Harry Blank ist nicht nur Schauspieler: Der Darsteller aus "Dahoam is Dahoam" ist auch ein passionierter Musiker und Sänger. Blank hat die Titelmelodie zur Serie eingesungen.
Harry Blank ist nicht nur Schauspieler: Der Darsteller aus "Dahoam is Dahoam" ist auch ein passionierter Musiker und Sänger. Blank hat die Titelmelodie zur Serie eingesungen. Die BR-Produktion feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen. Seine Band (Foto) trägt den Namen BlankWeinek.
Kimmelzwinger/BR
Dachau
Von Anfang an dabei war Harry Blank, der den Automechaniker Mike Preissinger verkörpert, und gleich noch den Titelsong eingesungen hat. Wir haben mit dem 49-jährigen Schauspieler gesprochen.

 

 

"Dahoam ist fürmich jetzt sehrviel mehr dahoam als vorher."

Schauspieler Harry Blank

 

Herr Blank, Sie sind seit der ersten Folge von "Dahoam is Dahoam" mit dabei. Die Serie feiert heuer ihr Zehnjähriges. Was macht für Sie den Reiz dieser Produktion aus?

Harry Blank: Sie ist sehr ehrlich. Die Geschichten sind sehr ehrlich. Der Mike, den ich spiele, ist eine sehr unaufgesetzte und im positivsten Sinne unaufgeregte Figur. Das hat nichts damit zu tun, dass Mike deckungsgleich mit Harry Blank wäre, überhaupt nicht. Es macht mir Spaß, so einen Charakter zu spielen. Wir sprechen alle eine ehrliche "Grod-aus-Sproch", was im deutschen Fernsehen nicht immer der Fall ist. Und das ist etwas, was mich immer noch dabei hält.

 

Was waren damals Ihre ersten Gedanken, als Ihnen eine der Rollen in einer bayerischen Daily-Soap angeboten wurde?

Blank: Ich muss sagen: Ich kannte mich mit Dailys überhaupt nicht aus, ich hatte so etwas noch nie vorher gemacht. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir keine Soap sind. Eine Soap hat eine ganz klassische Struktur: Es gibt immer Reich und Schön sowie Arm und Hässlich. Wir haben diese typische Soap-Struktur nicht. Ich sehe uns mehr als eine Dorfsaga. Ich dachte schon damals: Das wird irgendwie gut. Das wird in sich glaubwürdig.

Was macht aus Ihrer Sicht den Erfolg der Serie beim Zuschauer aus?

Blank: Genau das. Dass es ehrlich ist. Dass auch verdammt viel von den Schauspielern selber kam und jeder seine Rolle selber aufgebaut hat, mit allem, was er hatte, mit aller Kraft und mit allem Wissen. Die Produktion hat - glaube ich - früh gemerkt, dass man die Schauspieler laufen lassen kann. Dass jeder sehr viel Erfahrung für die Rolle, die er hatte, mitbrachte.

 

Wer ist schuld am Brand in Mikes Oldtimerhalle? Darüber rätseln Annalena Brunner (Heidrun Gärtner) und Mike Preissinger (Harry Blank) am Mittwoch in "Dahoam is Dahoam".
Wer ist schuld am Brand in Mikes Oldtimerhalle? Darüber rätseln Annalena Brunner (Heidrun Gärtner) und Mike Preissinger (Harry Blank) am Mittwoch in "Dahoam is Dahoam".
BR
Dachau

Inwiefern?

Blank: Jeder Schauspieler, der in einem Dialekt groß wird, verbringt seine ganze Studienzeit und die ersten Jahre seiner Karriere damit, diesen Dialekt und alles, was damit zu tun hat, loszuwerden. Du musst Dir ihn wegtrainieren. Und Du musst Dir dadurch auch eine andere Sprache zulegen. Hier werden wir wieder zurückgebracht in die Sprache der Jugend und Kindheit. Da kann man als Schauspieler ganz viel benutzen von den Dingen, die man schon seit vielen Jahren kennt und mit denen man aufgewachsen ist. Auch wenn man das dann in eine andere Rolle transportiert, hat das eine besondere Kraft.

 

Kommt man sich bei der Arbeit an einer täglichen Serie nicht ein wenig vor wie in einem Hamsterrad?

Blank: Oh ja! Aber ich arbeite gerne viel. Wie es im Hamsterrad halt so ist - das ist auch mal sehr anstrengend. Aber es hat Vorteile: Dass man unglaublich viel zeigen kann, dass man sehr viel und sehr hart arbeiten kann als Schauspieler. Jeden Tag aufzustehen und das auszuüben, was man gerne macht, das ist schon toll.

 

Am Samstag ist Fantag im Filmdorf Lansing in Dachau. Welche Rolle spielt für Sie der direkte Kontakt zu den Zuschauern und den Fans der Serie?

Blank: Es ist gut, wenn man das hat. Auf der einen Seite ist immer sehr viel Emotion bei den Zuschauern dabei - sie sind sehr nah an einem dran. Ich kenne diese Menschen gar nicht, sie kennen mich aber sehr gut. Sie haben mich in den zehn Jahren ganz oft gesehen, während ich überhaupt nicht weiß, wer sie sind. Dieser Unterschied ist manchmal sehr überraschend. Auf der anderen Seite ist es auch schön, zu sehen: Die Leute sind sehr froh, einen zu kennen. Man hat ihnen tatsächlich etwas gegeben. Wie wichtig mir das ist? Ganz ohne geht das als Schauspieler nicht. Man muss schon auch wissen, für wen man spielt, wie die Menschen einen wahrnehmen. Schauspiel ohne Publikum gibt's nicht.

 

Dahoam is dahoam,1992. Verbrannte Erde
Um Tuncays Leben zu retten, stürmt Mike (Harry Blank) in die brennende Oldtimerhalle.
Nadya Jakobs (BR)
Dachau

Werden Sie auf der Straße oft als Mike Preissinger angesprochen?

Blank: Ja, schon.

 

Das muss doch etwas merkwürdig sein. Wie genau reagieren Sie dann?

Blank: Ich grüße die Leute. Offensichtlich kennen sie mich. Was soll ich schon machen? Also grüße ich zurück, und dann erzählen sie mir etwas, was mit der Rolle zu tun hat. Viele nehmen das ja eins zu eins. Sie sagen dann: "Du musst jetzt aufhören zu saufen" - weil der Mike doch in der Serie in einer Krise war. Und dann sage ich: "Ja, freilich." Ich höre zu, was sie mir sagen. Und ich sage ihnen, dass ich mich darüber freue, dass sie uns zuschauen.

 

Inwieweit hat die Arbeit für "Dahoam is Dahoam" letztlich Ihr eigenes Leben beeinflusst oder verändert?

Blank: Sehr! In erster Linie aufgrund der Konstanz der Arbeit: dass man nicht so viel fliegen muss. Dass man tatsächlich morgens aufsteht, in die Arbeit geht und abends wieder nach Hause kommt und dann die Kinder ins Bett bringt. Ich muss auch sagen, dass mein Leben deutlich bayerischer geworden ist dadurch. Sowohl in meiner alltäglichen Sprache als auch in meinem Denken und den Dingen, die ich gut finde. Ich bin mit Sicherheit dadurch noch mehr verwurzelt in Bayern. Dahoam ist jetzt doch sehr viel mehr dahoam als vorher.

 

Das Interview führte Petr Jerabek.