Mittwoch, 30.05.2012 |

 

01.02.2012 21:05 Uhr | 10x gelesen
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Brüssel untersagt Börsenfusion


Brüssel/Frankfurt (DK) Die transatlantische Megafusion zur größten Börse der Welt ist endgültig geplatzt: Die EU-Wettbewerbshüter untersagten der Deutschen Börse gestern den geplanten Zusammenschluss mit dem US-Unternehmen NYSE Euronext.


Zu dem Verbot sei er gezwungen, um ein Quasi-Monopol im globalen Markt für Termingeschäfte und damit eine erhebliche Schädigung der europäischen Wirtschaft zu verhindern, begründete EU-Kommissar Joaquín Almunia die Entscheidung. Für die Deutsche Börse ist das Nein eine weitere herbe Schlappe in ihrem Expansionsbestreben. Über einen „schwarzen Tag für Europa“ klagte der Vorstand. Anders sahen das die Anleger: Der Kurs des DAX-Unternehmens legte nach der Nachricht aus Brüssel zu. Auch die Arbeitnehmer der Deutschen Börse reagierten erleichtert.

NYSE Euronext erklärte, es werde nun über die Auflösung der Fusionsvereinbarung diskutiert – ein klares Signal, dass man in New York nicht mehr auf eine Revision der Kommissionsentscheidung durch den Europäischen Gerichtshof hofft. „Es ist jetzt Zeit, nach vorne zu blicken“, sagte NYSE-Euronext-Vorstand Jan-Michiel Hessels.

Bei einem Zusammenschluss der beiden führenden Börsenbetreiber hätten diese mehr als 90 Prozent des börsengebundenen Derivatehandels mit europäischen Werten kontrolliert, sagte Almunia. Als Derivate werden Finanzinstrumente bezeichnet, deren Preise sich an den Wertschwankungen anderer Anlageobjekte oder Preiserwartungen orientieren. Das können etwa Zertifikate, Optionen oder Swaps sein. Mit Derivaten können Anleger spekulieren oder sich gegen Kursverluste absichern.

Die Tochterfirmen Eurex (Deutsche Börse) und Liffe (NYSE Euronext) teilen sich den Derivatemarkt derzeit auf. Das sehr lukrative Geschäft bilde „den Kern des Finanzsystems“, sagte der EU-Kommissar. Die Fusion hätte den Wettbewerb ausgeschaltet und den Einstieg neuer Konkurrenten blockiert.

Das Aus für den Deal mit einem Umfang von rund zehn Mrd. Dollar ist ein Dämpfer für beide Unternehmen: Sie wollten sich durch die Fusion auch besser gegen große Konkurrenten in den USA und Asien wappnen. Allerdings nicht um jeden Preis. Die Auflagen Almunias, die Trennung vom Derivate-Geschäft, lehnten sie ab.

„Die Deutsche Börse ist gut gerüstet und hat genügend Kraft, um auch ohne die Fusion weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein“, sagte Vorstandschef Reto Francioni. Gleichwohl machte er seinem Ärger über Brüssel Luft: Mit dem Nein „wird die Schaffung einer in Europa beheimateten und global führenden Börsengruppe verhindert“.

Die Arbeitnehmer der Deutschen Börse, die sich gegen die Fusion gestemmt hatten, atmeten auf. Sie sei „froh, dass dieses Megaprojekt gescheitert ist“, sagte Betriebsratschefin Irmgard Busch. Das Vorhaben hätte enorme Risiken für die Mitarbeiter in Deutschland mit sich gebracht.

Für die Deutsche Börse ist es nicht die erste Niederlage beim Versuch, durch die Übernahme eines Konkurrenten zu wachsen. Sie hatte sich bereits zweimal dabei verhoben, die prestigeträchtige London Stock Exchange zu kaufen. Außerdem ging die Übernahme der europäischen Vierländerbörse Euronext schief.




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