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23.12.2016 21:27 Uhr | x gelesen
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Audi-Chef Rupert Stadler über...


Bild: Audi-Chef Rupert Stadler über....  Seit zehn Jahren ist Rupert Stadler jetzt Chef des Ingolstädter Autobauers Audi. Die vergangenen Monate beschäftigte ihn vor allem ein Thema: der Abgas-Skandal. Wir haben den Manager getroffen, um Bilanz zu ziehen - und vorauszublicken.

Seit zehn Jahren ist Rupert Stadler jetzt Chef des Ingolstädter Autobauers Audi. Die vergangenen Monate beschäftigte ihn vor allem ein Thema: der Abgas-Skandal. Wir haben den Manager getroffen, um Bilanz zu ziehen - und vorauszublicken.


Seit: Audi-Chef Rupert Stadler über...
Foto: DK

. . . die langwierige Einigung mit den US-amerikanischen Behörden bei den vom Abgas-Skandal betroffenen Drei-Liter-Motoren:

 

Ich bin glücklich, dass wir noch vor Weihnachten eine gute Lösung erreicht haben. Für das Unternehmen und für die Mannschaft ist es ein richtig großer Schritt, weil wir uns jetzt im nächsten Jahr auf die neuen Herausforderungen konzentrieren und natürlich auch dem Kerngeschäft widmen können.

 

. . . die Verhandlungen, die sich gegen Ende länger hingezogen haben als geplant:

 

Manche Dinge hängen oft an einem Detail und benötigen Zeit. Es waren immer konstruktive Gespräche. Wir haben uns zu Vertraulichkeit verpflichtet, deshalb kann ich auf den Inhalt der Verhandlungen nicht eingehen.

 

. . . die Frage, was mit den 20 000 Autos passiert, die Audi in den USA möglicherweise zurückkaufen muss:

 

Wie das im Detail abläuft, werden wir sehen. Wir wissen noch nicht, welche Werte dahinterstecken, das hängt auch vom Alter und der Laufleistung ab und variiert von Kunde zu Kunde. Das wird ein Thema für das Frühjahr. Es müssen nicht zwangsläufig 20 000 Autos werden - die Kunden haben die Wahl, ihr Auto reparieren oder es von uns zurückkaufen zu lassen.

 

. . . die Wut deutscher Kunden, die im Gegensatz zu den Betroffenen in den USA bei Entschädigungszahlungen leer ausgehen:

 

Wir müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen in den USA von denen in Europa trennen. Das gehört zu einer rationalen und kühlen Betrachtung der Angelegenheit. Man muss versuchen, Gesetz und Emotionen auseinanderzuhalten.

 

. . . die Kosten des Abgas-Skandals für Audi:

 

Die Gespräche mit den Behörden gehen in vielen Details weiter, aber ein Rahmen ist gesteckt. Wir haben im dritten Quartal nochmal eine größere Rückstellung gemacht. Ich denke, dass das noch nicht reicht. Die Gesamtkosten wird man im Jahresabschluss sehen.

 

. . . die Erfolgsbeteiligung der Audi-Mitarbeiter im kommenden Jahr:

 

Darüber werden wir im nächsten Jahr rechtzeitig mit den Arbeitnehmervertretern sprechen. Da gibt es bestimmte Mechanismen zu berücksichtigen, in guten wie in schlechten Zeiten.

 

. . . seinen ganz persönlichen Blick auf den Abgas-Skandal:

 

Mit meiner Enttäuschung muss ich selbst fertig werden. Wir haben Fehler gemacht, die nicht akzeptabel sind. Gerade vor dem Hintergrund der Gesetzgebung in den USA. Wichtig ist, dass wir das Thema "technische" Compliance auf einen neuen Standard gehoben haben. Wir treiben unsere Integritätsbemühungen voran, dafür haben wir auch Experten von außen einbezogen. Ich habe kein Problem, wenn ein Ingenieur die Grenzen der Physik austestet. Aber Gesetz ist Gesetz.

 

. . . Spekulationen zu seiner Person:

 

Darüber will ich nicht urteilen. Ich konzentriere mich voll auf meine Aufgabe im Unternehmen. Dass mal hier und da der Eindruck entsteht, da könnte jemand hinter der Hecke schießen, das will ich nicht verhehlen. Innerlich belastet mich das nicht. Ich bin mit mir im Reinen und kann in den Spiegel sehen.

 

. . . die überraschende Kritik von VW-Chef Matthias Müller an Ferdinand Piech und Martin Winterkorn:

 

Ich blicke nach vorne, nur das zählt.

 

. . . die häufigen Personalwechsel auf dem Posten des Entwicklungschefs:

 

Wir hatten in den letzten fünf Jahren zu viele Veränderungen in diesem Kernressort. Und trotzdem bringen wir gute Produkte auf die Straße. Mit einer nachhaltigen Führung kriegen wir wieder Stabilität ins System.

 

. . . den neuen Entwicklungschef Peter Mertens:

 

Peter Mertens hat schon sehr viele spannende berufliche Stationen hinter sich. Er hat mit Volvo und Geely auch schon in China Luft geschnuppert - das ist wichtig, weil ja auch bei uns rund 35 Prozent des Geschäfts in China gemacht werden. Er hat gelernt, mit schlankem Geld gute Autos zu entwickeln. Ich habe die von ihm entwickelten Volvo-Modelle gefahren und festgestellt: Er hat das nicht schlecht gemacht. Deswegen bin ich auf ihn zugegangen.

 

. . . die nächsten Schritte auf dem Weg zum Elektroauto:

 

Was die Elektrifizierung von Antrieben angeht, werden wir eine enorme Dynamik aus China erleben. Gemeinsam mit Porsche werden wir die nächste Elektroplattform für den Premiumbereich entwickeln. Die Zusammenarbeit mit den Porsche-Kollegen ist besser denn je. Wir stellen uns da auch nicht die Frage, wer dort die Führung übernimmt - uns geht es darum, wie wir effizient und synergetisch zusammenarbeiten.

 

. . . die Konkurrenz beim Wettrennen um die Einführung neuer Technologien:

 

Hatten die Produkte, die sich gerühmt haben, die ersten zu sein, wirklich durchschlagenden Markterfolg? Oder waren das eher Schaufensterprojekte? Sicher: Manche Entscheidung bei uns war vielleicht zu hinterfragen - aber wenn wir 2018 mit unserem E-SUV kommen, dann sind wir in diesem Segment die ersten mit 500 Kilometern Reichweite. Das ist mir viel wichtiger als ein Frühstart.

 

. . . die Gründung des Start-ups Self-Driving-System (SDS), das sich um das vollautonome Fahren kümmern soll:

 

Wir haben die Aktivitäten bereits gestartet, bislang sind etwa 70 Mitarbeiter in München aktiv. Zielrichtung sind 130 bis 200 Mitarbeiter, die dort Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln werden. Wir haben dort schon angefangen zu arbeiten, die Formalitäten erledigen wir später, damit wir keine Zeit verlieren: Die Firmengründung wird Anfang nächsten Jahres stattfinden. Wir sind auch mit den anderen VW-Marken vernetzt: Auch diese können dort Mitarbeiter hinschicken, damit sie mit am Ball bleiben.

 

. . . die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern/Zulieferern:

 

Der Kauf des Kartendienstes Here ist ein Beispiel, wie sich Wettbewerber zusammengefunden haben, weil sie entdeckt haben, dass es sich um ein Zukunftsfeld handelt, das einer alleine nicht stemmen kann. Und wenn wir das nicht gemeinsam gestemmt hätten, dann hätten es andere gemacht. So wären Abhängigkeiten entstanden - und die sind für unser Geschäft nie gut. Wir werden in unserer Industrie in den nächsten zehn Jahren komplett neue Kooperationsstrukturen sehen. Es wird nur durch intensive Kooperation mit Zulieferern und Herstellern gehen - aber auch zwischen ganz neuen Partnern, die heute vielleicht noch nicht die ganz große Rolle spielen, aber wichtig werden.

 

. . . das Dauerbrenner-Thema Brennstoffzelle:

 

Die Brennstoffzellentechnologie hat in den letzten zehn Jahren große Schritte gemacht - aber eben im Forschungsbereich. Die Technik ist in ihren Maßen deutlich geschrumpft und damit leichter zu verbauen. Ziel ist zunächst, die Technologie in eine Kleinstserie zu bringen. Wann es in die Großserie geht, kann man heute noch nicht sagen - das hat vor allem mit der Wasserstoff-Infrastruktur zu tun.

 

. . . die künftige Bedeutung der großen Auto-Messen:

 

Wir haben heuer in China erstmals einen Audi-Brand-Summit veranstaltet. Dort haben wir unsere Produkte und Strategien vorgestellt. Schon vor ein paar Jahren habe ich mir gedacht: Wenn Apple es schafft, dass die ganze Marken-Fangemeinde einmal im Jahr nach Cupertino pilgert - dann sage ich: Das müssen wir auch hinkriegen. Ich war von unserer Premiere in China sehr begeistert. Dieses Format wollen wir ausrollen. Unser Top-Produkt - den neuen A8 - werden wir im Sommer 2017 auf einem solchen Brand-Summit in einer europäischen Metropole präsentieren. Die Automessen werden deshalb für uns nicht entfallen - aber vielleicht wird der eine oder andere Stand etwas kleiner dimensioniert. Auf der IAA in Frankfurt werden wir im nächsten Jahr keine eigene Halle auf einer Freifläche mehr bauen.

 

. . . den neuen US-Präsidenten Donald Trump:

 

Ich habe gelernt: Vor der Wahl ist nicht immer gleich nach der Wahl. Da ändern sich Meinungen und Einstellungen. Die Werkentscheidung für Mexiko ist für uns nach wie vor strategisch richtig. Übrigens ist auch die US-Industrie von Lieferungen aus Mexiko abhängig. Das weiß auch Herr Trump, schließlich ist er im Erstberuf Unternehmer.

 

. . . das zu Ende gehende Jahr:

 

2016 war ein turbulentes und kompliziertes Jahr, aber es war kein verlorenes Jahr. Wir haben viele wichtige Dinge angeschoben und auf die Straße gebracht, unter anderem den Q2 und das Werk in Mexiko.


Von Sebastian Oppenheimer und Stefan König
 
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