In der Vorweihnachtszeit geht es in einem Einkaufszentrum mitunter hektisch zu. Die Einkaufspassagen lassen Wünsche wahr werden und Träume wachsen. Eigentlich ein idealer Ort, um den Kapitalismus zu versinnbildlichen. Die Ware kommt aus der Fabrik, wird über den Hintereingang durch eine Logistikfirma angeliefert, die Händler versuchen um die Gunst der Kundschaft zu buhlen, die konsumieren soll. Das Szenario "Einkaufszentrum" ist aus Sicht der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent das absehbarste Szenario. Die derzeit gute Konjunktur gibt es aber nicht umsonst: Ihr Preis ist die Inflation, wie es im Helaba-Ausblick für 2018 heißt.

In Sachen Wirtschaftswachstum sehen die Experten für das kommende Jahr eine moderat positive Entwicklung. Sowohl Helaba als auch DZ Bank rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft 2018 um zwei Prozent zulegen wird. "Die Konjunktur befindet sich in einer robusten Verfassung", sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. "Die Chancen sind gestiegen, dass die Wirtschaft noch deutlich robuster wachsen könnte." Grund für den Optimismus: Viele Nachbarstaaten haben sich erholt. Das dürfte auch für den Arbeitsmarkt positiv sein. "Trotzdem bleiben die Unterschiede beträchtlich zwischen den Ländern, die Reformen vorgenommen haben und denen, die sich diesen bislang verweigern. Zu Ersteren zählt Spanien, das 2018 mit 2,8 Prozent wachsen sollte. Zu Letzteren gehört Italien mit einer erwarteten Wachstumsrate von 1,5 Prozent", sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba.

Auch der Blick über den großen Teich darf in einem Ausblick nicht fehlen. Im Modell mit moderaten steuerlichen Entlastungen sehen die Analysten der Helaba ein US-Wachstum von 2,5 Prozent voraus. "Das Investitionsklima in den USA wird aber durch die unberechenbare Handelspolitik unter Präsident Trump belastet", so Traud. Interessant wird sein, ob sich Trump für verschärfte Handelsbeschränkungen einsetzen wird.

Szenario 1: Einkaufszentrum (70 Prozent)
Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat in den vergangenen Jahren zu einer zum Teil deutlichen Bewertungsexpansion bei Aktien, Renten und Immobilien geführt. Laut Helaba-Experten stelle sich bei zehnjährigen Bundesanleihen angesichts der höheren Teuerung die Bewertungsfrage. Im Laufe des Jahres 2018 soll die Rendite bis auf ein Prozent steigen. Bei der DZ Bank geht man von 0,8 Prozent aus. Kursverluste drohen in beiden Fällen. Damit seien eher noch kürzere Laufzeiten ein Thema.

An der Rendite dürfte aber auch 2018 die Inflation mächtig knabbern. Bis zu zwei Prozent seien durchaus drin. Für Festgeld-Sparer gilt also: Jetzt heißt es umso mehr Zinsen vergleichen und das Ersparte mit einem vernünftigen Festgeld retten.

Ganz so schwarz sollten konservative Sparer die Zukunft nicht sehen. Denn auch die EZB wird reagieren müssen, wenn auch verzögert. Die Helaba-Experten erwarten, dass Mario Draghi den Zinshebel noch selbst umlegen wird, bevor er ab November 2019 in den Ruhestand geht. Im Lauf des Jahres 2019 sollte der Leitzins von Null auf 0,25 Prozent angehoben werden.

Die niedrigen Zinsen waren immer wieder guter Nährboden für die Börsen. Die Bewertung des Dax liegt oberhalb der normalen Bandbreite. Deutsche Aktien sind damit teuer. Ein KGV von 10,5 bis 13 erscheint den Volkswirten der Helaba denkbar. Das hätte Dax-Stände zwischen 10.500 und 13.500 Punkte zur Folge. Bereits heute notiert der Dax am oberen Ende dieser Skala. Die Richtung könnte also nach unten zeigen. Positiver sieht es die DZ Bank. Demnach soll der Dax Ende nächsten Jahres bei 14.000 Punkten stehen.

Tipp: Wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens am Aktienmarkt investieren möchten, sollten Sie die Risiken minimieren. Das erreichen Sie im Wesentlichen mit zwei Punkten. Erstens: Breit streuen. Das tun Sie etwa mit Aktienfonds und Indexzertifikaten (ETF). Setzen Sie sich außerdem eine maximale Schmerzgrenze für Verluste. In der Praxis verwenden Sie hier ein sogenanntes Stop-Loss-Limit.

Eine aktuelle Untersuchung der Bundesbank zeigt, dass selbst Immobilien in mittelgroßen Städten bis zu 30 Prozent überteuert sind. Dennoch sehen die meisten Beobachter keine Blase. Die niedrigen Baufinanzierungszinsen machen die Immobilie als Kapitalanlage oder Alternative zum Mieten auch 2018 interessant.

Szenario 2: Bauruine (10 Prozent)
Den ungünstigsten Fall bezeichnen die Autoren der Helaba-Untersuchung als Bauruine. Eintrittswahrscheinlichkeit: zehn Prozent. Protektionismus lässt den Welthandel erlahmen. Eine Rezession ist die Folge. Der Dax stürzt auf 8.000 Zähler ab. Zugegeben: Diese Betrachtungsweise erscheint heute denkbar unrealistisch, die DZ Bank führt aber langfristig mögliche Bremsklötze an. Mit großer Sorge sieht man sowohl den Fachkräftemangel als auch den daraus resultierenden Stau bei Digitalisierungsprojekten. "Wenn der Fachkräftemangel das Geschäft der Unternehmen bremst und Zukunftsinvestitionen verhindert, ist der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet", warnt Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ Bank.

Tipp: Wer ebenfalls diese negative Grundstimmung teilt, sichert unbedingt seine Aktienposition ab und fährt mit Tagesgeld erstmal auf Sicht. Dann heißt es warten auf günstige Einstiegskurse an der Börse. Krisen bieten in aller Regel langfristig wieder Chancen.

Szenario 3: Palast (20 Prozent)
Ruhm, Glanz und Gloria ? richtig prunkvoll geht es in einem Palast zu. Lebhafte Handelsbeziehungen und Produktivitätsfortschritte lassen alle Sorgen vergessen machen. Der Dax kennt keine Bescheidenheit und springt auf 15.000 Punkte. Die EZB ruft bereits 2018 die Zinswende aus. Wobei das aus Sparer- und Verbraucher-Sicht leider erst der Fall sein dürfte, wenn die Teuerungsrate über den Zielwert von zwei Prozent klettert. Also auch leider wieder eher ein Fest für eine kleine Zahl geladener Gäste, nämlich die Aktionäre, Aktienfonds- und ETF-Anleger.


Geldanlage-Vergleich: Diese Zinsen gibt es derzeit bei Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen.