Erst Schulz, der sich durch den peinlichen Griff nach dem Außenamt endgültig zum Abschuss freigegeben hatte, und dann seine Schwester vorschickte, um sich stellvertretend für ihn auszujammern. Dann Sigmar Gabriel, der sich mit seinen Pöbeleien von der unsportlichsten Seite gezeigt und letzte Sympathien in der Partei verscherzt hatte. Und schließlich die Mäkeleien von Parteilinken an dem überstürzten Stabwechsel.

Dieser ist aber unumgänglich. Und dass sich die Sozialdemokraten nach den für sie erfolgreichen Koalitionsverhandlungen selbst zerfleischen, anstatt das Regieren ins Visier zu nehmen, zehrt heftig an ihrer Restglaubwürdigkeit. 16,5 Prozent würden die SPD derzeit laut Demoskopen noch wählen. Und der Tiefpunkt scheint noch nicht erreicht zu sein, schließlich startet Nahles selbst gehandicapt ins neue Amt. Dass sie Schulz in die Posten-Falle stürzen ließ, war entweder boshaft - oder sie hat das Vermessene an Schulz' Versuch nicht gesehen.

Bleibt für die SPD zu hoffen, dass die unsäglichen Personalquerelen jetzt ein Ende haben, sich Nahles, Olaf Scholz und die übrigen Führungsleute an die Arbeit machen, um die Basis für die große Koalition zu gewinnen. Sie haben so viele Trophäen in der Hand - von den sechs teils mächtigen Kabinettsposten bis zu inhaltlichen Verhandlungserfolgen -, dass die Partei bei einem Nein der Basis endgültig existenziell bedroht wäre.