Das neue Zahlungskontengesetz zeigt offenbar Wirkung. Seit September 2016 sind Banken und Sparkassen gesetzlich verpflichtet, Kunden beim Girokonto-Wechsel tatkräftig zu unterstützen. Laut einer Studie des Markforschungsinstituts Yougov wechselten in den vergangenen zwölf Monaten doppelt so viele Verbraucher ihre Hauptbankverbindung wie ein Jahr zuvor. Tendenz steigend. Aktuell liegt der Anteil der Wechsler bei rund zehn Prozent.

Viele Wechselwillige zögern noch
Die Redaktion von biallo.de erhielt in den vergangenen Wochen jedoch zahlreiche Zuschriften von Lesern, die den Kontowechsel immer noch scheuen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie bei ihrer alten Bank noch einen Dispositionskredit offen haben. Die Frage, die sich Wechselwillige häufig stellen: Räumt mir die neue Bank sofort einen Dispo ein? Eines vorweg: Dazu sind die Geldinstitute nicht verpflichtet. Die Realität liefert allerdings genügend Beispiele, dass viele Banken und Sparkassen sich hier kulant zeigen - vorausgesetzt, die Bonität stimmt.

Der Bundesverband deutscher Banken rät grundsätzlich dazu, den Dispo vor dem Kontowechsel zurückzuzahlen. "Alternativ kann die neue kontoführende Bank den Kredit ablösen, so dass der Kunde diesen bei der neuen Bank in Anspruch nimmt, wenn das Kreditinstitut dazu bereit ist", sagt Bankenverband-Sprecherin Tanja Beller gegenüber biallo.de. "Dies sollte man am besten im Vorfeld - beim Antrag auf Kontoeröffnung - mit der neuen Bank abklären." Als dritte Möglichkeit könne der Kunde das alte Konto zunächst bestehen lassen, bis er den Kredit zurückgezahlt habe, so Beller weiter.

Übernimmt die neue Bank den alten Dispo?
Laut Biallo-Recherche zeigt sich die ING-Diba besonders kundenfreundlich, wenn Wechselwillige trotz offenem Dispo ein kostenloses Girokonto bei der Direktbank eröffnen wollen. "Das ist in der Regel kein Problem", sagt Konzernsprecher Alexander Baumgart gegenüber biallo.de. "Wenn der Kunde einen höheren Dispo als 500 Euro erhalten möchte, muss er bei Kontoeröffnung seinen Dispowunsch eintragen - maximal das Dreifache des Nettoeinkommens - und Kopien seiner Gehaltsnachweise einreichen. Dann wird auf den Rahmen entsprechend geprüft und der Dispo wird auch sofort mit Eröffnung herausgelegt."

Ähnlich geht die Comdirect bei ihrem kostenlosen Girokonto vor. "Bei einem Kontowechsel gibt der Kunde im Girokontoantrag an, dass er einen Dispositionskredit erhalten möchte. Vergabe und Höhe des Dispositionskredites sind von der Bonität des Kunden abhängig", sagt Pressesprecher Geerd Lukaßen. "Wurde ein Dispositionskredit bei Comdirect bewilligt, löst der Kunde den Kredit bei der bisherigen Bank einfach durch eine Überweisung ab."

Auch die DKB hat eine Antwort für zögernde, potenzielle Neukunden parat: "DKB-Kunden können in ihrem Internet-Banking jederzeit einen beliebigen Dispo beantragen, sofern sie gern einen höheren oder niedrigeren Dispo festlegen möchten", erklärt DKB-Sprecher Markus Wittke. "Bei der Eröffnung eines kostenlosen DKB-Cash bekommt jeder Kunde automatisch einen Sofort-Dispo in Höhe von mindestens 100 Euro, meistens höher." Nach den ersten regelmäßigen Gehaltseingängen erhöhe sich der Dispo automatisch auf bis zu zwei Nettogehälter.

Einen "Sofort-Dispo" gibt es beim kostenlosen Girokonto der Consorsbank nicht. "Neukunden können einen Dispo erhalten, wenn wir entweder einen regelmäßigen Gehaltseingang oder einen eingehenden Dauerauftrag von einem externen Konto feststellen", sagt Consorsbank-Sprecher Dirk Althoff. "Ein Neukunde könnte sein altes Konto jedoch für ein paar Wochen bestehen lassen und so die Zeit bis zur Einrichtung seines neuen Dispos überbrücken."

Generell sollte der Dispo laut Althoff aber nur für einen kurzen Zeitraum genutzt werden. "Wird der Dispo über einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen, empfiehlt sich aus Kostensicht eventuell der Wechsel in ein anderes Kreditprodukt, um so die Kosten zu senken."

Rahmenkredit als Alternative
Doch welches Kreditprodukt eignet sich hier am besten? Gerade der Dispo wird ja vor allem wegen seiner Flexibilität geschätzt, die bei einem Ratenkredit mit festen Monatsraten eingeschränkt ist. Abhilfe schafft hier ein sogenannter Rahmen- oder Abrufkredit. Dieser funktioniert ähnlich wie ein Dispokredit, die Zinsen sind in der Regel aber deutlich niedriger.

Volkswagen Bank und Axa bieten ihren Rahmenkredit bereits für 2,95 bzw. 3,02 Prozent an. Bei der Volkswagen Bank steigt der Zins nach zwölf Monaten auf effektiv 6,65 Prozent. Die Rückzahlung beträgt monatlich mindestens ein Prozent des Verfügungsrahmens. Der Abrufkredit der Axa kann jederzeit flexibel ab Teilbeträgen von 500 Euro getilgt werden.

Auch die ING-Diba hat einen Rahmenkredit in ihrem Produktportfolio. Allerdings liegen die Zinsen hier mit 5,99 Prozent etwas höher. Dafür kann der Kredit jederzeit in beliebiger Höhe getilgt werden. Besonderheit: Den Rahmenkredit der ING-Diba erhalten auch Selbständige und Freiberufler.


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