Berlin

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) schlug nun einen Schlichter vor, der mit einem Runden Tisch alle Konsequenzen im Falle einer Offenhaltung von Tegel prüfen soll. Außerdem schrieb Müller an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Die Antworten der BER-Mitgesellschafter Bund und Brandenburg dürften eindeutig sein. Beide hatten sich bisher zur Schließung von Tegel bekannt, sobald der BER eröffnet ist. Und jetzt die Gretchenfrage: der Eröffnungstermin. Niemand glaubt in Berlin daran, dass der BER noch 2019 eröffnet. Es wird wohl 2020 – gut acht Jahre später als der ursprünglich geplante Start am 3. Juni 2012.

Daran ändern kann der Berliner nichts. Er spaziert stattdessen gern durch seine 2500 Grünanlagen und freut sich, dass „det allet ooch so schön jrün is“. Die älteste Parkanlage ist der Große Tiergarten. Berlin bewirbt seinen größten Park auf 200 Hektar mit Angeboten „für das besondere Erlebnis wie zur ruhigen Erholung“.Über ein ganz besonderes Erlebnis informierten Besucher den Berliner Wildtierexperten. Sie hätten dort „rote Skorpione“ gesehen. Man wundert sich in Berlin weder über ausgebüxte Riesenpythons, Füchse auf nächtlichen Streifzügen noch über Wildschwein-Rotten, die gepflegte Gärten im wohlhabenden Ortsteil Grunewald im Westen der Stadt in hügelige Erdlandschaften verwandeln. Aber rote Skorpione in der Stadt? Das hat schon was. Der Wildtierexperte schaute nach und gab erst einmal Entwarnung. Bei den handtellergroßen Tieren handelt es sich um eingeschleppte amerikanische Sumpfkrebse.Man schätzte den Bestand zunächst auf 200 Exemplare. Dieser Rote Amerikanische Sumpfkrebs steht auf einer Liste der EU-Kommission mit eingewanderten Arten, die potenziell schädlich für einheimische Arten und Ökosysteme sind.

Jetzt soll es den illegal eingewanderten Tieren an den Kragen gehen. Im Neuen See mitten im Tiergarten werden Kescher, Fangnetze und Fallen eingesetzt. Eine schwierige Aktion: Die Krebse sind sehr schnell und verstecken sich. Wegen des vielen Regens kommen die Tiere jetzt gern aus ihren Verstecken heraus und krabbeln munter auf der Straße weiter. Bis ins etwa 520 Kilometer entfernte Ingolstadt werden es die Tiere wohl nicht schaffen. Inzwischen sollen rund 3000 Sumpfkrebse zu Wasser und zu Land unterwegs sein.

Ein weiterer Anstieg ist nicht ausgeschlossen in der „Hauptstadt des Verbrechens“ – der neue Titel für Berlin. Denn in keiner anderen deutschen Großstadt und in keinem anderen Bundesland wurden im Jahr 2016 pro Einwohner mehr Straftaten verübt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist in Berlin 16161 erfasste Straftaten pro 100000 Einwohner aus. Die sicherste Stadt der Republik bleibt wie schon in den Vorjahren München mit nur 7909 Verbrechen pro 100000 Einwohner. Das ist mit deutlichem Abstand vor allen anderen Städten der beste Wert. Den Platz dahinter nimmt Augsburg (7988 Taten) ein. Berlin hat übrigens mit 40,5 Prozent auch bundesweit die geringste Aufklärungsquote. Der Innensenator registrierte nüchtern, dass die Berliner Zahlen irgendwie nicht sehr zufriedenstellend seien. Daran wird sich aufgrund des Personalmangels so schnell auch nichts ändern.

Ingolstadt wurde nicht registriert, da nur Städte mit mehr als 200000 Einwohnern in dieser Statistik erfasst werden. Macht aber nichts. Dafür sind die Schanzer als AfD-Hochburg im Vergleich mit anderen bayerischen Großstädten Spitzenreiter. 15,3 Prozent für die AfDbei der Bundestagswahl hat selbst Berlin mit zwölf Prozent nicht erreicht. Gemäß ihres Werbeslogans „Arm, aber sexy“ sagen die Berliner dazu: Wir sind zwar arm. Aber wir Hauptstädter wissen genau, dass nicht jeder erste Platz sexy ist.



Die Ingolstädterin Sabine Beikler lebt seit vielen Jahren in Berlin und arbeitet dort als politische Korrespondentin beim Tagesspiegel.