Doch wird sich die Lage mittelfristig zuspitzen. Hintergründe zu den neuen Zahlen:

 

Wie stark steigen die Renten?

Laut Entwurf des Rentenversicherungsberichtes der Bundesregierung und Berechnungen der Rentenversicherung Bund können Rentnerinnen und Rentner im Westen ab dem 1. Juli 2018 mit 3,09 Prozent mehr rechnen, im Osten dürften die Renten um 3,23 Prozent steigen. Für den "Standardrentner" mit 45 Beitragsjahren läge das Plus bei 43 Euro im Monat - die allerdings versteuert werden müssen. Die West-Renten steigen deutlich höher als zum Juli 2017. Da hatte das Plus bei 1,9 Prozent gelegen. Für Ost-Rentner fällt die Erhöhung diesmal geringer aus. Die Erhöhung zum vergangenen Juli lag bei 3,59 Prozent, das waren fast 0,4 Punkte mehr, als im kommenden Juli anstehen. Die Ost- und West-Renten werden bis 2025 komplett angeglichen. Bedingung für das Rentenplus von rund drei Prozent sei, dass sich Löhne und Gehälter wie derzeit prognostiziert entwickeln, erklärte Alexander Gunkel, Vorstandsvorsitzender der Rentenversicherung Bund, gestern. Die Entscheidung wird im Frühjahr 2018 getroffen.

 

Wie entwickeln sich die Beitragssätze?

Seit Anfang 2015 liegt der Beitragssatz stabil bei 18,7 Prozent - dem niedrigsten Wert seit 1996. Wegen deutlich höherer Einnahmen ist die Rentenkasse gut gefüllt, die Rücklage steigt 2017 vermutlich um eine halbe Milliarde auf 32,9 Milliarden Euro. Das gebe Spielraum, den Beitragssatz erstmals seit drei Jahren um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent zu senken, erklärte Gunkel. Der Durchschnittsverdiener hätte 1,60 Euro pro Monat mehr übrig. Im Jahr 2022 ist wieder mit einer Anhebung auf 18,7 Prozent zu rechnen - bis 2030 müsste der Beitrag ohne Reformen sogar auf 21,6 Prozent angehoben werden.

 

Sinken im kommenden Jahr auch andere Sozialbeiträge?

Nicht nur die Rentenkasse ist zurzeit gut gefüllt, auch das Polster der Arbeitslosenversicherung ist gewachsen, sodass im kommenden Jahr Beitragssenkungen um maximal 0,3 Prozentpunkte möglich scheinen. Und der Zusatzbeitrag für die Krankenversicherung wird von 1,1 auf 1,0 Prozent abgesenkt, wie Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Aussicht stellte.
 

Werden die Renten weiter kräftig steigen?

Nur mittelfristig: Bis 2030 wird ein Zuwachs von rund zwei Prozent pro Jahr erwartet. Das Rentenniveau, das die Relation von Renten zu Löhnen zum Ausdruck bringt, wird hingegen nur noch fünf Jahre bei rund 48 Prozent stabil bleiben. Bis 2030 wird das Verhältnis auf 45 Prozent sinken, bis 2045 auf 42,2 Prozent, sollte die Politik nicht gegensteuern.
 

Was fordern die Rentenexperten?

Der Renteneintritt der Babyboomer-Jahrgänge und ein Ende der Beschäftigungsrekorde würden die Lage der Rentenkasse mittel- und langfristig "spürbar belasten", sagte Gunkel und warnte die Jamaika-Sondierer "eindringlich" vor neuen Leistungen, für die noch keine Beiträge eingezahlt wurden. "Keine zusätzlichen Mütterrenten auf Kosten der Beitragszahler", forderte auch die Co-Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, mit Blick auf die Rentenpläne der CSU, die sieben Milliarden Euro pro Jahr kosten würden. Die Gewerkschaft IG Metall will geringere Beiträge verhindern: "Statt heute die Beiträge zu senken, sollte die Regierung an morgen denken und angemessene Rücklagen bilden", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban. Die Arbeitgeber hingegen pochen darauf, die Sozialabgaben insgesamt bei 40 Prozent zu deckeln und künftige Beitragsanhebungen per Gesetz auszuschließen - was auf Kosten der Rentenhöhe gehen würde, wenn die Rücklage schmilzt.

 

Was planen Union, FDP und Grüne bei der Rente?

Die Ausweitung der Mütterrente ist der größte Zankapfel. Auch die CDU ist gegen die Pläne der Schwesterpartei CSU. Dabei gibt es weitergehende Vorhaben von Union, FDP und Grünen: Das Rentenniveau wollen die Jamaika-Partner stabilisieren, und Menschen mit geringen Einkommen und kleine Selbstständige sollen vor dem Abrutschen in Altersarmut geschützt werden. Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente stehen ebenso auf dem Programm wie eine Stärkung der privaten Altersvorsorge. Ob die Jamaika-Partner Abstriche bei der Rente mit 63 machen, wie es die Arbeitgeber fordern, ist noch offen.