Der Sexskandal um den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein hat auch den Onlineriesen Amazon erreicht. Die Schauspielerin Rose McGowan rief Amazon-Chef Jeff Bezos auf, keine "Vergewaltiger" zu finanzieren. Filmmogul Harvey Weinstein
Der Sexskandal um den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein hat auch den Onlineriesen Amazon erreicht. Die Schauspielerin Rose McGowan rief Amazon-Chef Jeff Bezos auf, keine "Vergewaltiger" zu finanzieren.
© 2017 AFP

Der Sexskandal um den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein hat den Onlineriesen Amazon erreicht. Die Schauspielerin Rose McGowan erhob am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen Amazon-Chef Jeff Bezos. Sie habe seinerzeit Amazon darüber informiert, von Weinstein vergewaltigt worden zu sein, aber keine Reaktion erhalten, schrieb sie bei Twitter. McGowan rief den Chef des Online-Unternehmens dazu auf, keine "Vergewaltiger" zu finanzieren. McGowan wurde in dem Bericht der Zeitung "New York Times" erwähnt, die den Skandal ins Rollen gebracht hatte.

Wegen Belästigungsvorwürfen einer Filmproduzentin wurde derweil der Chef der Amazon-Unterhaltungssparte, Roy Price, mit sofortiger Wirkung beurlaubt, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Filmproduzentin Isa Hackett wirft dem 51-Jährigen vor, sie sexuell belästigt zu haben.

Hackett, die für die Amazon-Serie "The Man in the High Castle" arbeitet, sagte dem Magazin "The Hollywood Reporter", Price habe ihr im Sommer 2015 wiederholt unsittliche Angebote gemacht. So habe er im Taxi auf dem Weg zu einer Party schlüpfrige Bemerkungen gemacht und ihr später - trotz ihrer klaren Ablehnung - das Wort "Analsex" ins Ohr gerufen.

Der 65-jährige Weinstein sieht sich inzwischen mit polizeilichen Untersuchungen in New York sowie offenbar auch in London zu den Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Die Polizei in New York geht nach eigenen Angaben einem Vorfall aus dem Jahr 2004 nach. Details wollte ein Polizeisprecher nicht nennen. Nach Informationen der Zeitung "Daily News" soll es um den Fall einer Frau namens Lucia Evans gehen, die Weinstein der Vergewaltigung beschuldigt.

Das Magazin "New Yorker" hatte am Dienstag über Evans berichtet, die nach eigener Schilderung im Jahr 2004 auf einen Einstieg in den Schauspielberuf hoffte und von Weinstein in das New Yorker Büro des Filmstudios Miramax eingeladen wurde. Dort sei der Produzent über sie hergefallen und habe sie zum Oralsex gezwungen.

Die Polizei in London teilte mit, sie gehe einer mutmaßlich in den achtziger Jahren in London verübten sexuellen Attacke nach. Auch die Polizeibehörde der englischen Stadt wollte keine näheren Informationen herausgeben. Nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur PA geht es auch in diesem Fall um Vorwürfe gegen Weinstein.

Laut "New Yorker" beschuldigen neben Evans und McGowan noch zwei weitere Frauen den Mogul der Vergewaltigung. Bei einer von ihnen handelt es sich demnach um den italienischen Filmstar Asia Argento. Darüber hinaus werfen zahlreiche Frauen dem Produzenten sexuelle Belästigung vor, die meisten von ihnen sind Schauspielerinnen und Models.

Unter den Frauen, die sich als Weinstein-Opfer geoutet haben, sind absolute Topstars wie Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie, Ashley Judd und Léa Seydoux. In einer Reihe von Fällen soll Weinstein Frauen mit Geldzahlungen zum Stillschweigen gebracht haben.

Viele der geschilderten Übergriffe sind inzwischen verjährt, da es sich sich nach der Gesetzeslage um kleinere Delikte handelt. Anders verhält es sich unter Umständen bei Vergewaltigung. Diese Straftat verjährt beispielsweise nach den in New York geltenden Gesetzen nicht.

Wegen des Skandals war Weinstein am vergangenen Wochenende von seinem Filmstudio entlassen geworden. Am Dienstag gab dann seine Frau Georgina Chapman ihre Trennung von dem 65-Jährigen bekannt.

Eine zusätzliche Dimension erhält der Skandal um Weinstein dadurch, dass das Verhalten offenbar vielen in der Branche seit langem bekannt war. Die französische Schauspielerin Seydoux berichtete in der britischen Zeitung "The Guardian", "alle" in Hollywood hätten von dessen Verhalten gewusst. "Das ist das Widerlichste daran", sagte sie.

Der Regisseur Oliver Stone warnte unterdessen vor Vorverurteilungen. Es dürfe nicht zu einer Verurteilung durch ein "System der Rächer" kommen.