Mit dem ersten Sieg eines Demokraten bei einer Senatsnachwahl im konservativen Alabama seit einem Vierteljahrhundert hat US-Präsident Donald Trump eine schwere Schlappe erlitten. Der Demokrat Douglas Jones setzte sich am Dienstag (Ortszeit) überraschend gegen den von Trump unterstützten Roy Moore durch. Jones wird erster demokratischer Senator Alabamas seit 1992
Mit dem ersten Sieg eines Demokraten bei einer Senatsnachwahl im konservativen Alabama seit einem Vierteljahrhundert hat US-Präsident Donald Trump eine schwere Schlappe erlitten. Der Demokrat Douglas Jones setzte sich am Dienstag (Ortszeit) überraschend gegen den von Trump unterstützten Roy Moore durch.
© 2017 AFP

Mit dem ersten Sieg eines Demokraten bei einer Senats-Nachwahl im konservativen Bundesstaat Alabama seit einem Vierteljahrhundert hat US-Präsident Donald Trump eine schwere Schlappe erlitten. Der Demokrat Douglas Jones setzte sich am Dienstag (Ortszeit) knapp gegen den von Trump unterstützten republikanischen Kandidaten Roy Moore durch. Der ultrakonservative Moore wird beschuldigt, früher Minderjährige sexuell belästigt zu haben. Seine Niederlage erkannte er zunächst nicht an.

Nach Auszählung aller Stimmen kam Jones auf 49,9 Prozent, Moore erhielt 48,4 Prozent - der Abstand betrug knapp 21.000 Stimmen. Moore selbst fordert eine Neuauszählung. Die Behörden haben bis zum 3. Januar Zeit, das Ergebnis zu bestätigen oder eine Neuauszählung anzuordnen.

Trump gratulierte Jones zu dessen "hart erkämpftem" Sieg. "Sieg ist Sieg", schrieb er im Kurzmitteilungsdienst Twitter. "Die Menschen in Alabama sind großartig, und die Republikaner werden schon sehr bald einen neuen Anlauf für diesen Sitz haben. Es hört nie auf." Trump verwies damit auf das Ende der Amtszeit des neu gewählten Senators im Jahr 2020.

In einem späteren Tweet betonte Trump, er habe von Anfang an gewusst, dass Moore nicht gewinnen könne. Daher habe er bei den republikanischen Vorwahlen Moores Mitbewerber Luther Strange unterstützt. "Ich hatte Recht."

Jones zeigte sich "überwältigt" von dem Wahlergebnis. Bei der Wahl sei es vor allem "um Würde und Respekt" gegangen, sagte der 63-Jährige nach seinem Sieg vor Anhängern in der Stadt Birmingham. "Alabama lag am Scheideweg. Heute Abend habt Ihr den richtigen Weg gewählt."

Auch andere Politiker der Demokratischen Partei feierten den Sieg in dem stark konservativen Südstaat. Trumps bei der Präsidentschaftswahl 2016 unterlegene Rivalin Hillary Clinton schrieb bei Twitter: "Heute haben die Wähler in Alabama für einen Senator gestimmt, der sie stolz machen wird."

Moore sah sich am Dienstagabend zunächst nicht als Wahlverlierer an: "Wenn das Ergebnis so knapp ist, ist die Wahl nicht vorbei", sagte er vor Anhängern in Montgomery. Er verwies auf ausstehende Stimmen von Soldaten. Bei weniger als 0,5 Prozentpunkten Abstand müsse es eine Neuauszählung geben. "Wir müssen auf ein Zeichen Gottes warten", sagte er.

Die Nachwahl hatte als wichtiger Test für Trump gegolten. Durch den Sieg des Demokraten Jones verringert sich der Handlungsspielraum des US-Präsidenten im Kongress: Die Mehrheit der Republikaner im Senat schrumpft auf 51 von 100 Sitzen. In Alabama wurde seit 1992 kein Demokrat mehr zum Senator gewählt.

Der 70-jährige Moore wird von mehreren Frauen beschuldigt, er habe ihnen vor rund vier Jahrzehnten nachgestellt oder sie sexuell belästigt, als sie noch Teenager waren. Der damalige Staatsanwalt soll damals unter anderem gegen eine 14-Jährige übergriffig geworden sein. Moore wies alle Vorwürfe zurück.

Moore positionierte sich gegenüber den Wählern in Alabama auch als Gegenkraft zum republikanischen Partei-Establishment. Unter erzkonservativen Wählern profitiert er vom Ruf des Rebellen.

Als Richter am Obersten Gericht von Alabama weigerte er sich, ein Denkmal für die alttestamentarischen Zehn Gebote aus einem Justizgebäude zu entfernen. Außerdem setzte er sich über ein bahnbrechendes Urteil des Obersten Gerichts in Washington zur Legalisierung der Homo-Ehe hinweg.

Sein Image eines unkonventionellen Outsider-Kandidaten unterstrich er noch am Wahltag dadurch, dass er auf dem Rücken eines Pferdes am Wahllokal eintraf.

Sein Rivale Jones warb um die Stimmen moderater Republikaner, die von den gegen Moore erhobenen Belästigungsvorwürfen abgestoßen waren. "Es ist an der Zeit, dass wir unseren Anstand und unseren Bundesstaat über die politische Partei stellen", sagte der frühere Bundesanwalt bei einem Wahlkampfauftritt.