Wegen mehrerer Belästigungsvorwürfe einer Filmproduzentin wurde bereits der Chef der Amazonsparte, Roy Price, mit sofortiger Wirkung beurlaubt, wie ein Sprecher sagte. Produzentin Isa Hackett wirft dem 51-Jährigen vor, sie sexuell belästigt zu haben. Hackett, die für die Amazon-Serie "The Man in the High Castle" arbeitet, sagte dem "Hollywood Reporter", Price habe ihr im Sommer 2015 wiederholt unsittliche Angebote gemacht. So habe er im Taxi auf dem Weg zu einer Party schlüpfrige Bemerkungen gemacht und ihr später dann - trotz ihrer klaren Ablehnung - das Wort "Analsex" ins Ohr gerufen.

Der 65-jährige Weinstein sieht sich inzwischen mit polizeilichen Untersuchungen in New York sowie offenbar auch in London zu den Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Die Polizei in New York geht nach eigenen Angaben einem Vorfall aus dem Jahr 2004 nach. Details wollte ein Polizeisprecher nicht nennen. Die Polizei in London teilte mit, sie gehe einer mutmaßlich in den 80er-Jahren in London verübten sexuellen Attacke nach. Auch die Polizei der britischen Hauptstadt wollte sich nicht näheren zu den Umständen äußern.

Unter den Frauen, die sich als Weinstein-Opfer geoutet haben, sind inzwischen auch absolute Topstars wie Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie, Ashley Judd und Léa Seydoux. In einer Reihe von Fällen soll der mächtige Filmmogul Frauen mit Geldzahlungen zum Stillschweigen gebracht haben. Viele der geschilderten Übergriffe sind inzwischen verjährt, da es sich nach der Gesetzeslage um kleinere Delikte handelt. Anders verhält es sich unter Umständen bei Vergewaltigung. Diese Straftat verjährt beispielsweise nach den in New York geltenden Gesetzen nicht. Wegen des Skandals war Weinstein am vergangenen Wochenende von seinem eigenen Filmstudio entlassen geworden. Am Dienstagabend gab dann seine Frau Georgina Chapman ihre sofortige Trennung von dem 65-Jährigen bekannt.

Eine zusätzliche Dimension erhält der Skandal um Weinstein dadurch, dass das Verhalten offenbar vielen in der Branche seit Langem bekannt war. Die französische Schauspielerin Seydoux berichtete, alle in Hollywood hätten von dessen Verhalten gewusst. "Das ist das Widerlichste daran." Auch für Model Heidi Klum (44) weist der Skandal um Harvey Weinstein auf ein weit größeres Problem hin. "Ich wünschte, die grausamen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein lese, seien eine seltene Erscheinung in unserer Gesellschaft. Aber das stimmt einfach nicht. Wir sollten nicht so naiv sein zu denken, dass solch ein Verhalten nur in Hollywood passiert", sagte sie. Klum ist in den USA häufig als Moderation zu sehen.