftsunternehmen Maszovlet gegründeten Gesellschaft habe daher entschieden, den Betrieb einzustellen. „In diesem Sinne steigen seit dem 3. Februar, 6 Uhr, nach 66-jährigem fortwährenden Betrieb, keine Malev-Flugzeuge mehr auf“, heißt es in der Stellungnahme der Gesellschaft.

Auf dem Budapester Flughafen Ferihegy bildeten sich vor den Informationsschaltern lange Schlangen. Viele Passagiere versuchten, ihre Flüge umzubuchen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur MTI verhielten sich die mehr als 7000 Wartenden ruhig und gefasst. Andere Fluggesellschaften boten Plätze auf ihren Budapest-Flügen an. Der regionale Billigflieger Wizzair schickte fünf statt – wie im Flugplan eigentlich vorgesehen – drei Flugzeuge nach Budapest.

Nach Informationen des Internetportals „index“ hätte die Malev am Freitag eine Reiseticketversicherung im Wert von 30 Mio. 1 abschließen müssen. Dieses Geld habe aber nicht mehr zur Verfügung gestanden. Die ungarische Regierung hatte bereits am Dienstag einen Fonds im Wert von zwei Mio. Forint (6,8 Mio. 1) für die Entschädigung gestrandeter Malev-Passagiere eingerichtet.

Der ungarische Ministerpräsident Orban erklärte zu den Problemen bei Malev: „Ein Neustart ist möglich, wenn wir uns einigen können.“ Einzelheiten nannte er allerdings nicht. „Zu einer Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts gehört eine gut funktionierende, nationale Fluggesellschaft“, sagte er lediglich. Für die Malev würden allerdings „die Investoren nicht Schlange stehen“.

Kritisch wurde die Lage für Malev Anfang des Jahres. Die EU-Kommission hatte entschieden, dass der ungarische Staat mehrere Mio. 1 zurückzahlen muss, die von 2007 bis 2010 zur Unterstützung des Unternehmens geflossen waren. Seit dem Brüsseler Entscheid stellte die Regierung jegliche Hilfe an die Malev ein.

Die Airline beschäftigt insgesamt 2600 Mitarbeiter. Sie transportiert jährlich rund drei Millionen Passagiere. In Deutschland flog sie Frankfurt, Berlin, Hamburg und Stuttgart an. Nach der demokratischen Wende vor 22 Jahren wurde sie zweimal privatisiert und wieder rückverstaatlicht. Sie sorgt für rund 40 Prozent des Verkehrsaufkommens am Flughafen Ferihegy, der vom deutschen Hochtief-Konzern betrieben wird. Zuletzt hatte die Malev Schulden in Höhe von 74,6 Mrd. Forint angehäuft.

Die EU-Kommission pocht darauf, dass die Malev die Fluggäste restlos entschädigt. „Wir gehen davon aus, dass die Airline das EU-Recht einhält“, sagte die Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel. „Tickets müssen zurückgezahlt werden.“ Informationen zu Fluggastrechten im Internet unter: http:'ec.europa.eu/transport/passenger-rights/de




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