Frau Ministerin, im Schwarzwald ist erstmals ein toter Wolf gefunden worden, der nachweislich erschossen worden ist . . .

Barbara Hendricks: Wir erwarten eine sorgfältige Ermittlung der Umstände und hoffen sehr auf Aufklärung. Der illegale Abschuss eines Wolfes oder eines Luchses ist eine Straftat, die mit Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Es geht nicht, dass sich Menschen über das Gesetz erheben und damit nach Wild-West-Manier handeln. Das Tier hat sich seit Juni dieses Jahres in Baden-Württemberg wie ein typischer Wolf unbemerkt aufgehalten und ist nirgends aufgefallen. Hinweise darauf, dass der Wolf in der Region Nutztiere wie etwa Schafe angegriffen oder Ziegen gerissen hat, liegen uns ebenfalls nicht vor.

 

Wölfe breiten sich in Deutschland aus, immer wieder kommt es zu Angriffen auf Nutztiere. Warum sollten die Bestände nicht durch eine Abschussquote reguliert werden, wie Landwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert?

Hendricks: Durch Wiederholung wird diese dem bestehenden Wolfsschutz entgegenstehende Forderung nicht besser. Und darüber hinaus hilft die Jagd nun einmal nicht, Risse bei Nutztieren zu vermeiden. Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren ist weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend ist, wie gut oder schlecht die Nutztiere geschützt sind. Nutztiere werden ja vor allem - nicht nur - dort vermehrt gerissen, wo Wölfe neue Territorien besiedeln und die Tierhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit eingestellt haben.

 

Welche Maßnahmen können Sie sich in Zukunft vorstellen?

Hendricks: Die existierenden Angebote zum Herdenschutz sind und bleiben die Mittel der Wahl. Dazu gehört die Förderung durch die Länder für wolfssichere, elektrisch geladene Schutzzäune und für Herdenschutzhunde für Schafe.

 

Eine Gefahr für den Menschen durch die Wölfe gibt es nicht?

Hendricks: Ich wäre wohl töricht, diese Gefahr rundherum zu verneinen. Wir sprechen von einem Raubtier. Aber seit es den Wolf in Deutschland wieder gibt, hat es keinen Angriff auf Menschen gegeben. Gefährlich für den Menschen sind sie dann, wenn sie sich in irgendeiner Weise bedroht fühlen.

 

Die Fragen stellte

Tobias Schmidt.