Wenige Monate nach der Übernahme durch einen chinesischen Investor will der Leuchtmittelhersteller Ledvance mehr als die Hälfte seiner Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Wie das Unternehmen gestern bestätigte, sollen die zwei ehemaligen Osram-Werke in Augsburg und Berlin geschlossen werden. An anderen Standorten ist in den kommenden Jahren ebenfalls ein deutlicher Personalabbau geplant. Insgesamt sollen nach den Angaben des Unternehmens rund 1300 von etwa 2300 Mitarbeitern gehen. Bereits am Wochenende waren die Schließungspläne bekannt geworden.

Der Betriebsrat und die IG Metall kritisierten das Vorgehen massiv. Es sei ein "bodenloses Verhalten gegenüber den Mitarbeitern", sagte Angela Steinecker, die Unternehmensbeauftragte der Gewerkschaft. Die Mitarbeiterversammlung in Augsburg, mit etwa 700 Beschäftigten der größte betroffene Standort, habe gerade mal eine Viertelstunde gedauert.

Perspektiven seien den Mitarbeitern dabei nicht aufgezeigt worden, sagte Steinecker weiter. So habe es keine Angaben zu einer Auffanggesellschaft gegeben. "Die Mitarbeiter haben etwas Besseres verdient." Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Augsburg, Michael Leppek, sprach von einem "sehr schwarzen Tag". Das Verhalten der Ledvance-Geschäftsleitung sei "ein neuer Tiefpunkt im Umgang mit Mitarbeitern".

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will für die Interessen der Mitarbeiter aktiv werden: "Ich kann den Betroffenen schon jetzt versichern, dass wir uns für ihre Belange einsetzen." Allerdings sei es noch zu früh, schon über konkrete Maßnahmen zu sprechen. "Ich bin mit der Geschäftsleitung von Ledvance in Kontakt", sagte Aigner.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem Trend zu modernen LED-Leuchtmitteln. Die heimischen Ledvance-Werke sind davon besonders betroffen, weil dort noch herkömmliche Leuchten wie Leuchtstoffröhren produziert werden. Es werde mit einem Rückgang des Marktvolumens im traditionellen Geschäft von nahezu 90 Prozent bis zum Jahr 2025 gerechnet, erklärte Ledvance dazu.

In Augsburg soll bis Ende 2018 das eigentliche Werk und etwas später auch eine spezielle Maschinenbauabteilung schließen. In Berlin sind rund 200 Mitarbeiter betroffen. Die beiden Standorte in Eichstätt und Wipperfürth sollen zwar bleiben, dort werden aber insgesamt 300 Jobs wegfallen, überwiegend in Eichstätt. Am Unternehmenssitz in Garching bei München sollen weitere 100 Mitarbeiter gehen.

Bei der Betriebsversammlung in Augsburg sei es gestern totenstill gewesen, sagte Willi Sattler, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats. "Ich bin mir vorgekommen wie auf einer Beerdigung." Die Mitarbeiter seien teilweise seit 20 bis 30 Jahren bei dem Unternehmen. Sie seien "traumatisiert" und könnten das Aus nicht verstehen. Ein 49-jähriger Angestellter meinte nur: "Jetzt sehen wir, was wir nach jahrelanger Arbeit wert sind." Die Augsburger Fabrik wurde 1906 als Glühlampenproduktion gegründet, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Standort von Osram übernommen.

Bei den Beschäftigten von Ledvance in Eichstätt überwogen trotz des grundsätzlichen Erhalts des Werks die Zweifel, ob der Standort auch langfristig gesichert werden kann. Zwar war auf der Betriebsversammlung von einem "Zukunftskonzept" die Rede, doch Details wurden den Beschäftigten nicht genannt. Ein Mitarbeiter, der seit 23 Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt ist, meinte, was neue Technologien angehe, "sind wir zu spät dran". In Eichstätt werden bis jetzt vor allem Halogenlampen hergestellt. Seit 2014 gibt es dort auch eine Fertigung für LED-Leuchtmittel. Gegen die asiatische Konkurrenz in dem von einem chinesischen Investorenkonsortium von Osram übernommenen Unternehmen werde man dennoch einen schweren Stand haben, befürchten Mitarbeiter.

Ledvance ist als Anbieter von Allgemeinbeleuchtung für professionelle Kunden und Endverbraucher mit rund 9000 Mitarbeitern weltweit in mehr als 120 Ländern aktiv. Das Unternehmen erzielte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro. Die Firma darf einer Vereinbarung mit dem früheren Mutterkonzern Osram zufolge weiterhin den Markennamen Osram für seine Produkte verwenden.

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