•  Was ist die wichtigste Änderung? Zentral ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Damit ist ein neues Begutachtungsverfahren verbunden. Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit richtet sich nach dem Grad der Selbstständigkeit in elementaren Lebensbereichen wie Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Erstmals werden damit auch Demenzkranke voll in die Pflegeversicherung einbezogen. "Bei der Begutachtung sehen wir uns künftig die Pflegebedürftigkeit in allen Dimensionen an. Wir fragen: Was kann der Mensch noch alleine und was kann er nicht mehr alleine", sagt Bettina Jonas vom MDK in Berlin und Brandenburg.
 
  •  Welche Kriterien geben den Ausschlag für die Einstufung? Zu zehn Prozent geht die noch vorhandene Mobilität des Pflegebedürftigen in die Bewertung ein, zu 40 Prozent der Grad der Selbstversorgung, zu 15 Prozent kognitive Fähigkeiten, zu 15 Prozent bestehende soziale Kontakte und zu 20 Prozent der Umgang mit besonderen Anforderungen von Krankheit und Therapie. Bei der Feststellung des Pflegegrades geben die Gutachter auch Empfehlungen zu geeigneten Maßnahmen der Prävention, Rehabilitation und für Heil- und Hilfsmittel ab.

 

  •  Was wird aus dem bisherigen Pflegestufen? Statt drei Pflegestufen gibt es künftig fünf sogenannte Pflegegrade. Bedürftige mit allein körperlichen Beeinträchtigungen werden im neuen System eine Stufe höher eingruppiert: Waren sie bisher in Pflegestufe 2, erhalten sie künftig Leistungen nach Pflegegrad 3. Bei einer eingeschränkten Alltagskompetenz, etwa aufgrund einer Demenzerkrankung, geht es zwei Schritte hinauf: Aus Pflegestufe 2 wird Pflegegrad 4.

 

  •  Wer sollte noch vor der Reform einen Antrag stellen? Wer körperlich beeinträchtigt ist und noch kein Geld aus der Pflegekasse erhält, sollte handeln. Wer für dieses Jahr Pflegestufe 1 mit einer Leistung von 244 Euro monatlich anerkannt bekommt, rutscht 2017 automatisch in Pflegegrad 2 und erhält dann 316 Euro monatlich. Wird der Antrag erst nach dem Jahreswechsel gestellt, würde es in den meisten Fällen wohl nur eine Einstufung in Pflegegrad 1 geben, was 125 Euro monatlich entspricht.

 

  •  Was müssen Versicherte beachten, die Geld erhalten? Für sie erfolgt die Umstellung auf die neuen Pflegegrade automatisch und es gilt Bestandsschutz. Genau genommen bedeutet das: Sie werden nach der Reform auf keinen Fall weniger Leistungen erhalten als vorher. Eine erneute Begutachtung ist demzufolge nicht erforderlich.

 

  •  Werden die Zahlbeträge nun erhöht? Ja. Bei den Geldleistungen für die ambulante Pflege sind 125 Euro monatlich bei Pflegegrad 1 vorgesehen. Den Höchstsatz von 901 Euro gibt es erst für Pflegegrad 5. Bei den ambulanten Sachleistungen sind es 689 Euro in Pflegegrad 2, ansteigend bis 1995 Euro in Pflegegrad 5. In der stationären Pflege sind 125 Euro bei Pflegegrad 1 und 2005 Euro bei Pflegegrad 5 geplant.