Das "Alt" im Namen steht für Alternative und so präsentiert sich die umstrittene Bewegung als rechtes Gegenstück zum konservativen Establishment. Die Gruppe hat keine feste Struktur, ihre Mitglieder hängen der Theorie an, die weiße Rasse sei überlegen. Sie träumen von einem weißen, männlich geprägten Amerika ohne Einwanderung, Alt-Right lehnt Juden und Muslime ebenso ab wie den Freihandel.

Gewachsen ist die Bewegung über das Internet. Beobachter werfen vor allem dem rechtsgerichteten Internet-Portal "Breitbart News" vor, zum Erstarken der antisemitischen und rassistischen Bewegung beigetragen zu haben. Geführt wurde "Breitbart" über lange Zeit vom heutigen Chefstrategen im Weißen Haus, Steve Bannon. In einem Manifest von Alt-Right, das im März 2016 bei "Breitbart News" veröffentlicht wurde, hieß es, die Bewegung sei der Überzeugung, dass eine gewisse "Trennung zwischen den Völkern nötig ist, um eine Kultur zu erhalten". Diese Trennung solle rassisch und religiös erfolgen.

Einer der bekanntesten Köpfe der Alt-Right-Bewegung ist der Enddreißiger Richard Spencer. Der stets korrekt gekleidete und markant frisierte Nationalist leitet das National Policy Institute, auf dessen Veranstaltung Donald Trumps Anhänger dessen Wahlsieg mit Nazi-Sprüchen kommentierten. Spencer hatte einmal in einer Rede das deutsche Wort "Lügenpresse" benutzt und gesagt, die Bewegung habe eine "seelische Verbindung" zu Trump.

Der gemeinnützigen Organisation Southern Poverty Law Center zufolge haben die Alt-Right-Anhänger Sorge, ihre weiße Identität werde durch Multikulturalismus, politische Korrektheit und die Bürgerrechtsbewegung bedroht. Nach Einschätzung von Experten sieht die Bewegung in der seit Langem propagierten politischen Korrektheit ohnehin das Hauptübel in den USA. So würden rassistische, antisemitische und frauenfeindliche Äußerungen damit gerechtfertigt, sie würden "um der Freiheit willen" getätigt.

Bei ihrem Aufmarsch in Charlottesville am Wochenende erhoben einige Rechtsextremisten die rechte Hand zum Hitler-Gruß. Viele hatten Flaggen der früheren Südstaaten-Konföderation dabei, die liberale US-Bürger als Symbol des Rassismus betrachten. Manche führten Trumps Wahlkampf-Slogan "Make America Great Again" mit sich - oder gaben sich auf Mützen oder T-Shirts als Anhänger des US-Präsidenten zu erkennen.