Als sie den Satz zu Chinas Staatspräsident Xi Jinping sagte, hielt sie ihre Hand begeistert an die 33 Millimeter dicke und 3,50 Meter hohe Glasscheibe. Dahinter leben Träumchen und Schätzchen alias Meng Meng und Jiao Qing. Die Pandas sind da!

Sechs Jahre nach dem Ableben von Eisbär Knut hat Berlin wieder knuffige Bären und eine Touristenattraktion: Der Zoo Berlin ist nämlich der einzige deutsche Tierpark mit Pandabären. Stolze 920 000 Euro zahlt der Zoo jährlich für die auf 15 Jahre angelegte Leihgabe. Der Zweck ist simpel: Die Pandas sollen Nachwuchs zeugen. Aber kurz nach Eröffnung des neun Millionen teuren Geheges mit roten Laternen und einer Liebeshöhle gibt es erste Probleme: Meng Meng läuft rückwärts und frisst den Deko-Bambus auf. Für den Berliner war sofort klar: Meng Meng ist „plemplem“.

Experten dagegen mutmaßten, Hormone in der „Panda-Pubertät“ könnten die Ursache sein. Wahrscheinlich sind es nur die vielen Besucher, die die tiefenentspannten Bären anstarren, während sie an den Bambussprossen nagen. Jetzt wird Meng Meng mit Leckerlis der Rückwärtsgang abtrainiert. So tiefenentspannt wie die Pandas im Zoo sind Heiratswillige in den zwölf Berliner Bezirken derzeit nicht. Im Bezirk Mitte campieren Paare bereits um vier Uhr morgens vor dem Standesamt, um in der Warteschlange ganz vorne zu sein. Acht bis zwölf Wochen dauert die Wartezeit für eine Geburtsurkunde. Das Problem ist wie fast überall in der Berliner Verwaltung: Es fehlt Personal. Zumindest für die Standesämter gibt es jetzt einen Notfallplan: Die Ausbildungszeit von Standesbeamten wird von sechs Monaten auf sechs Wochen reduziert. Zusätzlich werden zwölf pensionierte Beamte reaktiviert. Und zehn Bezirke sollen je einen Standesbeamten zur Unterstützung in die Bezirke Mitte und Pankow entsenden. Pankow im Nordosten ist übrigens mit 400 000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Bezirk in der 3,6 Millionen großen Hauptstadt.

Der Appell der rot-rot-grünen Regierung zur Solidarität unter den Bezirken stieß natürlich nicht auf Verständnis. Im Gegenteil: Die zuständigen Stadträte gingen auf die Barrikaden und verwiesen ihrerseits auf Personalnot. Der Senat bleibt hart: Der Notfallplan sei mit den Bezirksbürgermeistern verabredet. Wenn schon keine Eröffnung des Großflughafens BER in Sicht ist, muss wenigstens ein kleines Regierungsziel erreicht werden: schneller heiraten in Berlin. Für die Autostadt Ingolstadt ist dieses Szenario undenkbar. Bis zu dreieinhalb Wochen muss man auf einen Termin bei den Kfz-Zulassungsstellen in Kreuzberg und Lichtenberg warten. Berliner, die ihr Auto an- oder abmelden wollen, sind ohnmächtig vor Wut. Früher konnte man wenigstens noch eine Wartemarke ziehen und nach sechs Stunden Wartezeit doch noch zufrieden mit den Papieren nach Hause gehen. Heute braucht man einen Termin. Aber wie? Seit Wochen gibt es keine Vergabe mehr online, nur noch telefonisch. Im Internet floriert nämlich ein lukratives Geschäftsmodell unter dem Motto „Reservierter Termin gegen Provision“. Die zuständige Senatsinnenverwaltung reagierte auf den Schwarzmarkt-Handel mit dem Blockieren der Online-Buchungen. Besserung ist nicht in Sicht. Nur weiteres Unheil droht: 2018 soll ein neues IT-Verfahren das 20 Jahre alte System ablösen.
Wer glaubt, dass diese Umstellung reibungslos verlaufen wird, lebt nicht in Berlin.

Das spürt auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller mit einem Parkplatzproblem vor seiner Haustür. Die grüne Bezirksstadträtin hat in der Straße des SPD-Politikers eine Halteverbotszone eingerichtet, um den Radverkehr beidseitig in der Einbahnstraße zu ermöglichen. Acht Parkplätze fielen weg. Autos, die schon vor dem Aufstellen der Halteverbotsschilder dort parkten, hatten ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer. Dem Regierenden platzte der Kragen. Er beschwerte sich bei der Stadträtin und rief in einem Anwohnerschreiben zu Protest gegen diese „überzogene Maßnahme“ auf. Das hatte zur Folge, dass vier weitere Parkplätze verschwanden. Grünen-Politiker verwiesen auf die in der Koalitionsvereinbarung vereinbarte Radpolitik. Müller konterte, er könne daraus jedoch keine Vernichtung von Stellplätzen „ohne Not“ ableiten.
Die Stadträtin habe einen „Krieg mit den Autofahrern“ angefangen. Die Grünen ihrerseits beharren auf Umsetzung des Fahrradstraßen-Nebenroutenkonzepts. Dass es zufällig eine Straße betreffe, „in der Herr Müller wohnt – das ist halt so“, heißt es lapidar. Die Parkplatz-Posse geht in die nächste Runde. Ganz bestimmt.
 
Die Ingolstädterin Sabine Beikler lebt seit vielen Jahren in Berlin und arbeitet dort als politische Korrespondentin beim Tagesspiegel.