Rupert Stadler über


  ... die bis zum Jahr 2025 verlängerte Beschäftigungsgarantie.
Rupert Stadler im Interview mit dem Donaukurier
Richter
Ingolstadt
Für das Unternehmen und die Mitarbeiter ist das ein sehr wichtiges Aufbruchsignal – und zugleich auch ein Signal für Stabilität und Sicherheit. Das muss man sich aber auch hart erarbeiten. Uns ist klar: Wenn man so etwas ausspricht, muss man es auch halten können. Also braucht es Substanz – und an der haben wir in dem letzten halben Jahr intensiv gearbeitet.

... den Stand in der Aufarbeitung von Diesel-Gate.

Noch ist die technische Aufarbeitung nicht abgeschlossen. Es ist eine unglaubliche Sisyphusarbeit, Hunderttausende von Software Bausteinen zu durchforsten. Aber bislang hat unsere Mannschaft dabei einen guten Job gemacht. Spätestens bis zum Frühjahr nächsten Jahres werden wir alle Motor-Getriebe-Kombinationen durchgearbeitet haben.

Video: Rupert Stadler im Interview


... den Unternehmens-Monitor Larry Thompson.

Ich habe mit Larry Thompson und seinen Kollegen viele Gespräche geführt. Er ist kein Investigator, der alles noch einmal untersucht. Er ist im Auftrag des Justizministeriums der USA bei uns und wird mithelfen, in den kommenden drei Jahren Strukturen und Prozesse zu optimieren. Und da haben wir schon noch ein paar Hausaufgaben zu machen.

... die Gründe für Diesel-Gate.

Dass bei uns im Unternehmen Fehler gemacht worden sind, ist klar und das haben wir in den Vereinbarungen mit den US-Behörden unterschrieben.

... Pläne wie man ein zweites Diesel-Gate verhindern will.

Die Mannschaft ist jetzt sensibilisiert. Wir haben in der Technischen Entwicklung konsequent das Vier-Augen-Prinzip umgesetzt und goldene Regeln festgelegt. Nicht nur in der Motoren- und Getriebeentwicklung – auch in der Homologation und beim Zulassungsprozess. Wenn etwas aus welchen Gründen auch immer nicht funktioniert, dann müssen die Mitarbeiter das zurückmelden. Und dann müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass wir die Vorgaben erfüllen können.

... das Verhältnis zu Porsche, nachdem bekannt wurde, dass auch in den von Audi entwickelten V6-Diesel-Motoren eine Schummel-Software steckt.

Das Verhältnis ist freundschaftlich und gut. Wir arbeiten an unserer Premium-Architektur Elektro zusammen und wir orientieren uns am externen Wettbewerb. Unser Wettbewerb ist draußen und nicht drinnen.

Rupert Stadler im Interview mit dem Donaukurier
Audi-Chef Rupert Stadler im Interview mit dem DONAUKURIER.
Richter
Ingolstadt


... die großen Probleme mit der Auslastung am Standort Neckarsulm.

In Neckarsulm haben wir zweifellos eine herausfordernde Situation. Zurzeit fahren wir die Produktion für drei Modelle hoch, den A8, A7 und A6. Das ist für die Mannschaft eine Mammutaufgabe. Daher kommen die Stückzahlen peu à peu. Aber die Neckarsulmer haben mit den neuen Oberklasse-Modellen eine hervorragende Perspektive. Außerdem werden in Neckarsulm ab 2021 zusätzlich zwei E-Autos produziert.

... die Zukunft der Arbeitsplätze in Ingolstadt und Neckarsulm.

Transformation bedeutet, dass sich Aufgabenprofile verändern. Aber wir lassen unsere Mitarbeiter nicht allein. Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren 8000 Audianer in Hochvolt-Technologie geschult. Aktuell geben wir jährlich rund 60 Millionen Euro für Qualifizierungsmaßnahmen aus. Grundsätzlich werden wir mehr IT-Fachleute, Software-Ingenieure und Digital-Experten brauchen.

... die Motorenproduktion in Györ in Zeiten immer stärker zunehmender Elektrifizierung.

Natürlich geht mit zunehmender Elektrifizierung auch die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren zurück. Aber wir wollen gleichzeitig wachsen. Dabei wird sich nach unseren Erwartungen bis 2025 ein Verhältnis von einem Drittel Elektroautos und zwei Dritteln mit Verbrennungsmotoren einstellen. Das heißt, wir haben Zeit und Möglichkeiten darauf zu reagieren und die Ressourcen richtig zu verteilen. Aktuell steuern wir in Györ übrigens schon um und produzieren vermehrt Benzinmotoren. In Györ werden aber schon heute Elektromotoren gefertigt: für den Audi e-tron, der in Brüssel vom Band laufen wird. Ich rechne damit, dass der Personalstand in Györ stabil bleibt. Wir haben dort ja nicht nur eine Motor sondern auch eine Fahrzeugfertigung. Und wir betreiben intelligente Auslastungsplanung. Aktuell arbeiten mehrere Hundert Mitarbeiter aus Györ im 70 Kilometer entfernten Bratislava, um dort mitzuhelfen, die Anläufe für den VW Touareg und den Audi Q8 zu stemmen. Auf diese Flexibilität sind wir stolz.

... die wenig berauschenden Verkaufszahlen beim A4.

Wir sind mit diesem Modell in Europa Marktführer. Märkte verändern sich. Bestimmte Segmente schrumpfen – schauen Sie sich den Cabrio-Bereich an. Andere wachsen: Wir spüren, dass die Nachfrage bei SUVs angezogen hat, besonders in China.

... das Gerücht eines außergewöhnlich umfangreichen A4-Facelifts 2019.

Die Designer werden dabei mehr Freiheiten bekommen, weil wir der Überzeugung sind, dass im A4 noch viel Potenzial steckt. Das ist ein richtig gutes Auto. Der A4 gewinnt jeden Wettbewerbsvergleich. Und mit dem nächsten Schritt wird das Fahrzeug noch einmal deutlich an Attraktivität gewinnen.


... die aktuell immer dramatischer werdenden Probleme beim E-Autobauer Tesla.

Ich weiß, was es bedeutet, eine Firma hochzufahren und mit neuen Technologien umzugehen. Deshalb habe ich immer gesagt: Ich habe keine Angst vor Tesla. Ich habe Respekt vor dem, was sie tun. Deren Geschäftsmodell ist ein anderes als unseres.

... die Zukunft des E-Autos bei Audi.

Bis zum Jahr 2025 werden wir 20 teil-und vollelektrifizierte Autos im Angebot haben. Nächstes Jahr startet in Brüssel unser Batterie-SUV mit 500 Kilometern Reichweite. Ein solches Angebot hat noch keiner unserer Kern-Wettbewerber. Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Wir haben auch in extrem schwierigen Phasen in den vergangenen zwei Jahren beherzt wichtige Zukunftsentscheidungen getroffen.

... die Vorgaben für Audi-Händler E-Autos zu reparieren.

Jeder Audi-Händler muss Reparatur und Wartung von Elektrofahrzeugen beherrschen. Wir haben ja schon seit einigen Jahren Plug-in Hybride im Markt, die Hochvolttechnik wird für die Händler und ihre Mitarbeiter schon seit Jahren geschult. Das ist also nichts ganz Neues. Doch auch die Infrastruktur muss passen, also muss es auch auf den Stellplätzen und in der Werkstatt Lademöglichkeiten geben.

... die Frage was mit ausrangierten Fahrzeug-Akkus passiert.

Im VW-Konzern gibt es Projekte, die sich mit einem zweiten, beziehungsweise sogenannten dritten Leben einer Batterie beschäftigen. Die Batterie wird künftig das teuerste Bauteil eines Autos sein. Sie wird anteilig am Gesamtpreis des Autos deutlich wertvoller sein als ein Verbrennungsmotor. Wir untersuchen daher, ob es für die Batterien nach deren Nutzung im Auto ein wirtschaftlich sinnvolles zweites Leben gibt. Eine attraktive Möglichkeit ist aber auch das Recycling: Erste Erkenntnisse unserer Forschungsabteilungen zeigen, dass bestimmte Werkstoffe wie zum Beispiel Kobalt fast vollständig recycelbar sind. Das ist aufwendig, aber es funktioniert bis zu 95 Prozent.

... die Einführung von digitalen Zusatzangeboten, mit denen sich bestimmte Fahrzeugfunktionen freischalten lassen.

Das werden Sie das erste Mal bei unserem e-tron ab 2018 sehen – als Zusatzdienst lässt sich etwa ein Matrix-Licht freischalten.

... den Ärger mit den Händlern wegen derartiger Freischalt-Angebote.

Wir richten unsere Vertriebsorganisation auf die veränderten Erwartungen unserer Kunden in der digitalen Welt aus. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten. Wir haben da ein gutes Verständnis mit den Händlern. Mittlerweile haben rund hundert Händler VR-Brillen, mit denen man virtuell ein Auto konfigurieren kann. Dieses Angebot werden wir verbreiten. Wir erwarten von den Händlern, dass sie diese moderne Technik nutzen. Denn das hilft ihnen, ihren Bestand und ihre Finanzierungskosten langfristig herunterzufahren und so ein besseres Ergebnis zu erwirtschaften. Dafür müssen die Händler in diese modernen digitalen Welten investieren.

... eine mögliche Verkleinerung des Händlernetzes.

Wir haben unser Händlernetz schon vor Jahren auf den digitalen Vertrieb ausgerichtet. So wollen wir in die Zukunft gehen.

... die Frage, wann der Audi A8 endlich auf Level 3 autonom fahren darf.

Dazu brauchen wir die entsprechenden Gesetze und die regulatorische Umsetzung – und das wird noch ein längerer Prozess sein. Ob das in Deutschland 2018 schon gegeben ist, ist derzeit unklar.

... den Ärger im so wichtigen chinesischen Markt im ersten Halbjahr.

Wir haben uns in diesem zentralen Markt neu aufgestellt und planen in Zukunft mit zwei Joint-Venture-Partnern. Das ist der richtige Schritt. Die Abhängigkeit von nur einem Partner ist nicht gut. Eine Zwei-Partner-Strategie in China gibt uns ein solides Fundament für nachhaltiges Wachstum. Denn das Premiumsegment wird in China weiter wachsen. Der Premium-Markt dort wird in ein paar Jahren größer sein als der deutsche Gesamtmarkt. Und da wollen wir mit zwei Partnern das Potenzial voll ausschöpfen.

... die künftige Audi-Formensprache.

In drei bis fünf Jahren werden wir neue Fahrzeuggattungen sehen. Das Automobil wird sich in der Form weiter verändern. Beim E-Auto ist man extrem flexibel, da sind neue Formensprachen möglich. Und wir werden da vorne mit dabei sein. Schauen Sie auf die Showcars, die wir auf der IAA in Frankfurt gezeigt haben. Natürlich kann heute noch keiner beantworten, ob ein Lounge-Konzept wie der Aicon für Premiumkunden so wichtig sein wird wie ein A8. Der Weg dorthin ist hochspannend für Designer und Entwickler.

... den Abschied von Audi von der CES in Las Vegas.

Sechs Jahre lang waren wir auf der CES vertreten und haben Keynotes gegeben. Wir waren die erste Premiummarke dort – mittlerweile pilgern ja alle Hersteller hin. Wir haben uns deshalb vorgenommen: Audi-Fans sollen zu uns kommen und die Marke umfassend erleben, so wie man sich auf einer Messe nicht zeigen kann. Deswegen haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal in Barcelona unseren Audi-Summit veranstaltet. Im nächsten Jahr wird die Veranstaltung in Brüssel stattfinden. Wir werden dort unseren e-tron, also unser erstes Elektroauto, präsentieren, das auch in Brüssel gebaut wird.

Das Gespräch führten Stefan König, Carsten Rost, Thorsten Stark und Sebastian Oppenheimer.