Einer der Hauptakteure war heuer Bayerns künftiger Ministerpräsident Markus Söder, der von der Erkrankung des eigentlich als Redner vorgesehenen CSU-Chefs Horst Seehofer profitierte. Dass Söder Festzelt kann, war bekannt. Gestern hat er bewiesen, dass er auch Staatsmann kann.

Natürlich, ohne derbe Attacken auf den politischen Gegner und auch manchen Seitenhieb gegen die Unionsschwester geht es nicht in Passau. Die SPD bietet derzeit wahrlich Angriffsflächen genug. Doch es war offensichtlich, dass Söder sich bemüht hat, den Bogen nicht zu überspannen. Das Zubeißen überließ er CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Söder setzte weniger auf den billigen Effekt, wie man das sonst vom Aschermittwoch kennt und früher von ihm selbst gewohnt war. Er hat eine überraschend programmatische Rede gehalten, die ganz auf den kommenden Landtagswahlkampf ausgerichtet war.

Söder weiß, was die "lieben Freunde" der CSU und viele Wählerinnen und Wähler von ihm erwarten. Er ging wieder einmal auf Distanz zur Berliner Flüchtlingspolitik und setzte einen starken Akzent bei der inneren Sicherheit. Wohl wissend, wofür die CSU bei der Bundestagswahl abgestraft wurde. Söder schärft das konservative Profil seiner Partei, ohne sich des Vokabulars der AfD zu bedienen.

Und er betont die Heimat. Heimat? Ist das nicht ein verstaubter Begriff von gestern? Bei Teilen der politischen Linken mag er Brechreiz hervorrufen. Für viele Bürger jedoch hat er einen guten Klang. Und zwar nicht nur in Bayern und unter Konservativen. Die Politik hat lange ignoriert, dass sich immer mehr Menschen aus unterschiedlichsten Motiven - Flüchtlingszustrom, gesellschaftlicher Zusammenhalt oder Umweltfragen - um die Heimat sorgen. Die CSU scheint es erkannt zu haben.