Islamische Feiertage in Deutschland? Keine Arbeit und keine Schule für Muslime zum Auftakt des Ramadan und zum Opferfest? Die Abwehrreflexe waren abzusehen und sind nachvollziehbar: In der Tat hat CDU-Politiker de Maizière einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt für sein Signal gewählt.

Die Sorge vor Überfremdung, vor dem Verlust der eigenen Identität durch den Zuzug Hunderttausender aus muslimischen Ländern ist in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet. Die AfD profitierte bei der Bundestagswahl massiv von diesen Ängsten. Wer jetzt den Eindruck erweckt, sich über diese Sorge hinwegzusetzen, Weihnachten und Ramadan, die christliche Tradition und die muslimische Religion auf eine Stufe heben zu wollen, der gießt Öl ins Feuer und stärkt die Rechtspopulisten und Fremdenfeinde. Der Effekt könnte die Integration erschweren, statt sie zu erleichtern.

Dass der Vorstoß von Thomas de Maizière kommt, der noch vor Kurzem mit Thesen zur deutschen Leitkultur für Aufmerksamkeit sorgte, überrascht umso mehr. Nein, jetzt ist nicht der Zeitpunkt, eine Änderung des öffentlichen Feiertagskalenders in Angriff zu nehmen. Muslime mögen sich dieses wünschen als Zeichen, sie seien in der deutschen Gesellschaft willkommen. Zu befürchten ist indes, dass dies als falsche Geste angesehen und ins Gegenteil umschlagen würde.